Kommunalwahl 2020

Rot, schwarz, grün: Wo welche Partei den Chefsessel holt

Konfetti für Keller: Stephan Keller (hier ausnahmsweise mal links) ist neuer Oberbürgermeister von Düsseldorf, Ministerpräsident Armin Laschet (r), gratuliert bei der Wahlparty der CDU

Konfetti für Keller: Stephan Keller (hier ausnahmsweise mal links) ist neuer Oberbürgermeister von Düsseldorf, Ministerpräsident Armin Laschet (r), gratuliert bei der Wahlparty der CDU

Foto: Bernd Thissen / dpa

An Rhein und Ruhr.  Düsseldorf bekommt einen schwarzen OB, Aachen und Bonn gehen an die Grünen. Doch auch die SPD feiert Erfolge. In Mönchengladbach zum Beispiel.

Dass eine Stichwahl kurz und schmerzlos ist, gilt vor allem für die Wahlhelfer, bereits um kurz nach 19 Uhr war in den meisten Städten und Kreisen im Land klar, wohin politisch die Reise geht. Schmerzen allerdings wird die Wahlniederlage wohl vor allem wieder die Sozialdemokraten: In Düsseldorf verlor Thomas Geisel den prestigeträchtigen Kampf ums Rathaus der Landeshauptstadt klar gegen Stephan Keller. Das Wunder von 2014, als er in der Stichwahl acht Prozentpunkte aufholte – es blieb dieses Mal aus. Schlimmer noch: Der Rückstand war am Ende sogar noch größer, er hatte am Ende rund zehn Prozent Rückstand.

Noch schmerzhafter dürfte die Niederlage für die SPD im nahen Wuppertal gewesen sein, wo Amtsinhaber Mucke zunächst noch in den Auszählungen vorn lag, sich dann aber seinem grünen, von der CDU unterstützten Konkurrenten Uwe Schneidewind geschlagen geben musste: Einmal mehr zeigt sich, dass am Ende der Auszählung die eher bürgerlichen Stimmbezirke mit hoher Wahlbeteiligung ihre Meldungen abgeben – und dann die SPD kaum noch Punkte gut macht. Mit sechs Prozentpunkten Vorsprung lag Schneidewind am Ende vorn (53,5 zu 46,5 Prozent).

Ein 31-Jähriger holt in Mönchengladbach für die SPD den Sieg

„Ich möchte das gewaltige Potenzial dieser Stadt heben, ökologisch wie wirtschaftlich“, sagte der Wuppertaler Wahlsieger Uwe Schneidewind (54), Parteimitglied der Grünen und von der CDU unterstützt. Die Wupperstadt verkaufe sich bisher unter Wert. „Im Wahlkampf habe ich Lust auf Veränderung gespürt, diese Energie möchte ich mit in die nächsten Jahren“, sagte der renommierte Ökonom, der früher das Wuppertal-Institut leitete.

Ähnlich die Lage in Moers : Ibrahim Yetim (SPD), Landtagsabgeordneter und früherer Bergmann konnte mit 42 Prozent Christoph Fleischhauer von der CDU (knapp 58 %) nicht aus dem Sattel heben.

Immerhin, ein Trostpflaster gibt es für die SPD doch: In Mönchengladbach gab es einen Erdrutschsieg für die SPD. Der Triumph des 31-jährigen Felix Heinrichs (SPD) in Mönchengladbach ist für die Sozialdemokraten in NRW von besondere Bedeutung. Die 260.000-Einwohner-Stadt am Niederrhein gilt als „traditionell schwarz“. Mit satten 74% der Stimmen setzte er sich gegen den CDU-Kandidaten Frank Boss durch.

Heinrichs ist bisher Geschäftsführer einer Pflegeeinrichtung. Er will eine neue Stimmung in die Stadt bringen, nämlich „Aufbruch und Mut“: „Die Leute haben ganz konkrete Sorgen. Jeder muss das Beste aus seinem Leben machen können“, so Heinrichs zur Redaktion.

