Talent Talk

Anwältin plädiert an Mülheimer Hochschule für Berufschancen

Die ehemals Geflüchtete und heutige Migrationsanwältin Nizaqete Bislimi-Hošo sprach in der Hochschule Ruhr-West in Mülheim über ihren Werdegang.

Die ehemals Geflüchtete und heutige Migrationsanwältin Nizaqete Bislimi-Hošo sprach in der Hochschule Ruhr-West in Mülheim über ihren Werdegang.

Foto: Tamara Ramos

Mülheim.  Die Migrationsanwältin Nizaqete Bislimi-Hošo sprach bim HRW Talent-Talk über ihren Werdegang mit Umständen. Worauf Scouts gefasst sein müssen.

Insbesondere junge Menschen mit Flüchtlings- oder Migrationshintergrund brauchen Unterstützung, um ihre Potenziale auszuschöpfen. Jemanden zu haben, der an einen glaubt, sei in einer solchen Lebenssituation immens wichtig. Das machte Nizaqete Bislimi-Hošo beim Talent-Talk der HRW in ihrer Gastrede „Vom Flüchtling zur Anwältin – Erfolgreich trotz ungewisser Zukunftsaussichten“ deutlich.

Sie selbst flüchtete im Alter von 14 Jahren mit ihren Eltern und zwei Schwestern aus dem Kosovo nach Deutschland. Jahrelang wurden sie ohne Aufenthaltsgenehmigung nur geduldet, dennoch machte sie Abitur, studierte danach an der Ruhr-Universität Bochum Jura und arbeitet nun seit über zehn Jahren als Anwältin für Migrationsrecht bei einer Essener Kanzlei. Im kommenden Jahr wird sie die Anwaltskanzlei, die sie damals vertrat, als sie und ihre Familie nach Deutschland kamen, übernehmen. Zudem ist sie Vorsitzende des Roma-Verbands und setzt sich für deren Rechte ein. Ein sicherlich bemerkenswerter Lebenslauf. „Ich hatte Glück“, sagt Bislimi-Hošo. „Aber es kann doch nicht sein, dass so etwas vom Glück abhängt.“ Deshalb brauche es für Menschen in ähnlichen Situationen noch vielmehr institutionelle Unterstützung.

Junge Leute erkennen Potenziale nicht

Wie diese konkret aussieht, ließe sich nicht pauschalisieren, dafür gebe es keinen Leitfaden. „Denn jeder tickt anders.“ Oft reiche es aber auch schon, das Gefühl zu vermitteln, nicht allein gelassen zu werden. Dafür sind die Talent-Scouts der HRW da. Sie wollen aber auch Potenziale erkennen, die jungen Menschen selbst noch nicht sehen können, beispielsweise für ein Studium. „Es muss Ihnen klar sein, dass die Leute mit einem Sack voll Sorgen hier hin kommen“, so die Anwältin.

Unter den Zuhörern saßen vor allem Pädagogen, die mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund arbeiten. Es sei klar, dass sie nicht immer zielgerichtet agieren könnten und manchmal mehr Zeit benötigten, um ans Ziel zu gelangen. „Diese Zeit müssen wir ihnen geben“, fordert Bislimi-Hošo. „Wenn ich solche Sorgen mit mir rum trage, kann ich mich eben nicht so gut konzentrieren oder lernen wie andere.“ Damit spielt sie auch auf ihren eigenen Lebensweg an. Neben dem andauernden Kampf um ihre Aufenthaltsgenehmigung, hatte ihre Familie lange Zeit auch mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie selbst hielt sich während des Studiums mit mehreren Nebenjobs über Wasser, unter anderem in einer Trinkhalle. Erst für die Zeit des Examens erhielt sie ein Stipendium. „Das war eine Erleichterung und hat mir sehr geholfen.“

Zugang zur Uni zunächst verwehrt

Neben finanziellen Hilfen sei auch die emotionale Unterstützung essenziell. Dazu gehöre es, zu vermitteln, wie man mit Rückschlägen umgeht. „Denn die wird es geben.“ Dies hat die 40-Jährige selbst oft erfahren müssen. Etwa nach dem Abitur: Obwohl ihre Noten weit über dem Durchschnitt waren, wollte man ihr bei der Berufsberatung sowie auch bei der Ausländerbehörde zunächst den Weg zur Universität verschließen. Der Tipp, den sie dort bekam, war stattdessen: „Heirate, Mädel.“

Sie ging aber einen anderen Weg: „Mit einem Freund bin ich dann eben direkt zur Universität gefahren“, erzählt die Migrationsanwältin und erhielt die Zulassung. Geschichten wie diese zeigen, dass neben der Hilfe von außen eben auch der Eigenantrieb unabdingbar ist. „Es braucht den Willen, es unbedingt zu schaffen“, so Bislimi-Hošo. Und dazu gehört aus ihrer Sicht auch, Hilfe einzufordern und anzunehmen.

>>>Talentscouting vom Landesprogramm gefördert

Als eine von sieben Hochschulen in NRW hat sich die HRW über einen Wettbewerb der Landesregierung für das Programm Talentscouting qualifiziert. Dieses wird bis 2020 vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung mit jährlich bis zu 6,4 Millionen Euro gefördert.

Das Ziel ist es, Hemmschwellen und Hürden auf dem Weg in die Hochschule abzubauen und Bildungsgerechtigkeit zu fördern. Mit dem Talentscouting hat die Hochschule eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Angeboten zur Berufs- und Studienorientierung an der HRW erhalten.

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