Kultur

230 Mülheimer Kunstwerke suchen fürsorgliche Pflegepaten

Kunstpaten gesucht (v.l.): Dr. Daniela Grobe, Barbara Walter, Julia Wagner werben am markanten Brunnen von Ernst Rasche in der City für mehr Achtsamkeit für Kunst im öffentlichen Raum.

Kunstpaten gesucht (v.l.): Dr. Daniela Grobe, Barbara Walter, Julia Wagner werben am markanten Brunnen von Ernst Rasche in der City für mehr Achtsamkeit für Kunst im öffentlichen Raum.

Foto: Oliver Müller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Mülheim besitzt gut 230 Kunstobjekte im öffentlichen Raum. Der reiche Schatz will jedoch gepflegt werden. Bürger können Patenschaften übernehmen.

Die wohl längste Kunstdauerausstellung hat jeder Mülheimer bereits vor seiner Tür: Gut 230 Skulpturen, Reliefs, Brunnen- und Platzgestaltungen bilden ein reiches wie erstaunliches Freiluftmuseum – und das sogar für lau. Einen kleinen Haken hat die Sache aber, denn die Kunstwerke brauchen Kümmerer, die sie schön halten. Oder besser noch: Kunstpaten.

Viel oder gar Unmögliches soll den Bürgern, die sich als Kunstpaten engagieren, nicht abverlangt werden – und auch kein Geld. „Es geht darum, einen Blick auf den Zustand der Kunstwerke zu halten“, erläutert Barbara Walter, die als Mitarbeiterin der Stadt für Kunst im öffentlichen Raum zuständig ist.

Kunstpaten haben einen exklusiven Einblick in die Kunst im öffentlichen Raum

Liegt dort Müll herum? Ist es schmutzig geworden? Dann darf ein Kunstpate durchaus mal den Feger oder den Lappen anlegen. Bei Vandalismus soll aber schnellstmöglich das Kunstmuseum verständigt werden (455 41 05), das gerade mal ein Jahresbudget von 20.000 Euro für solche Beseitigungen hat. „Wichtig ist, dass der Schaden schnell beseitigt wird“, weiß Walter aus Erfahrung, denn sonst kommen schnell noch weitere hinzu.

Nicht nur Schulterklopfen winkt den Kunstpaten. Sie bekommen auch Einladungen zu regelmäßigen Patenschaftstreffen, nehmen an Vorträgen, Treffen mit Künstlern und Restauratoren teil und bekommen so einen exklusiven Einblick in die Arbeit rund um die Kunst im öffentlichen Raum. Zudem erhalten sie einen offiziellen Patenschaftsvertrag und individuelle Beratung zu „ihrem“ Kunstwerk.

Die meisten Kunstpaten helfen aus Liebe zu ihrer Stadt

Die meisten machen es ohnehin aus Liebe zu ihrer Stadt und zur Kunst. Daniela Grobe, kunstpolitische Sprecherin der Grünen, hat einen Narren an dem Relief „Phantastischen Gefährt“ von Helmut Lankhorst gefressen. Lange Zeit hat sie das Fluggerät aus Fisch-, Hubschrauber-, Rakete- und Autoelementen an der Wand der Springweg Schule „nur zur Kenntnis genommen“. Obwohl das bei ihr ums Eck liegt. „Jetzt habe ich eine richtige Beziehung dazu aufgebaut“, sagt Grobe. Und setzt sich auch in Ausschüssen dafür ein.

Manche Kunstfachbereiche an Mülheimer Schulen sind Kunstpaten geworden für Werke, die auf ihrem Gelände stehen, so auch die Regler. Man ist also in guter Gesellschaft. Nur: Allzu viele gibt es leider noch nicht. Dringend gesucht werden Paten für Hermann Lickfelds „Bogenschützen“ im Luisental und seinen „Zusammenbrechenden“ auf dem Ehrenfriedhof im Uhlenhorst.

Auch mitten in der Stadt warten der Regenbaum am Dickswall und die Stadtsäule am Kurt-Schumacher-Platz auf Kümmerer. An der Kfar-Saba-Brücke bräuchten Werner Nekes Kegelanamorphosen mal einen Besen für das Laub. Es wäre nur ein kleiner Schritt für den Paten, aber ein großer für die Kunstschätze der Mülheimer Bürger.

Eine Übersicht über Mülheims Kunst unter freiem Himmel: www.geo.muelheim-ruhr.de/kunst. Wer Pate werden möchte: 455 41 05 und barbara.walter@muelheim-ruhr.de

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