Friedhofskultur

Bestattungen im Mülheimer Ruhrtal sind jetzt möglich

Die neue Gemeinschaftsgrabanlage „Ruhraue“ präsentieren: (v.l.) Pfarrer Christoph Pfeiffer, Melanie Vößing, Pfarrer Jürgen Krämer, Lilli Kern, Aylin Jasiczek und Thomas Schmitt

Die neue Gemeinschaftsgrabanlage „Ruhraue“ präsentieren: (v.l.) Pfarrer Christoph Pfeiffer, Melanie Vößing, Pfarrer Jürgen Krämer, Lilli Kern, Aylin Jasiczek und Thomas Schmitt

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Auf dem Evangelischen Friedhof auf dem Auberg finden Verstorbene in gestalteter Anlage ihre letzte Ruhe. Der Trend geht zu pflegefreien Gräbern.

Im Ruhrtal seine letzte Ruhe finden – das ist auf den Wiesen in der freien Landschaft nicht gestattet. Auf dem Evangelischen Friedhof auf dem Auberg aber schon. Dort haben Landschaftsgärtner das Ruhrtal in verkleinerter Form nachgebildet. Alle Mülheimer erkennen den Flusslauf, die Ruhrinsel und die Mendener Brücke sofort wieder. „Wir wollten weg von den eintönigen Wiesengräbern mit Namensplatten“, erklärt Pfarrer Christoph Pfeiffer. Auch Columbarien kämen nicht bei allen Angehörigen gut an. „Die Friedhofskultur bietet so viele Möglichkeiten. Darum haben wir uns für das nahe Ruhrtal entschieden, dass sicher alle Besucher anspricht.“

Drei Wochen Arbeit für das neue Ruhrtal auf dem Mülheimer Auberg-Friedhof

Wer von der Hauptallee am Wegekreuz nach links abbiegt, erreicht das neue Bestattungsfeld nach wenigen Metern. „Das Flussband besteht aus Basaltsteinen. Darunter haben wir ein wasserdurchlässiges Vlies eingebaut“, beschreibt Melani Vößing. „Am Ufer wachsen Lampenwurzelgras, Stauden, Vergissmeinnicht. Im Boden stecken 400 Tulpenzwiebeln in Weiß und Rosa. Im nächsten Frühling wird alles richtig aufblühen“, weiß die Landschaftsgärtnerin.

Drei Wochen hat sie mit ihrem Team am kleinen Ruhrtal auf dem Auberg-Friedhof gearbeitet. „Jeder kann dort seine individuelle Ruhestätte finden“, sagt Pfarrer Jürgen Krämer, Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Broich-Saarn. Auch glatte Steine für Namen und Daten sind bereits an den vorgesehenen Grabstellen eingelassen.

Die Trauerarbeit hat in der Gemeinde einen neuen Stellenwert erhalten

„Es war einfach, das Leitungsgremium der Gemeinde von einer derart gestalteten Grabgemeinschaftsanlage zu überzeugen“, schildert Pfarrer Pfeiffer. „Die Trauerarbeit hat in der Gemeinde einen neuen Stellenwert erhalten. Friedhöfe laden wie Parks zum Verweilen ein. Vor vier Jahren wäre der Beschluss für diese Grabanlage viel schwieriger gewesen.“

Grund dafür ist zweifelsfrei der Wettbewerb, der inzwischen auch das Bestattungswesen beherrscht. „Wir haben mit gestalteten Gemeinschaftsgrabanlagen gute Erfahrungen gemacht“, beschreibt Thomas Schmitt vom Evangelischen Kirchenkreis Niederberg aus Velbert. Dieser betreut seit Jahresbeginn den Aubergfriedhof an der Voßbeckstraße in Saarn.

Kleine Mendener Brücke wurde extra aus Holz gebaut

Angetan von der als „Ruhraue“ gestalteten Anlage war auch Martina Rundt: „Das ist ein schönes Objekt, dass ich unseren Kunden vorstellen kann. Das ist nicht anonym. Man kann vor Ort sehen, ob es den Angehörigen gefällt.“

Die Angehörigenberaterin der Aus dem Siepen-Gruppe ist gleich mit drei Kolleginnen bei der Präsentation an der kleinen Mendener Brücke. „Die haben wir extra aus Holz gebaut, um ein zusätzliches Material in der Anlage zu haben“, erklärt Melanie Vößner. Auf der Ruhrinsel der Gartenanlage wächst und ein Wildapfelbaum – eine passende Symbolik zum Paradies.

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