Gericht

22-Jähriger Mülheimer muss sechseinhalb Jahre ins Gefängnis

Eine Statue der Justitia .

Eine Statue der Justitia .

Foto: Stephan Eickershoff

Mülheim.   Das Gericht verurteilte einen Mülheimer wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung. Er hatte auf einen Mann eingestochen.

Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Landgericht Duisburg gestern einen 22-jährigen Mülheimer zu sechseinhalb Jahren Gefängnis. Mit einem Messer hatte er am 3. August 2017 vor einem Imbiss in der Mülheimer Innenstadt einen gleichaltrigen Mann schwer verletzt.

Die Kammer ging im Urteil davon aus, dass es gegen 19.35 Uhr zu einem Streit in dem Ladenlokal am Kohlenkamp kam. Der Angeklagte bedrohte drei Männer mit einem Messer mit 20 Zentimeter Klingenlänge. Als einer der Männer flüchtete, setzte er ihm nach und stach zu. Der Geschädigte erlitt eine sechs Zentimeter tiefe Stichwunde an der rechten Schulter. Das Messer brach beim ersten Stich ab. Von weiterem Tun konnte der Angeklagte durch die Familie des Verletzten abgehalten werden, die mit einem großen Sonnenschirm auf ihn einprügelte.

Mit dem Messer nur Angst machen wollen

Der Angeklagte habe den möglichen Tod des Geschädigten zumindest billigend in Kauf genommen, als er auf den Oberkörper des Mannes einstach, hieß es in der Urteilsbegründung. Zu Beginn des Prozesses hatte der 22-Jährige mit der Behauptung überrascht, der Geschädigte und weitere Personen aus dem Imbiss hätten versucht, ihn mit einer Art Voodoo-Zauber zu verhexen. Die Giftmischer hätten erreichen wollen, dass er sich in ein Mädchen aus der Familie verliebe. Er habe den Leuten mit dem Messer nur Angst machen wollen.

Verworrene Behauptungen

Ein psychiatrischer Gutachter hatte allerdings keinerlei Anhaltspunkte dafür gefunden, dass der Geschädigte in seiner Schuldfähigkeit beeinträchtigt sei. In der Heimat des Mannes, der im Irak geboren wurde und zeitweilig in Syrien lebte, gebe es einen weit verbreiteten Glauben an solche Dinge. Allerdings neige der 22-Jährige dazu, die Schuld für eigenes Versagen immer bei anderen zu suchen. Dafür sprachen auch die verworrenen, oft in Widerspruch zu früheren Behauptungen stehenden Erklärungen, mit denen der Angeklagte während der mehrtägigen Hauptverhandlung im Landgericht beinahe jede Zeugenaussage kommentiert hatte.

Die Tat hatte den Angeklagten wohl nicht zu einer gewissen Einsicht gebracht: Der Mann, der zunächst nicht in Untersuchungshaft saß, war auch noch nach dem Messerstich in dem Imbiss am Kohlenkamp aufgetaucht - mit einem Messer in der Tasche.

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