Apotheken

Apotheken-Kontrolle wird für die Stadt Mülheim teurer

Arbeit im Sterillabor: Apotheken werden neuerdings alle drei Jahre amtlich kontrolliert. Dafür ist zusätzliches Personal nötig.

Arbeit im Sterillabor: Apotheken werden neuerdings alle drei Jahre amtlich kontrolliert. Dafür ist zusätzliches Personal nötig.

Foto: Ralf Rottmann / Funke Foto Services

Mülheim.  Der Kriminalfall in Bottrop hat dazu geführt, dass Apotheken häufiger kontrolliert werden. Dadurch entstehen Mehrkosten, auch in Mülheim.

Die Apotheken in Mülheim werden regelmäßig kontrolliert - zuständig ist das Gesundheitsamt der Nachbarstadt Essen. Dort werden jetzt zwei neue Stellen eingerichtet, denn mit dem bisherigen Personal sind die vorgeschriebenen Kontrollen nicht mehr zu bewältigen. An den höheren Kosten muss sich auch die Stadt Mülheim beteiligen.

Apotheken- und Arzneimittelüberwachung ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Seit dem Jahr 2005 machen Mülheim, Essen und Oberhausen hier gemeinsame Sache. Sie haben einen MEO-Verbund gegründet und in einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung fixiert. Ob die Stadt Mülheim diese Kooperation weiterführt, auch wenn es teurer wird, darüber musste im Oktober der Stadtrat entscheiden.

Im Ergebnis wird es bei der Zusammenarbeit der drei Städte bleiben. Der Kostenanteil, den Mülheim tragen muss, erhöht sich im nächsten Jahr um knapp 22.000 Euro. Die Alternative - ein Alleingang - wäre aber offensichtlich ungünstiger, finanziell und arbeitstechnisch.

Dienstsitz der Amtsapothekerinnen ist und bleibt Essen

Seit der MEO-Verbund besteht, ist dessen Dienstsitz im Gesundheitsamt Essen. Bislang sind dort zwei Amtsapothekerinnen mit zwei Vollzeitstellen tätig und drei Verwaltungsfachkräfte mit zusammen 1,75 Stellen. Vor einem Jahr hat das NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales nach dem Bottroper Apothekerskandal per Erlass engmaschigere Kontrollen angeordnet. Bislang sollte in jeder Apotheke mindestens alle vier Jahre eine Vollrevision erfolgen, jetzt ist dies alle drei Jahre gefordert. Apotheken, in denen Mittel für die Chemotherapie von Krebspatienten hergestellt werden, unterliegen noch strengeren Auflagen.

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Essen eine zusätzliche Vollzeitstelle für einen Amtsapotheker bewilligt sowie eine weitere Sachbearbeiterstelle. Die Mehrkosten werden auf die drei MEO-Städte umgelegt, jede braucht dafür die Zustimmung per Ratsbeschluss.

Zwei zusätzliche Vollzeitstellen werden eingerichtet

Laut Verwaltungsvorlage für den Mülheimer Stadtrat betrugen die Gesamtkosten im Jahr 2018 genau 473.235 Euro. Aufgeteilt werden sie im Verhältnis der Einwohnerzahl, auf Mülheim sind danach 67.357 Euro entfallen. Sobald die Verstärkung im Gesundheitsamt Essen ihre Arbeit aufnimmt, müsste Mülheim 21.900 Euro mehr zahlen. Eigentlich sind es sogar rund 38.900 Euro, aber zugleich werden auch Gebühren eingenommen, anteilig etwa 17.000 Euro, denn die Apotheker müssen für die Revisionen bezahlen.

Das Mülheimer Gesundheitsamt hat als Alternative geprüft, aus der MEO-Kooperation auszusteigen und die Apothekenkontrolle in Eigenregie durchzuführen. „Im günstigsten Falle würde diese Variante jährlich cirka 137.000 Euro kosten“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Damit könnten je 0,6 Stellen für Amtsapotheker und Verwaltungskraft finanziert werden. Ein Verbleib im MEO-Verbund wäre, wenn man alle Kosten berücksichtigt, letztendlich um cirka 14.300 Euro günstiger.

Mülheimer Alleingang als Alternative wäre teurer und wenig sinnvoll

„Die Kooperation ist schon sinnvoll“, meint auch Dr. Georg Ohde, Leiter des Mülheimer Gesundheitsamtes. Neben den geringeren Kosten sprechen auch Synergieeffekte dafür, etwa die Bündelung von Fachwissen und Netzwerkarbeit am Standort Essen. Vor allem aber können sich die Amtsapothekerinnen in Essen gegenseitig vertreten. Bei einer Einzellösung in Mülheim wäre dafür niemand da. Beim bewährten Konstrukt soll es also bleiben.

In der Praxis dauert eine Revision drei bis vier Stunden - „einen ganzen Vormittag“, berichtet Hannu Uwe Kratz, der für Mülheim zuständige Kreisvertrauensapotheker der Kammer. Seine eigene Apotheke sei erst vor wenigen Wochen amtlich kontrolliert worden. Eine lange Liste wird dabei abgearbeitet, und am Ende muss der Inhaber 300 bis 400 Euro Gebühren zahlen. Das klingt viel, ist aber nicht kostendeckend. Den Rest trägt die Stadt.

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