Auszeichnung guter Bauten

1000 Parkplätze hinter Alu-Bäumen

Die Mitarbeiter der Aldi-Zentrale in Styrum haben einen herrlichen Ausblick auf das Parkhaus. Die Bäume auf der Fassade sind pure Illusion und entstehen durch die gelochten Paneele.

Die Mitarbeiter der Aldi-Zentrale in Styrum haben einen herrlichen Ausblick auf das Parkhaus. Die Bäume auf der Fassade sind pure Illusion und entstehen durch die gelochten Paneele.

Mit einem Parkhaus für die Aldi-Zentrale hat das Büro Koschany & Zimmer einen Blickfang geschaffen. Heute werden die Wettbewerbsbeiträge prämiert

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Es ist schon ungewöhnlich: Ein Parkhaus als Blickfang. Schade nur, dass das Gebäude des Essener Architekturbüros Koschany & Zimmer nicht im Fokus der Öffentlichkeit steht und die Schauseite nur von den Büros aus zu sehen ist. Aber beim Wettbewerb „Auszeichnung guter Bauten“, den der BDA auslobt, können nicht nur Wohngebäude prämiert werden. Heute Abend wird in der Alten Dreherei um 19.30 Uhr das Jury-Ergebnis verkündet und alle elf Beiträge in einer Ausstellung präsentiert, die dort noch bis zum 21. September zu sehen.

„Das Waldparkhaus“

Ungewöhnlich für dieses markante Parkhaus ist auch der Bauherr: der Discounter Aldi, das Einzelhandelsunternehmen, das jahrzehntelang für Kartons auf Paletten oder in Billigregalen stand und für Gestaltung keinen Cent zu viel ausgab. Das Styrumer Parkhaus, das auf vier Ebenen Platz für rund 1000 Fahrzeuge bietet, ist somit auch Symbol eines Kurswandels, der sich seit einiger Zeit in dem Unternehmen auf ganz unterschiedlichen Ebenen vollzieht. An den Dimensionen ist auch die zunehmende Bedeutung Aldis für die Beschäftigung in dieser Stadt ablesbar. Ein Ende des Expansionskurses ist nicht absehbar. Koschany & Zimmer sind dabei so etwas wie die Hausarchitekten des Einzelhandelsunternehmens. Sie planten die Zentralen an der Burgstraße ebenso wie die an der Mintarder Straße und den Betriebskindergarten, der ebenfalls gestalterisch Maßstäbe setzt.

Der Titel „Waldparkhaus“ ist ja etwas hoch gegriffen, ebenso wie die Bezeichnung „grüne Haut“, Architektenlyrik eben, aber es ist ein Gebäude, das man sich gern näher anschauen möchte. Es ist ja auch nicht alles nur optische Täuschung. Das oberste Dach ist tatsächlich begrünt. Es ist eine Reminiszenz an eine ehemals wilde Wiese, die an zwei Seiten dicht von Bäumen und Büschen eingefasst war. „Dann holen wir die Bäume eben auf die Fassade...“, mit diesen Worten ist der Beginn einer Idee überliefert. Der 140-Meter-Wald ist aus 600 grün eloxierten Alu-Paneelen zusammengeschraubt. Unzählige Löcher von unterschiedlicher Größe wurden sehr gezielt in die Bleche gestanzt. Aus der Distanz ergibt sich so der Eindruck, als würde man in einen Wald blicken. Bei näherer Betrachtung verschwimmt das Bild.

Das Spiel mit der Wahrnehmung erstreckt sich auch über die abgerundeten Ecken, in denen sich die beiden Spindeln befinden – alleine durch die Ein- und Ausfahrt sowie die Treppenhausausgänge unterbrochen. Die Seitenteile sind durch Netze einfacher gestaltet. Die Planer schwärmen von einer Balance zwischen Abstraktion und Lesbarkeit und weisen auf das Spiel zwischen Licht und Schatten, den Einfluss der Sonne und der Jahreszeiten hin. „Bei Sonne strahlt sie im deftigen Grün, während sich die Fassade im Herbst in einem dezenten Grün-Braun zeigt.“

Darüber hinaus gibt es noch drei wichtige Aspekte. Um dem Problem der Korrosion des Betonstahls vorzubeugen, wurde feuerverzinkter Stahl verwendet, was wohl einzigartig in dieser Dimension sein soll. Und eine von Sensoren gesteuerte Beleuchtung sorgt dafür, dass sich sowohl die Autos als auch die Fußgänger immer in einem hell ausgeleuchteten Bereich bewegen, während die ungenutzten Bereiche nur gedimmt beleuchtet werden. Die gelochte Fassade hat freilich den Vorteil, dass mit Blick auf den Brandschutz jede technische Luftbehandlung unnötig ist. Ein nachahmungswertes Beispiel.

Vom Stall zur Stube

Ganz bodenständig wirkt dagegen ein gut 200 Jahre alter Stall im Rumbachtal, der zu einem Wohnhaus umgewandelt wurde. Im Außenbereich sei ein solches Unterfangen ohnehin eine baurechtliche Herausforderung, so der Dortmunder Architekt Richard Schmalöer – zumal, wenn noch Denkmalschutz eine Rolle spielt. „Die Zeit ist nicht spurlos vorübergegangen an Ziegelmauerwerk und altem Dachstuhl. Wie viel lässt man von dieser Geschichte sichtbar und wie viel verschwindet unter neuem Material?“, fragt er. Die Wunden und Eingriffe in die Substanz in der Fassade wurden nicht durch ein Lifting kaschiert, sondern blieben sichtbar. Neben den populären makellosen weißen Kuben irritiert das, verleiht dem Haus aber auch Charakter. Im Inneren erinnert wenig an die Historie. Ohne einen gusseisernen Träger und Holzbalken wüsste man kaum, dass man sich in einem alten Gebäude, geschweige denn in einem ehemaligen Stall befindet.

Klassische Klarheit

An die Stelle eines verfallenen Bauernhauses, das wohl nicht mehr zu retten war, hat der Mülheimer Architekt Christof Laue an der Alte Straße in Saarn ein Ensemble (Mehrparteienhaus mit Büro und Einfamilienhaus) in strenger Geometrie gesetzt, dessen Teile aus makellosen Kuben besteht. Langweilig wirkt das keineswegs. Die beiden Gebäude, die hier in steiler Hanglage entstanden, wirken durch ihre klare Gliederung elegant. Nischen, Balkone und vorkragende Teile wirken spannend. Zum interessanten Eindruck tragen auch die manchmal über Eck angeordneten Fenster bei. Allerdings beginnt dieser Teil der Architektur an der Straßenfront erst im ersten Obergeschoss, das durch die Hanglage nach hinten zum Erdgeschoss wird. Vorne sind dann in einem grauen Block Garagen vorgesehen, wo sich zuvor der Bruchsteinsockel des Bauernhauses befand.

Laue betont die hochwärmegedämmte Baukonstruktion und die Niedrigtemperaturheizung.

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