Forum Gesundheit

Ärztemangel bereitet dem Gesundheitsminister große Sorgen

Diskussionsrunde beim Forum Gesundheit im Evangelischen Krankenhaus mit den  Medizinern Uwe Brock, Dr. Eva Niedziella-Rech, Prof. Heinz-Jochen Gassel (v.r.), Minister Karl-Josef Laumann und Andreas Heinrich (l.).

Foto: Andreas Köhring

Diskussionsrunde beim Forum Gesundheit im Evangelischen Krankenhaus mit den Medizinern Uwe Brock, Dr. Eva Niedziella-Rech, Prof. Heinz-Jochen Gassel (v.r.), Minister Karl-Josef Laumann und Andreas Heinrich (l.). Foto: Andreas Köhring

Mülheim.   Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sieht im Ärztemangel eine der größten Herausforderungen. Den Krankenhäusern verspricht er mehr Geld.

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Es könnte der Tag kommen, dass eine unzureichende ärztliche Versorgung Wahlen entscheidet. Das prophezeite NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) beim Forum Gesundheit am Dienstagabend im Evangelischen Krankenhaus Mülheim. „Wir bilden viel zu wenig Ärzte aus“, kritisierte er und sieht jetzt schon einige Gebiete im Land, wo die Schmerzgrenze erreicht ist. Rund 2000 ausgebildete Ärzte im Jahr in NRW reichten nicht, zumal nur noch jeder zehnte Absolvent Lust auf den Job als Haus- oder Landarzt verspüre.

In den Kliniken des Landes sind derzeit über 1000 Arztstellen unbesetzt, und Laumann hält es auch unter sozialen Aspekten für sehr bedenklich, immer mehr Mediziner dem Ausland, aus armen Ländern zu locken. „Dort werden diese Ärzte oft noch mehr gebraucht.“

Neue Medizinische Fakultät in Bielefeld

Mit einer neuen Medizinischen Fakultät in Bielefeld sollen die Medizinerzahlen steigen, zehn Prozent der Studienplätze werde das Land künftig an jene vergeben, die sich verpflichten, später in unterversorgten Gebieten zu praktizieren. Er fordert die Hochschulen auf, mehr zu tun. Die Altersabgänge gerade bei den Hausärzten werden schon bald hoch sein. Über 60 Prozent seien älter als 60 Jahre. Und: Die jüngere Ärztegeneration ist nicht mehr bereit, derart viel zu arbeiten wie die jetzige: „Wir bräuchten eigentlich 1,3 Mediziner, um einen ausscheidenden Arzt zu ersetzen“, sagte Laumann.

Der Mangel an Pflegekräften bereitet ihm ebenso Sorgen: „Die Krankenhäuser haben in den vergangenen Jahren überproportional Stellen abgebaut.“ Dabei gibt er nicht den Häusern die Schuld, sondern sieht das Übel in der Unterfinanzierung, die zu Stellenkürzungen und zu Arbeitsverdichtungen geführt habe. Sein Credo: „Wer jetzt in die Pflege will, muss einen Ausbildungsplatz bekommen.“

339 Krankenhäuser in NRW bekommen 500 Millionen

Die 339 Krankenhäuser in NRW erhielten bislang im Jahr 500 Millionen Euro vom Land, um 400 Millionen sollen die Mittel auch durch Bundesförderung steigen. Strukturverbesserungen will der Minister damit stärker fördern – und die Zusammenarbeit. „Es gibt manchmal nur zwei, drei Krankenhäuser in einer Stadt, die reden noch nicht einmal miteinander.“ Laumann erwartet, dass gemeinsame Versorgungskonzepte aufgestellt werden, bei denen nicht mehr jeder alles anbieten muss. Sollte das nicht klappen, will das Ministerium Moderatoren entsenden.

Laumann hofft, dass Krankenhäuser auch in der Versorgung neue Wege einschlagen und auf Bedarfe reagieren. „Außer den zehn Geboten können wir alles ändern“, sagt er und fragt sich: „Warum soll ein Krankenhaus nicht auch Plätze für Kurzzeitpflege anbieten?“ Auch da bestehe ein Mangel.

Digitalisierung in der Medizin

Mit Blick auf die Digitalisierung in der Medizin plädierte Laumann dafür, die elektronische Patientenkarte umzusetzen: Diagnosen, Medikamentation, Unverträglichkeiten, Blutgruppe, Organspende-Angabe – solche Dinge gehören für ihn darauf, weil es dem Patienten nützt. Die Sorge vor unzureichendem Datenschutz sollte nicht übertrieben werden, mahnt er und wünscht sich wie der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, mehr Vertrauen im System.

So sehr die Technik, die Digitalisierung sich in der Medizin auch ausbreiten wird – Laumann und Henke warnten davor, dass Kommerzialisierung und Rendite im Gesundheitswesen die Oberhand gewinnen. Der kranke Mensch mit seinen Bedürfnisse stehe im Vordergrund – und das sei kein Kunde. „Am Ende, so Henke, „zieht das Gesundheitswesen seine Rechtfertigung daraus, dass es den Bedürfnissen und dem Bedarf der Patientenversorgung entspricht.“

>>> FORUM GESUNDHEIT

  • Die Ärztekammer Nordrhein veranstaltet in Mülheim seit zehn Jahren das Forum Gesundheit. Jedesmal werden aktuelle Themen der Gesundheitspolitik mit Fachleuten, Abgeordneten und Ministern aus der Landes- und Bundespolitik diskutiert.


  • An der Diskussionsrunde „Nach der Wahl: Was ändert sich in der Gesundheitspolitik?“ nahmen diesmal der NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, der Mediziner und Vorsitzende der Ärztekammer Mülheim, Uwe Brock, der Ärztliche Direktor des Evangelischen Krankenhauses, Prof. Dr. Heinz-Jochen Gassel, die Fachärztin Dr. Eva Niedziella-Rech und WAZ-Redakteur Andreas Heinrich teil

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