Tersteegenjahr

Begegnung mit Tersteegen in Mülheim zum 250. Todestag

Dr. Kai Rawe (Leiter Stadtarchiv), Pfarrer Justus Cohen, Prof. Ulrich Kellermann und Superintendent Gerald Hillebrand vom Vorbereitungskreis der Veranstaltungen zum Tersteegenjahr auf dem künftigen Standort des Tersteegen-Gedenksteins (von links).

Dr. Kai Rawe (Leiter Stadtarchiv), Pfarrer Justus Cohen, Prof. Ulrich Kellermann und Superintendent Gerald Hillebrand vom Vorbereitungskreis der Veranstaltungen zum Tersteegenjahr auf dem künftigen Standort des Tersteegen-Gedenksteins (von links).

Foto: Mara Tröger

Mülheim.   Zum 250. Todestag des Mülheimer Mystikers und Lieddichters Gerhard Tersteegen erinnert ein umfangreiches Programm an einen bedeutenden Bürger.

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Tersteegenhaus, Tersteegenstraße, Tersteegenstein – der Name ist in Mülheim geläufig. Doch wer Gerhard Tersteegen (1697 bis 1769) war und was er tat, dürfte nicht jeder Mülheimer auf Anhieb erklären können. Zum 250. Todestag einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt gibt es genug Gelegenheiten, diese Bildungslücke zu schließen.

Von Montag, 21. Januar, bis zum 7. April nähern sich viele kulturelle, historische und kirchliche Veranstaltungen einem Mann, „der in der Vergangenheit oft nicht besonders wahrgenommen worden ist“, wie Superintendent Gerald Hillebrand bei der Vorstellung des Programms sagte.

Zu Lebzeiten des pietistischen Predigers, Autors und Lieddichters war das anders, ganz anders. „Mülheim war damals ein Touristenort“, sagt Prof. Dr. Ulrich Kellermann. „Die Leute sind aus dem Ausland gekommen, um ihn zu sehen und zu hören“, weiß der ausgewiesene Tersteegen-Kenner, der anlässlich des Jubiläumsjahrs ein „Tersteegen-Lesebuch“ verfasst hat mit vielen Details aus dem Leben des Mülheimer Mystikers. Der wurde zwar im (damals niederländischen) Moers geboren, lebte aber seit 1713 bis zu seinem Tod in Mülheim. Das Tersteegenhaus, sein Wohnsitz unweit der Petrikirche, platzte regelmäßig aus allen Nähten, weil ihn so viele predigen hören wollten.

Geblieben sind Tersteegens Lieder, die bis heute in evangelischen Gottesdiensten gesungen werden, „Gott ist gegenwärtig“ etwa, oder „Ich bete an die Macht der Liebe“. Am 3. April, wenn sich der Todestag Tersteegens zum 250. Mal jährt, soll sein Gedenkstein, der jahrzehntelang im Hof der Petrikirche weitgehend unbeachtet stand, frisch aufgearbeitet und gut sichtbar auf dem Pastor-Barnstein-Platz vor der Kirche aufgestellt werden.

Gerhard Tersteegen war ein Mann des Wortes. Kein Bildnis gibt es von ihm, sein Grab ist längst vergessen, aber reichlich Schriften, Briefe, Liedtexte wurden überliefert. Dass die Auftaktveranstaltung am Montag, 21. Januar, in der Petrikirche sich mit seinen Texten und Liedern beschäftigt, ist folgerichtig. Die Mülheimer Schauspielerin Maria Neumann liest ausgewählte Texte; zwei Sopranistinnen tragen die von Johannes Schmidlin vertonten Stücke vor. Tersteegen hinterließ über 120 Lieder. (20 Uhr)

Tersteegen meets Jazz

„Tersteegen meets Jazz“ bringt am Sonntag, 17. Februar (18 Uhr, Petrikirche), Choräle und alte Texte im frischem Notengewand. Die Musikerin Felicia Friedrich vertonte und arrangierte Tersteegen-Lieder neu. Einen Vortrag zu Tersteegens „Leben und Werk“ hält Dr. Johannes Burkardt am Montag, 25. Februar, 20 Uhr, im Petrikirchenhaus.

Überliefert ist neben Tersteegens theologischem und seelsorgerischem Wirken auch seine heilpraktische Tätigkeit. Dass dieser Aspekt bei den Veranstaltungen nicht berücksichtig wurde, bedauert Kellermann. Der Experte erwartet im Tersteegenjahr viele auswärtige Besucher. „Ter­steegen hat“, so Ulrich Kellermann, „einen weltweiten Ruf.“ Daran erinnert am Samstag, 6. April, (19 Uhr) der Vortrag des US-Professors O’Malley aus Wilmore, „Ter­steegen in Amerika“, im Haus der Stadtgeschichte.

Das baufällige Tersteegenhaus wird in diesem Jahr nicht mehr betreten werden können. Wer einen originalen Wirkungsort Tersteegens besuchen möchte, findet diesen im Witthausbusch: Der Gedenkstein dort erinnert seit 1903 an die Stelle, an der der Mülheimer Mystiker mit seinen Anhängern Waldandachten gefeiert hat.

>> REKOWSKI HÄLT PREDIGT IN MÜLHEIM

Beim Festgottesdienst zum Tersteegenjahr am Sonntag, 31. März, 11.15 Uhr in der Petrikirche, predigt der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski.

Der Kirchenkreis, die Vereinte Ev. Kirchengemeinde, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, das Stadtarchiv, die Stiftung Petrikirchenhaus, der Verein für rheinische Kirchengeschichte und der Freundeskreis Tersteegenhaus haben die Veranstaltungen zum Ter­steegenjahr vorbereitet.

Das gedruckte Programm mit allen Veranstaltungen findet sich in vielen evangelischen Häusern sowie unter tersteegenjahr2019.de. Kellermanns Tersteegen-Lesebuch wird bei Veranstaltungen, in der Ladenkirche und in der Buchhandlung Fehst am Löhberg verkauft (7 €).

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