Bürgerbefragung

Viele Kamp-Lintforter hängen an ihrem Förderturm

Knapp zwei Stunden Arbeit: die Auszählung der Bürgerbefragung von Sonntag.

Knapp zwei Stunden Arbeit: die Auszählung der Bürgerbefragung von Sonntag.

Foto: Arnulf Stoffel

Kamp-Lintfort.   Der Turm gibt ihnen das Gefühl, zu Hause zu sein. Mit deutlicher Mehrheit sprachen sich die Kamp-Lintforter für den Erhalt des Förderturms aus.

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Schon recht schnell konnte man ahnen, wie die Auszählung ausgehen würde. Die Körbchen für die Ja-Stimmen zum Erhalt des Zechenturmes füllten sich deutlich schneller als die anderen. Die Stadtverwaltung hatte am Montag zur öffentlichen Auszählung gebeten. Am Ende hieß es: Von 32 965 wahlberechtigten Bürgern stimmten am Sonntag 15 058 ab (45,68 Prozent), von den gültigen Stimmen waren 9 888 (66,34 %) pro Zechenturm. Nein-Stimmen, die den Abriss des Turmes durch die RAG MI bedeutet hätte, gab es 5 018 (33,66 %).

Für Bürgermeister Christoph Landscheidt, der zuletzt für den Erhalt der „

Landmarke“ geworben hatte, ist das ein „Klares Votum“: „Das entspricht auch dem Eindruck, den ich bei den bisherigen Gesprächen mit Bürgern hatte. Der Turm ist für viele ein Wahrzeichen ihrer Stadt.“

Zum Beispiel für Ortwin Reuther, der sich zur auffallend schlecht besuchten Auszählung eingefunden hatte. „Ich hab ja da dran mitgebaut“, erzählt der 79-Jährige, der als Maurer an dem Werk beteiligt war. Deshalb wisse er auch um die gute Qualität. Dass die Sanierung zu aufwendig werden könne, ist für ihn kein Argument. Zwar habe er nie auf der Zeche gearbeitet, aber: „Egal, woher man kommt, am Turm erkennt man, man ist gleich zu Hause.“

Jutta und Dieter sind sich einig: „Das Ding soll weg“

Ein Argument, das bei Jutta und Dieter Rodler überhaupt nicht zieht. „Das Ding soll weg“, sind sie sich über ihr Wunschergebnis der Befragung einig. Der alte Förderturm sei schön, auch der Schirrhof, aber der neue rote – das sei doch kein „besonderes Bauwerk".

Auch Karl van de Kamp ist gekommen, um zu hören, dass die Kamp-Lintforter gegen den Turm stimmen würden. „Die Rechnung der Stadt kann doch nicht stimmen“, fürchtet er allzu hohe Folgekosten. Klar, er gehöre zu Stadtgeschichte, aber ein Abriss später komme womöglich viel teurer.

Was ist das Wahrzeichen von Kamp-Lintfort?

Das wiederum ist Werner Bach egal: „Stellen Sie sich vor, die Leute hätten bei Zollverein oder beim Gasometer genauso kleinkariert gedacht.“ Und die Behauptung, das Wahrzeichen von Kamp-Lintfort sei das Kloster Kamp, lässt er nicht gelten: „Da war vorher eine Kirche mit ein paar Bauernhöfen drumrum. Zur Stadt ist Kamp-Lintfort doch erst durch den Bergbau geworden.“ Er erinnert sich noch an die Nacht der Industriekultur kurz vor der Zechenschließung: „Da haben die Menschen zwei Stunden Schlange gestanden, um da einmal hochzufahren.“

Die Chance also sollen die Kamp-Lintforter und Landesgartenschau-Besucher in knapp drei Jahren wieder haben.

Für einen Euro wird die Stadt von der RAG MI den Bau erwerben. Mit Landesmitteln und RAG-Geldern, die ja nun den Abriss nicht finanzieren muss, wird der Turm ertüchtigt.

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