Geschichte

Auf den Spuren der Bergleute

Führung auf dem ehemaligen Gelände der Zeche

Führung auf dem ehemaligen Gelände der Zeche

Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv

Mülheim.   Nur wer die Mülheimer Bergbaugeschichte kennt, kann versteckte Hinweise auf die ehemalige Zeche deuten.

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Was haben Schlägel und Eisen – traditionelle Bergmannsinsignien – an einem Geschäft für Damenmoden zu suchen? Warum steht eine Lore am Parkplatz des Heißener Jumbo Zoos? Nur wer die Mülheimer Bergbaugeschichte kennt, kann diese versteckten Hinweise heute deuten: Lars van den Berg ist einer dieser Spurenleser.

Am Sonntag begab sich der Vereinsvorsitzende des Initiativkreises Bergbau und Kokereiwesen (IBK e.V.) mit rund 30 Interessierten auf die Fährte der Heißener Zeche Rosenblumendelle. Van den Bergs Führung eröffnet nicht wenigen aus der Gruppe neue Sichtweisen auf den Stadtteil: Wer hätte gedacht, dass es auf dem Parkplatz nahe des Kreisverkehrs mal mit bis zu 20 Metern pro Sekunde in gut 717 Meter Tiefe ging? Der Schacht 1 ist schließlich seit Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb. 1966 schloss man diese letzte Mülheimer Zeche, die Rosenblumendelle, knapp zwei Jahre später fiel der Förderturm.

Waschkaue dient heute als Materiallager

„Ich kenn’ das Gebiet nur so, wie es heute aussieht“, meint Christian Eisel, der im Jahr der Schließung geboren ist. „Es ist schade, dass daran heute so wenig erinnert.“ Der Name der Straße „Am Förderturm“ und das fünf Tonnen schwere Förderrad am Kreisel sind augenfällige Zeichen dieser Zeit.

Das Gelände ist für viele im Zusammenhang kaum noch vorstellbar, weil durch neue Gewerbe und Zäune zerpflückt. Die ehemalige Markenkontrolle an der Wackelsbeck etwa ist heute ein Modegeschäft. Inzwischen ist es auch geschlossen, verblieben aber ist das „Schlägel und Eisen“-Emblem über dem Eingang, auf das van den Berg zeigt: „Hier haben die Bergmänner ihre persönlichen Marken abgeholt, und dann das Zechengelände betreten.“ Den Weg der Kumpels versperrt heute ein Zaun.

Manches Gebäude der Zeche steht nun mit anderen Vorzeichen: Die Waschkaue, damals für gut 1200 Arbeiter ausgelegt, dient nun als Materiallager, in das ehemalige Kraftwerk und das Verwaltungsgebäude sind längst verschiedene Firmen eingezogen. Und der Ehrenhof – das blumenreiche Schmuckstück der Zeche zum Empfang von Gästen – dient funktional als Rangierfläche für den Autoverkehr.

Details aus der Arbeiterwelt der Bergleute

Vieles geriete in Vergessenheit, wäre da nicht etwa ein „Kleinod“ von zwei Tonnen, das der IBK-Verein vor sechs Jahren in einem Privatgarten aufstöberte. „Wie er da hinkam, wissen wir nicht“, meint der Vereinsvorsitzende. Mit Hilfe des THW und Erlaubnis der Firma Detmers steht der Gedenkstein mit den Jahrgängen der drei Schachttaufen aber nun wieder im früheren Hof des Zechengeländes.

Und wäre da nicht Lars van den Berg, der unzählige Details aus der Arbeitswelt der Bergleute zu erzählen und mit historischen Fotos und Originalmaterialien auszuschmücken weiß. Die Mülheimer Familie Grösgen sieht ihren Stadtteil nun mit anderen Augen: „Das Haus für die Markenkontrolle hat mich am meisten überrascht. Vor allem der Vergleich mit den Fotos von damals ist beeindruckend. Das sollte eigentlich jeder mal mitgemacht haben.“

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