Interview

Kamp-Lintfort: René Schneider setzt auf Erfolg der Laga

Rene Schneider auf dem LaGa-Gelände in Kamp-Lintfort.

Rene Schneider auf dem LaGa-Gelände in Kamp-Lintfort.

Foto: Norbert Prümen / FFs

Kamp-Lintfort.  Der SPD-Landtagsabgeordnete René Schneider aus Kamp-Lintfort spricht im Interview über Ärzte, die B528 – beim Thema Kies kündigt er Powerplay an.

Noch ein gutes Jahr, dann stehen in NRW Kommunalwahlen an. Während in Moers gleich sechs Kandidaten ihren Hut für das Amt des Bürgermeisters in den Ring werfen wollen, hat sich in Kamp-Lintfort noch niemand konkret geäußert. Im Interview mit der NRZ verrät der SPD-Ortsvereinsvorsitzende René Schneider zumindest schon mal seinen Tipp.

Herr Schneider, Ihr Tipp: Wer wird 2020 Bürgermeister in Kamp-Lintfort?

Schneider: Christoph Landscheidt.

Das kommt sehr spontan ...

Nein, voller Überzeugung.

Was macht Sie so sicher?

Er ist ein großartiger Bürgermeister, ich glaube, die Kamp-Lintforter wissen, was sie an ihm haben, die SPD ohnehin. Warum sollte er es also nicht noch einmal machen – und dann natürlich auch gewählt werden?

Bürgermeister – wäre das auch eine Option für Sie? In Kamp-Lintfort hört man manchmal – der Schneider, der könnte auch Bürgermeister ...

Das geht natürlich runter wie Öl. Allerdings stellt sich die Frage aus meiner Sicht im Moment überhaupt nicht. Man sollte in der Politik aber sicherlich nie „nie“ sagen. Trotzdem noch einmal: Für 2020 stellt sich diese Frage nicht.

Aktuell ist die SPD in Kamp-Lintfort mit ihrer absoluten Mehrheit im Rat in einer äußerst komfortablen Lage. Was, wenn die SPD 2020 die absolute Mehrheit verliert? Wer käme aus Ihrer Sicht als Partner in Frage und wer nicht?

Erst mal möchte ich gar nicht an so etwas denken, weil ich glaube, dass die absolute Mehrheit in Kamp-Lintfort viel Gutes gebracht hat. Innerhalb des Rates ist es ja so, dass fast 98 Prozent aller Entscheidungen einstimmig gefasst werden. Und dann gibt’s kribbelige und wichtige Entscheidungen, die auch in der Vergangenheit oft leider nicht einstimmig gefasst wurden. Nehmen wir mal den Zechenturm. Wäre es nach anderen Parteien im Rat gegangen, wäre er abgerissen worden. Was der Turm nicht nur für die Laga, sondern auch danach für Kamp-Lintfort bringen kann – diese Vision muss man haben – und durchziehen. Ich würde mir wünschen, dass wir zusammen mit dem Bürgermeister weiterhin die gestaltende Kraft bleiben können, weil das gut ist für die Stadt. Wenn nicht – und das kann natürlich jederzeit passieren, so demütig bin ich dann auch – dann würde ich es am ehesten mit wechselnden Mehrheiten und immer hart am Thema versuchen. Mit Partnern, die Visionen mittragen.

Es gibt in Kamp-Lintfort eine Facebookgruppe AfD Kamp-Lintfort. Was glauben Sie, wird die AfD 2020 auch zur Kommunalwahl in Kamp-Lintfort antreten?

Erst einmal muss man ja wissen, dass es solche Facebookgruppen in allen Kommunen des Kreises gibt. Wir vermuten – ich glaube nicht zu unrecht – dass das zentral gesteuert wird. Es ist ja durchaus klug, Präsenz zu zeigen, auch wenn man vor Ort vielleicht gar nicht die Leute hat, die den Kopf für eine Kandidatur hinhalten. Mir ist bislang nicht bekannt, dass es tatsächlich Menschen gibt, die für die AfD hier in Kamp-Lintfort in den Rat wollen. Damit wird man sich auseinandersetzen müssen, wenn es so weit ist. Bis jetzt waren es immer Aktionen, die von außen nach Kamp-Lintfort hereingetragen wurden, etwa Wahlstände zur Europawahl. Insofern warte ich das jetzt erst mal gelassen ab.

