Gesundheit

Arzneimittel verunreinigen Trinkwasser

In 70 Prozent der Wasserproben hat RWW  seit 2008 Rückstände von Medikamenten nachgewiesen.

In 70 Prozent der Wasserproben hat RWW seit 2008 Rückstände von Medikamenten nachgewiesen.

Foto: dpa

Mülheim.  Ökotest findet hohe Konzentration von Röntgenkontrastmitten im Trinkwasser. RWW beschwichtigt: kein gesundheitliches Risiko. Unkonventionelles Pilotprojekt in drei Mülheimer Röntgenpraxen: Urinbeutel für Patienten, um Kontrastmittel aufzufangen.

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Wer Wasser aus dem Hahn trinkt, schluckt auch Rückstände von Arzneimitteln. Im Vergleich zu 69 deutschen Städten hat die Verbraucherzeitschrift Ökotest besonders hohe Werte des Röntgenkontrastmittels Gadolinium in Mülheim, aber auch in Oberhausen und Bochum festgestellt. Ein gesundheitliches Risiko bestehe wegen der erhöhten Gadolinium-Konzentration nicht, beschwichtigt die für die Trinkwasseraufbereitung zuständige Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW).

Dennoch mache das Ergebnis hellhörig – und es lässt die RWW ungewöhnliche Wege beschreiten, um das Trinkwasser sauberer zu machen. Überlegt wird, Patienten in Beutel urinieren zu lassen. „Damit wäre erstmals ein Stoff aus dem Wasser, der bisher nicht herauszufiltern war“, sagt Christoph Donner, Technik-Leiter bei RWW.

Trinkwasser ist das wohl am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Mit immer genaueren Messverfahren werden Rückstände auf Milliardsten Gramm im Wasser erkannt und mit komplexen Aufbereitungsmethoden reguliert.

Die RWW kontrolliert seit 1999 Arzneirückstände in der Ruhr, im Trinkwasser und in den Aufbereitungsanlagen. Seit 2008 sind in 70 Prozent der untersuchten Proben Medikamente gefunden worden.

Die Röntgenkontrastmittelkonzentration im Trinkwasser liege unterhalb des gesundheitlichen Orientierungswert des Umweltbundesamtes, betont Donner. Dieser Richtwert liegt bei einem Mikrogramm pro Liter. Ökotest hatte Gadolinium mit einer Konzentration von 0,034 bis 0,40 Mikrogramm pro Liter im Mülheimer Trinkwasser nachgewiesen.

Mittel lassen sich nicht herausfiltern

Röntgenkontrastmittel ließen sich mit herkömmlicher Kläranlagentechnik aber nicht aus dem Abwasser entfernen, führt Donner aus. „Deshalb suchen wir Wege, wie das Röntgenkontrastmittel erst gar nicht ins Wasser gelangt.“

Geschätzt wird, dass rund 2,6 Tonnen Röntgenkontrastmittel jedes Jahr ins Abwasser gelangen – aus den Kliniken, aber auch von ambulant versorgten Patienten. In der Medizin wird Gadolinium eingesetzt, um künstliche Kontraste auf dem Röntgenbild zu schaffen. Damit sollen Organe von Patienten besser zu untersuchen sein.

In drei Mülheimer Röntgenpraxen erhalten Patienten ab April 2015 testweite einen Urinbeutel. Einmal genutzt, könnte dieser daheim oder beim Arzt entsorgt werden – eine unkonventionelle Lösung, mit der RWW Vorreiter wäre

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