In Hamm stürzt ein 46-Jähriger eine CDU-Politikone

Gehalten hat auch die Herzkammer der SPD in Dortmund: Thomas Westphal (SPD) rettete sich mit 52 Prozent knapp gegen CDU-Herausforderer Andreas Hollstein (48 %) ins Ziel. Und in Hamm, am Nordostrand des Ruhrgebiets, muss Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) nach 21 Jahren den Oberbürgermeisterstuhl im Rathaus räumen. „HuPe“, eine kommunalpolitische Ikone der CDU, kam nur auf etwa 36,5% der Stimmen, das Corona-Krisenmanagement konnte ihn nicht retten. Auch hier wird künftig ein junger Sozialdemokrat Marc Herter das Rathaus führen, der 46-jährige bisherige Landtagsabgeordnete kam auf etwa 63,5% der Stimmen. Herter will Hamm zur „familienfreundlichsten Stadt Deutschlands“.

Fürs Ruhrgebiet also gilt: Nur der Osten ist rot, im westlichen Ruhrgebiet (mit Ausnahme des nicht-wählenden Duisburgs) hingegen ist die Rathausspitze fortan fest in schwarzer Hand: In Oberhausen holte Daniel Schranz (CDU) den erwarteten Sieg gegen Thorsten Berg (SPD) mit 62,1 zu 37,9 Prozent. In Mülheim musste sich die ehemalige niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn ihrem CDU-Kontrahenten Marc Buchholz klar geschlagen geben – mit fast 14 Prozentpunkten Unterschied. 14 Tage zuvor hatten beide nur drei Zehntelprozent auseinander gelegen. Auch hier konnten sich die grünen Wähler offenbar eher für den CDU-Kandidaten begeistern.

Den „Swing State“ Kreis Wesel holt Ingo Brohl für die CDU

Auch der Kreis Wesel geht an die CDU: Hier gewann Ingo Brohl mit 53 % vor Peter Paic (47%). Immerhin lag hier noch so etwas wie Spannung in der Luft, der Sieg von indes war erwartet worden – sie setzte sich mit 54 zu 46 Prozent gegen Peter Driessen durch, der von SPD, Grünen und FDP gestützt wurde.

Die politische Welt im südlichen Rheinland indes, sie wird immer grüner. Nicht nur, dass es in Aachen zum erwarteten Wahlsieg für die Grünen-Kandidatin Sibylle Keupen mit erstaunlichen fast 68 Prozent! vor Harald Ball (CDU, 32,1 %) kam. Schon etwas überraschender war der Wahlerfolg in Bonn, wo Katja Dörner (Grüne) den CDU-Amtsinhaber Ashok-Alexander Sridharan mit 56,7 zu 43,3 % klar schlug. Und sogar im immer tiefschwarzen Münster wurde es zwischenzeitlich eng. Amtsinhaber Markus Lewe (CDU) gewann jedoch mit 52,6 % gegen Grünen-Kandidat Peter Todeskino (47,4 %).

Siegreich waren die Grünen auch in Rheinberg . Hier sicherte sich Dietmar Heyde den Posten des Bürgermeisters.

Wie in Nettetal im Kreis Viersen (knapp 42.000 Einwohner): Ihr von SPD und FDP unterstütztes Parteimitglied Christian Küsters setzte sich mit satten 68 % der Stimmen gegen den CDU-Konkurrenten Christian Wagner durch. Ein großes Thema für Küsters: Der 43-jährige Bankkaufmann will die Digitalisierung im Rathaus und in der Stadt voranbringen. Corona habe gezeigt, dass man da erst am Anfang stehe.

Nebenan, in der Kreisstadt Viersen, hat Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) ihr Amt verteidigt. Die gebürtige Oberhausenerin, die lange in Duisburg tätig und mit dem 2005 verstorbenen Dezernenten Gerd Bildau verheiratet gewesen war, setzte sich in der Stichwahl mit 50,81 % der Stimmen gegen Herausforderer Christoph Hopp von der CDU, einen Schulleiter durch. „Ich werde auch in den nächsten fünf Jahren alles geben“, versicherte Anemüller nach der Wahl. 23.645 Viersener hatten ihre Stimme abgegeben, die Wahlbeteiligung lag bei 37,43 %.

Der unabhängige Jürgen Kleine-Frauns führt weiter die 88.000-Einwohner Lünen im Kreis Unna. Er setzte sich mit 51,15% der Stimmen gegen den früheren NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (SPD) durch. Jurist Kleine-Frauns war früher selbst Sozialdemokrat.

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