Man weiß aber von anderen Wahlen, etwa Landtags- oder Europawahl, dass die AfD auch der SPD in Kamp-Lintfort Stimmen abgenommen hat ...

Absolut. Das sind unzufriedene Wähler, die sich nicht mitgenommen fühlen. Aber hier geht es um eine Kommunalwahl, darum, wer Bürgermeister wird und die Geschicke der Stadt Kamp-Lintfort lenkt. Die SPD Kamp-Lintfort steht anders da als die SPD auf anderen Ebenen, das sage ich auch ganz klar als Landtagsabgeordneter. Die SPD Kamp-Lintfort hat eine ganz andere Bilanz vorzuweisen, ein ganz anderes Auftreten, ganz andere Repräsentanten, als wir das aktuell etwa auf der Berliner Ebene erleben. Ich glaube, dass die Kamp-Lintforter sehr wohl unterscheiden werden: Wähle ich hier einen Bundeskanzler oder den Bürgermeister.

Nächstes Jahr ist Laga-Jahr. Wieviel hängt davon ab, dass es eine erfolgreiche Landesgartenschau wird?

Wir kennen das ja von Bundestagswahlen und Fußballweltmeisterschaften: Wenn die WM gut läuft, dann bleibt der Bundeskanzler im Amt. Wenn es also eine Super-Laga wird, aus der die Kamp-Lintforter mit stolzgeschwellter Brust herausgehen, weil sie Gäste hatten, die sagen ,was habt ihr hier für eine tolle Stadt’, dann glaube ich, wird das auch am Ende – und das ist dann der September – die Frage auslösen: wie kommt das, dass wir so stolz sein können? Da glaube ich ganz selbstbewusst, dass wir uns als SPD mit Bürgermeister Landscheidt auf die Schulter klopfen und sagen können, dass ein gerüttelt Maß dieses Erfolgs auf das zurückzuführen ist, was wir gemeinsam beschlossen und durchgeführt haben.

Abseits der Landesgartenschau – was gibt es in Kamp-Lintfort bis zur Wahl noch zu tun, was drängt?

Ganz aktuell: die notärztliche Versorgung. Gerade Infrastruktur beschäftigt die Menschen. Die Frage: Wo sitzt mein Arzt? Wie komme ich mit Bus und Bahn irgendwo hin? Wo ist der nächste Kindergarten? Da wollen die Leute nicht abgehängt werden und erwarten von Parteien und Politikern, dass sie sich für ihre Stadt ins Zeug legen. Weiteres großes Thema bleibt der Kiesabbau im Wickrather Feld, und die B 528.

Stichwort Kies und B 528 – wieviel Handlungsspielraum hat man als SPD Kamp-Lintfort?

Man muss Powerplay machen und kämpfen. Aber das ist nichts Neues in Kamp-Lintfort, das können wir. Was den Kiesabbau angeht: Wir müssen klagen. Wenn nicht als Stadt Kamp-Lintfort, dann mit dem Kreis oder anderen Kommunen. Es wird eine Klage geben und dann werden wir uns unser Recht vor Gericht erstreiten müssen. Bei der B 528 sitze ich als Landtagsabgeordneter zwischen Baum und Borke. Auf der einen Seite kenne ich den Druck der Rayener, auf der anderen Seite auch die Aversionen der Kamp-Lintforter, die an der neuen Straße leben müssen und sagen – das wollen wir nicht. Obwohl sie immer gewusst haben, dass da eine Straße kommen kann. Nur damit gerechnet hat keiner. Man muss sehen, wie man beiden gerecht wird, vielleicht auch Erwartungen bremsen. Denn: Der Verkehrslärm wird für die Rayener nicht spürbar weniger werden. In Kamp-Lintfort würde Verkehr aus der Innenstadt herausgezogen werden. Klar sein muss man sich mit Blick auf den Klimaschutz aber auch darüber, dass jede neue Straße nicht weniger, sondern mehr Individualverkehr bringt.

Apropos Klimawandel – ein Thema, das zunehmend mehr Leute interessiert. Wird das auch im Kommunalwahlkampf eine Rolle spielen?

Es geht darum, nicht zu palavern, sondern zu machen. Wir haben hier einen guten Schritt getan. Klimanotstand – das klingt nach Hysterie. Wir sind – und das erneut einstimmig einen anderen Weg in Kamp-Lintfort gegangen und gehen jetzt konkrete Punkte vor Ort an. Das geht nicht über Nacht.

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