Ausstellung

Wie Räuberbanden schon früh den Niederrhein unsicher machten

| Lesedauer: 4 Minuten
Gaby Herchert, von links, Dr. Ingrid Misterek - Plagge, Fania Burger, und die Museumsleiterin Diana Finkele stehen im Räuberkostüm in der Ausstellung am Freitag, den 25. November 2022, in Moers Mitte im Grafschafter Museum im Moerser Schloss am Kastell. Die Sonderausstellung Räuber der Provinz wird vorgestellt. Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Gaby Herchert, von links, Dr. Ingrid Misterek - Plagge, Fania Burger, und die Museumsleiterin Diana Finkele stehen im Räuberkostüm in der Ausstellung am Freitag, den 25. November 2022, in Moers Mitte im Grafschafter Museum im Moerser Schloss am Kastell. Die Sonderausstellung Räuber der Provinz wird vorgestellt. Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Moers.  Neue Ausstellung im Grafschafter Museum: So mancher hielt sich früher mit Überfällen und Raub über Wasser. Einen führte es am Ende nach Amerika.

. Gestalten wie der Schinderhannes vom Niederrhein, die Bockreiter-Bande oder der Fetzer sind einige der Hauptpersonen einer Sonderausstellung im Grafschafter Museum. Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Provinz“ des Niederrheinischen Museumsnetzwerks stehen diesmal die „Räuber der Provinz“ im Mittelpunkt. Museumsleiterin Diana Finkele berichtet über „Historische Räuber und Räuberbanden im Rhein-Maas-Raum“.

Den Start der Ausstellung im Schloss macht Räuberhauptmann Charietto, der schon um 365 nach Christus in Trier eine Bande gründete; ein fränkischer Räuber vom Niederrhein. Er ist einer der wenigen, die kein gewaltsames Ende fanden. „Denn er wechselte später als sachkundiger Mann die Seiten und wurde Befehlshaber des römischen Bewegungsheers, das gegen Räuberbanden vorging“, weiß Finkele.

Wikinger plünderten Duisburg und Xanten

Erwähnenswert auch die Wikinger, die, auf einer großen Karte zu sehen, von einigen Stammquartieren aus die Orte der Rheinschiene zwischen Trier und Utrecht unsicher machten. So plünderten sie 883 Duisburg und 864 Xanten, konnten sich aber später in der Region nicht halten.

Die Kriege Ende des 17. und während des 18. Jahrhunderts, die Armut und die Ferne des Gesetzes auf dem Lande förderten die Bandenbildung. Überfallen wurden Reisende, Höfe und Pastorate bis hin zu Kirchen. Wilhelm Brinkhoff, Tagelöhner-Kind aus Alpen und vom Niederrhein genannt, lebte als Räuber in verlassenen Hütten in der Bönninghardt. „Er gab den Armen oft etwas von seiner Beute ab, auch, damit sie ihn nicht verrieten“, schildert Finkele. Mehrfach floh er aus dem Zuchthaus. Am Ende ging er nach Amerika und schickte dem Staatsanwalt auf der Schwanenburg in Kleve auch noch Post von dort.

Nicht zu vergessen: Mathias Weber, der Fetzer, mit seiner Krefelder Bande, der um 1796 unter anderem zweimal das Neusser Rathaus ausraubte und später unter der Guillotine endete. Eine Truhe aus Neuss ist in der Ausstellung zu sehen. Erwähnt wird zudem Josef Kirchhoff, der 1771 als Oberhaupt der Bockreiter-Bande gefangen wurde und unter der Folter so viele Namen nannte, dass am Ende 600 Menschen verurteilt wurden – die meisten zum Tode durch Erhängen, Köpfen oder das Rädern. Verstecke wie die Höhle des Schinderhannes im Duisburger Stadtwald werden in der Ausstellung ebenfalls beschrieben.

Der Räuberhut Wilhelm Brinkhoffs

Viele Gegenstände, Leihgaben aber auch Exponate aus dem Fundus, sind zu sehen. Da liegen Musketen und Vorderlader-Pistolen, schwere Handschellen mit Ketten, dicke Schlüsselbunde, und sogar der Räuberhut Wilhelm Brinkhoffs ist zu sehen. Mancher Autor fühlte sich wohl inspiriert von den Figuren, so dass auch viele alte Bücher und Büchlein mit Räubergeschichten in den Vitrinen ausliegen.

Großes Thema: Die Justiz und die schreckliche Folter, der jeder unterzogen wurde, der nicht gleich gestehen wollte. „Dazu hatte Kaiser Karl V. die peinliche (schmerzhafte) Gerichtsordnung erlassen“, weiß Finkele. Zu sehen: Daumenschrauben, große Zwickzangen, und (in bildhafter Darstellung) Prozesse samt der Folterung des Delinquenten. „Friedrich der Große schaffte die Folter offiziell 1750 ab. Doch im Land wurde noch bis ins 19. Jahrhundert gefoltert“, erklärt die Museumsleiterin.

Am Dienstag, 29. November, gibt es ab 16.30 Uhr eine Führung für jedermann, ohne Anmeldung. Zur Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm mit Filmen, Vorträgen und Seminaren. Die Ausstellung ist ab sofort geöffnet und dauert bis 21. Mai. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen und dem Museumsnetzwerk Rhein-Maas. Infos: grafschafter-museum@moers.de

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