Kultur

Und der Gewinner beim Poetry Slam in Moers ist: Oscar

Oscar Malinowski aus Aachen hat den Poetry Slam im Bollwerk in Moers gewonnen.

Oscar Malinowski aus Aachen hat den Poetry Slam im Bollwerk in Moers gewonnen.

Foto: Foto: Judith Michaelis / FUNKE Foto Services

Moers.  Beim Poetry Slam im Bollwerk in Moers kämpfen vier Dichter um die Gunst des Publikums. Oscar Malinowski überzeugt mit seinen Texten am meisten.

Es war es wieder Poetry-Slam-Zeit im Jugend-Kulturzentrum Bollwerk 107 am Freitagabend. Vier Poeten maßen sich mit ihren Texten, um in jeweils sechs Minuten das Publikum auf ihre Seite zu bringen – für die begehrte „Goldene Ananas“ als Preis. Die Bandbreite der Schriften war besonders vielseitig bei der Veranstaltung, die von Markim Pause moderiert wurde.

In der doppelten Vorrunde gaben die Wortakrobaten ihr Bestes. Den Start machte der Aachener Oscar Malinowski, der in seinem Text „Dankbarkeit“ das Publikum auf einen lustigen Exkurs in seine Familie mit polnischem Migrationshintergrund mitnahm. Bei seinem zweiten Text wurde es ernster: Oscar erzählte darin von der Oberflächlichkeit der aktuellen Zeit, die durch die digitalen Medien geprägt wird.

Max Raths appellierte an das Publikum, sich über seine Privilegien Gedanken zu machen. In Reimform ging es weiter mit Vorurteilen über Flüchtlinge und dem Appell: Solidarisieren, nachdenken und friedlich gegen den weltweiten Rechtsruck vorgehen.

Abdul Chahim las „Schafe im Wolfspelz“. Es geht dort um die Gesellschaft und ihre Ansicht, wie man zu sein hat. Den Männlichkeitswahn vieler, die eigentlich – so wie auch er – ein Schaf im Wolfspelz sind. Sein zweiter Text handelte ironisch von seiner Integration, obwohl er in Deutschland geboren ist, aber trotzdem von vielen nicht als Deutscher behandelt wird.

Bei Morgaine Prinz wurde es sehr emotional, als sie von einer prägenden Erfahrung berichtete und dem Gedanken, wer sie jetzt als Person ohne die Erfahrung wäre. Ebenfalls emotional war ihr zweiter Text über Sicht der Männer auf Frauen in der Gesellschaft – ihrem „Problem mit euch“. Es gebe 2020 andere Probleme als Geschlechterrollen und Vorurteile, so Prinz.

Das Finale wurde zu einem Dreikampf, da wegen Punktgleichheit Morgaine, Oscar und Abdul ihren dritten und letzten Text vortragen durften. Per Applaus Abstimmung konnte sich Oscar Malinowksi mit seiner Performance per Storytelling, Lyrik und Gesang über seine Liebe zur Seife durchsetzen. „Es hat echt Spaß gemacht“, freut sich der 28-Jährige, der die längste Anreise an diesem Abend hatte. „Die Stimmung war super gut und ich durfte drei Texte lesen, darum geht’s ja.“ Nach eineinhalb Stunden war, wegen der aktuellen Corona Lage durch eine Landesverordnung festgesetzt, Schluss beim modernen Dichterwettstreit.

Max Raths, der als einziger nur zwei seiner Texte lesen durfte, präsentierte auf Anfrage der Zuschauer seinen letzten Text vor dem Jugend-Kulturzentrum. Sehr zur Freude der Brüder Malte Höffken und Max Höffken-Hellmund, die zum ersten Mal einen Poetry-Slam live erlebten. „Wir haben uns gedacht, wir gehen einfach mal hin“, sagt Max Höffken-Hellmund. Sein Bruder Malte gesteht: „Ich war sehr überrascht wie gut es war und wie sehr ich mich selber mit den Texten identifizieren konnte. Ich hatte nicht so viel Qualität erwartet.“

„Ich freue mich vor allem für die Slammer“, resümierte Bollwerk-Sprecherin Sarah Dickel. „Für viele war das jetzt eine zähe Zeit, oft wurde online angetreten. Das ist natür lich etwas anderes, ob man per Computer gestreamt wird, oder live vor Leuten steht und Applaus bekommt. Ich freue mich, dass wir den Slammern ihre Bühne wiedergeben können und hoffe, dass wir das weiterhin in der Coronazeit erhalten können, die Leute einen schönen Abend haben und für ein paar Stunden den Stress ein bisschen vergessen.“

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