Gedenken

19 neue Stolpersteine erinnern an Mülheimer NS-Opfer

Vor der Stolperstein-Verlegung (v.l.): Bürgermeisterin Margarete Wietelmann, Wilhelm von Gehlen, Natalja Skalecki, und Annett Fercho (Stadtarchiv).

Vor der Stolperstein-Verlegung (v.l.): Bürgermeisterin Margarete Wietelmann, Wilhelm von Gehlen, Natalja Skalecki, und Annett Fercho (Stadtarchiv).

Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Der Künstler Gunter Demnig wird die kleinen Messingtafeln an sieben Stellen im Stadtgebiet verlegen. Schüler und Nachkommen begleiten ihn.

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Stolpersteine sind im Boden verlegte, kleine Gedenktafeln. Sie sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden. Die quadratischen Messingtafeln sind auch in Mülheim zu finden. Am Dienstag, 31. Januar, kommen weitere 19 an sieben verschiedenen Orten dazu. Der Bildhauer Gunter Demnig, der sein Projekt Stolpersteine 1992 begann, wird mit Schülern und Mitgliedern der MIT (Mülheimer Initiative für Toleranz) in der Stadt unterwegs sein und die Gedenktäfelchen vor den letzten frei gewählten Wohnstätten der NS-Opfer einzementieren.

„Dazu sind alle Verwandten und Nachkommen der Opfer eingeladen“, erklärt Bürgermeisterin Margarete Wietelmann (SPD). „Wir möchten nicht nur Stolpersteine verlegen, sondern dazu Erinnerungen bieten, damit sich auch Menschen mit der Geschichte auseinandersetzen, die die schlimme Zeit des Krieges und der Verfolgungen im so genannten Dritten Reich nicht miterlebt haben.“ Im Gegensatz zu München, wo der Rat bisher das Verlegen von Stolpersteinen auf öffentlichen Flächen untersagt hat, seien sie in Mülheim überall willkommen, „weil sie zur Stadtgeschichte gehören“.

In Viehwaggons ins Lager deportiert

Ein Stolperstein wird beispielsweise am Dienstag für Helene Brinkmann verlegt. Ein Mülheimer Kaufmann war mit der Jüdin verheiratet. Die Familie erlitt Repressalien, wurde mehrfach aus Wohnungen vertrieben, bekam keine Arbeit. Sie war auf heimliche Unterstützung angewiesen. 1944 verschleppte die Gestapo Helene Brinkmann und ihre Schwester. In Viehwaggons wurden sie und viele andere in das Lager der Organisation Todt in Minkwitz (Sachsen) deportiert.

Helene Brinkmann überlebte das Lager und kam nach Mülheim zurück. Sie litt an den Folgen der Zwangsarbeit bis zu ihrem Tod 1966. So steht es in der Facharbeit, die Natalja Skalecki, an der Luisenschule im Leistungskurs Geschichte, angefertigt hat. „Mich haben diese Schiksale nicht losgelassen. Man erfährt viel Schlimmes, was Menschen angetan wurde und wie grausam Menschen sein konnten“, schildert Skalecki das Studium der historischen Quellen. Annett Fercho, sie begleitet im Stadtarchiv die Aktion Stolpersteine, hat sie unterstützt. Sie hilft allen bei der Recherche zur Erarbeitung der Opfer-Biografien und sorgt dafür, dass die Aktivitäten stets aktuell auf www.stolpersteine-mh.de nachzulesen sind.

Verlegeplan für die neuen Gedenksteine

Für Dienstag hat Friedrich-Wilhelm von Gehlen, Sprecher des Arbeitskreises, wieder einen Verlegeplan für Stolpersteine mit Gunter Demnig zusammengestellt. In Mülheim hat der Künstler den ersten Stolperstein am 18. Dezember 2004 verlegt.

Der aktuelle Plan lautet: Dienstag, 31. Januar, ab 12 Uhr, vor dem Haus Schwerinstraße 52, in Erinnerung an Albert Salomon Moses. 12.30 Uhr, vor dem Haus Heelweg 2, für Helene Brinkmann. 13 Uhr, vor dem Haus Georgstraße 30, für die Familie Hugo Meyer. 13.30. Uhr, vor dem Haus Auerstraße 23, erinnernd an die Familie Hermann Meyer. 14 Uhr, vor dem Haus Bahnstraße 21, für die Familie Max Lucas. 14.30 Uhr, vor dem Haus Leineweberstraße 86, für die Familie Ernst Rosenthal und um 14.50 Uhr, vor dem Haus Althofstraße 48, für die Eheleute Heinrich und Itta Fallmann.

An mehreren Stationen begleiten Schüler das Einsetzen der Steine. Fast alle, an die die Tafeln erinnern, haben die Lagerhaft nicht überlebt oder wurden ermordet.

>> 133 Stolpersteine liegen in Mülheim

- Stolpersteine sind quadratische Messingtafeln mit abgerundeten Ecken und Kanten. Sie sind mit von Hand eingeschlagenen Lettern beschriftet und stehen auf angegossenen Betonwürfeln.

- Sie sind quadratisch – 96 × 96 Millimeter. Sie werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer eingelassen. 133 Stolpersteine liegen bisher in Mülheimer Gehwegen.

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