Bilder zeigen Gefühle der Flucht

Ihr Bild aus Wasserfarben zeigt zwei Gesichter: das eine voller Regenbogenfarben, das andere kohlenschwarz. „Ich will meine Gefühle darstellen“, sagt die 20-jährige Syrerin Sally Harba auf Englisch. Die inneren Auswirkungen ihrer Flucht aus dem Kriegsgebiet, aus ihrer Heimat, scheinen sich in jedem ihrer Bilder widerzuspiegeln.

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Ihr Bild aus Wasserfarben zeigt zwei Gesichter: das eine voller Regenbogenfarben, das andere kohlenschwarz. „Ich will meine Gefühle darstellen“, sagt die 20-jährige Syrerin Sally Harba auf Englisch. Die inneren Auswirkungen ihrer Flucht aus dem Kriegsgebiet, aus ihrer Heimat, scheinen sich in jedem ihrer Bilder widerzuspiegeln.

In der Dezentrale an der Leineweberstraße 15-17 kann man Sally Harbas künstlerische Bearbeitungen derzeit sehen. Aus ihrer Heimatstadt Lattakia musste sie und ihre Familie fliehen. Es gab viele, die die Stadt im Westen Syriens verlassen mussten, erzählt sie und muss inne halten. Die Erinnerungen ihrer Reise über Algerien, Marokko und Spanien wiegen offenbar noch schwer. „Ich fühle mich verloren in einem Ozean der Gefühle“, versucht die junge Syrerin das Erlebte doch irgendwie auf einen Punkt zu bringen.

Nicht einfach in einer fremden Sprache, in Englisch und Deutsch. Und doch scheinen viele ihrer Bilder eine universale Sprache zu sprechen: Immer wieder sieht man Frauenfiguren in der Natur, allein auf einem Hügel, in einem Boot, nachdenklich. Dunkle Farben, Erdfarben dominieren. „Es ist ein Gefühl, nicht dazuzugehören“, erläutert sie. Das Reden ohne Worte fällt ihr leichter, und beim Malen mit Wasserfarben kann sie ihren Gefühlen einen Fluss geben.

Den Kontakt zur Dezentrale stellten Künstlerin Rona Nekes und Art Obscura-Initiator Gert Rudolph her: Im Rahmen des Mülheimer Kunstprojekts Art Square im vergangenen Oktober bekam die Syrerin bereits, die Möglichkeit ihr künstlerisches Talent zu zeigen und ihre Technik zu verbessern. „Sallys Bilder sind authentisch und sehr bewegend“, meint Rudolph. Sie passten zudem gut in den Zusammenhang des Vereins Art Obscura, der integrative Kunst fördert und sichtbar macht. Denn auch Sally Harbas Kunst versucht zu integrieren. So kam es zur aktuellen Ausstellung in der Dezentrale.

„In Liebe“ heißt die Ausstellung, und ist vielleicht der Neuanfang einer anhaltenden künstlerischen Beziehung zwischen Syrien und Deutschland. „Ich möchte den Menschen hier für ihre Gastfreundschaft etwas zurückgeben“, sagt Sally Harba, die gerne hier bliebe, „hier fühlt es sich sicher an.“

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