Kranker Baumbestand

Waldbesitzer müssen unzählige tote Bäume fällen

Forstbetriebsleiter Dirk Bening mit einer der dicken, 160 Jahre alten Buche. Der Baum starb an Pilzbefall, weil er sich durch den Dürre-Stress nicht mehr gegen Krankheiten wehren konnte.

Forstbetriebsleiter Dirk Bening mit einer der dicken, 160 Jahre alten Buche. Der Baum starb an Pilzbefall, weil er sich durch den Dürre-Stress nicht mehr gegen Krankheiten wehren konnte.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Neukirchen-Vluyn.  Der Dürre-Sommer hat der Holzwirtschaft zugesetzt. Produzenten und Händler machen sich große Sorgen. Auch in Neukirchen-Vluyn.

Rund 180 Jahre alt wurde sie, die dicke Buche im Alten Buchenkamp hinter dem Schloss Bloemersheim. Jetzt musste sie zusammen mit einem Dutzend ihrer Artgenossen gefällt werden. Noch vor zwei Jahren standen die alten Riesen stolz im erweiterten Schlosspark und gaben dem Bereich ihren Namen. „Jetzt haben sie durch zwei Hitze- und Dürre-Sommer so stark gelitten, dass sie Krankheiten nicht mehr standhalten konnten und wir sie fällen mussten“, schildert Baron Friedrich von der Leyen. Nur noch acht der alten Buchen des Parks sind geblieben. „Die gesamte Holzwirtschaft macht sich große Sorgen“, weiß er. Dies sei ein europaweites Problem, wenn auch mit regionalen Unterschieden.

Totes, trockenes Holz ist wertlos

Das Schicksal der Buchen im Park teilen viele Bäume in den von der Leyenschen Wäldern. Forstbetriebsleiter Dirk Bening hat die traurige Aufgabe, todgeweihte und abgestorbene Exemplare mit gelben Strichen aus der Sprühdose zu kennzeichnen. „Die müssen alle gefällt werden“, sagt er, während er in einem Bereich nahe dem Littardweg steht. Viele Bäume sind hier noch relativ gesund, aber viele haben auch gelbe Striche.

In diesem Jahr hat Bening den traurigen Rekord von 30 verbrauchten Sprühdosen Farbe zu vermelden. „Wir müssen noch einen Lohnunternehmen dazu holen, um das alles zu fällen“, erklärt der Forstmann. Die Schäden beträfen inzwischen viele Laubbaumarten und sie gingen quer durch alle Altersstufen.

Viele Waldbesitzer stehen derzeit vor dem Problem: „Die stark geschädigten Bäume müssen zeitnah aus dem Wald“, sagt Baron von der Leyen. Denn totes, trockenes Holz sei wertlos. „Es ist beispielsweise für Dachstühle nicht mehr nagel- und schnittfest.“ Die Bauindustrie falle dann als Abnehmer aus. Die derzeitigen dramatisch fallenden Holzpreise machten den Waldbesitzern arg zu schaffen. „Und wer aufforstet, muss angesichts der Verkaufspreise kräftig Geld zulegen.“ Wie hoch die Schadenssumme durch die abgestorbenen Bäume schon sei, könne man jedoch noch nicht genau sagen. „Wir müssen abwarten, was und wie viel im Frühjahr wieder austreibt.“

Die Forstleute haben Angst vor einem dritten Dürre-Sommer in Folge

Forstmann Bening schätzt, dass die Böden wohl an die 1000 Millimeter Niederschlag gebrauchen können. Was 1000 Liter pro Quadratmeter wären. „Dazu müsste es wochenlang Dauerregen geben. Rund 750 Millimeter Niederschlag im Jahr sind bei uns normal, sind aber bei Weitem noch nicht gefallen.“ Schreckensvorstellung aller Forstleute: „Ein dritter Dürre-Sommer in Folge.“

Beim Regionalforstamt Niederrhein in Wesel sieht die Lage in den Wäldern ähnlich dramatisch aus. Förster Julian Mauerhof: „Die älteren Buchen ab 160 Jahren fallen plötzlich aus.“ Vorsichtig geschätzt seien mindestens 15 Prozent des Laubwaldes schwerst geschädigt oder schon abgestorben. „Viele junge Bäume, die nach dem Sturm Kyrill 2007 nachgepflanzt wurden, hat es diesen Sommer erwischt, weil ihre Wurzeln genau in den Dürrebereich des Bodens reichen. Da haben wir bis zu 30 Prozent Ausfälle.“

Mauerhofs Kollege Förster Richard Dorn weiß, dass wegen Sturm, Dürre und Käfereinwirkung in der Leucht statt normalerweise 6000 jetzt das Dreieinhalbfache, nämlich 20.000 Festmeter Fichtenholz geschlagen werden müssen. „Wir pflanzen schon seit 40 Jahren Mischwald an, aber bis das alles wirkt, dauert es ja Generationen.“ Zudem helfe das Nachpflanzen ohne Bewässerung auch nichts. Zum ersten Mal, so ergänzt Förster Julian Mauerhof, habe man darüber nachgedacht, Neupflanzungen erst im Frühjahr vorzunehmen.

Richard Dorns sorgenvoller Kommentar zu den geplanten Zuschüssen für den Wald: „Kräftiger richtiger Regen wäre uns lieber als ein Geldregen.“

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