Biet-Spiel: Reisepass

Bietspiel: Die große Liebe eines Mülheimers zur Türkei

Pieter Stoutjesdijk

Foto: Tamara Ramos

Pieter Stoutjesdijk Foto: Tamara Ramos

Mülheim.   Pieter Stoutjesdijk reist beruflich um die Welt. In Budapest klauten ihm zwei Männer das Portemonnaie, in Ankara stahl eine Frau sein Herz.

Fragt man Pieter Stoutjesdijk nach seinen Lieblingsreisezielen, kann er sich kaum entscheiden. „Südafrika und die Türkei. Frankreich und Belgien sind aber auch toll“, erzählt der 59-Jährige, der für seine Firma beruflich in aller Welt unterwegs ist. Stoutjesdijk arbeitet im internationalen Vertrieb von Gerstel, einem Unternehmen, das Systeme für chemische Analysen entwickelt. Er ist zuständig für Westeuropa, den mittleren Osten und Afrika. 127 Stempel, verteilt in drei Reisepässen – das ist seine bisherige Reisebilanz.

Von diesen dreien ist allerdings nur einer mit 90 Stempeln nahezu voll. Stoutjesdijk benutzt zwei aktuelle Pässe parallel. „In arabische Länder, wie zum Beispiel Katar, kommt man nicht rein, wenn im Reisepass ein israelischer Stempel drin ist“, erklärt Stoutjesdijk. Deswegen nutzt er parallel einen zweiten Pass, denn beide Länder gehören zum seinem Arbeitsgebiet. „Mittlerweile ist man in Israel aber dazu übergegangen, kleine Zettelchen zu verteilen, auf die Ein- und Ausreise gestempelt werden“, sagt Stoutjesdijk. Dennoch muss er weiterhin zwei benutzen.

Abends alleine auf der Kettenbrücke

Eine Dienstreise bleibt ihm für alle Zeiten ganz besonders in Erinnerung: Um die Jahrtausendwende lernte er auf einem Symposium in Ankara seine heutige Frau kennen. „In der Pause sprach sie mich an“, erinnert sich Stoutjesdijk. Sie hatte noch Fragen zu seinem Vortrag. Kurze Zeit später entwickelte sich ein reger E-Mail-Kontakt, über den sie sich näher kennenlernten. 2004 heirateten die beiden. Gemeinsam wohnen sie seit vielen Jahren in Mülheim. Auch heute noch fährt er häufig in die Türkei – sowohl beruflich als auch privat.

Wenige Jahre später wurde Stoutjesdijk in Budapest ausgeraubt. Er war zum ersten Mal in dieser Stadt und beschloss im Winter abends alleine zur berühmten Kettenbrücke zu gehen, da sein Hotel in der Nähe der Donau lag. „Dort wurde ich von zwei Leuten angesprochen. Die Gesprächssituation war irgendwie komisch“, erzählt er. Als er gehen wollte, merkte er, dass sein Portemonnaie weg war. „Ich drehte mich um und einer der Männer zeigte mir ein Messer“, sagt er. Die Räuber stahlen nur das Geld und ließen das Portemonnaie auf der Straße liegen. „Es war dumm, abends alleine auf diese Brücke zu gehen“, resümiert Stoutjesdijk. „Aber so sammelt jeder seine Erfahrungen.“ Er hat sich von diesem Erlebnis jedenfalls nicht unterkriegen lassen. „Man staunt bei Reisen immer wieder, wie freundlich die Menschen in anderen Ländern sein können“, sagt er.

Auch wenn er auf den Geschäftsreisen nie viel Zeit für Sehenswürdigkeiten hat, versucht er, so viel wie möglich mitzunehmen. Für das ägyptische Museum in Kairo blieb ihm nur eine Stunde. Dort hastete er direkt zum Highlight – der Totenmaske des Tutenchamun.

Nachts um zwei am Flughafen warten

Ein Ende seiner Reisen ist nicht in Sicht. Bereits im September wird er erneut ins Flugzeug steigen – wieder in die Türkei. „Ich werde häufig darauf angesprochen, dass ich so viel Urlaub machen darf. Die Leute vergessen jedoch, dass ich da keine Ferien mache, sondern arbeite. Dass bedeutet auch, unter Umständen nachts um zwei am Flughafen sitzen zu müssen und auf den Anschlussflug zu warten“, sagt Stoutjesdijk. Platz für die nächsten Dienstreisen ist in seinen Reisepässen jedenfalls noch genug.

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Kontakt: WAZ Lokalredaktion Mülheim, Eppinghofer Straße 1-3, 44 308 31, E-Mail: redaktion.muelheim@waz.de.

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