Ehrenamt

Rikscha-Tour begeistert Senioren in Moers

Sie fahren einmal in der Woche verschiedene Seniorenheime in der Stadt mit der Rikscha an: Gerda Theisen, Ines Seitz und Peter Albaum.

Sie fahren einmal in der Woche verschiedene Seniorenheime in der Stadt mit der Rikscha an: Gerda Theisen, Ines Seitz und Peter Albaum.

Foto: Norbert Prümen (nop) / FUNKE FotoServices

Moers.  Ehrenamtliche Piloten nehmen Senioren in einer Rikscha mit auf eine Spritztour. Häufig geht’s an die Orte der Kindheit. Ins Grüne möchte niemand.

Einsamkeit ist Gift für den Menschen. Vor allem Ältere sind oftmals isoliert und haben kaum noch soziale Kontakte. Aus diesem Grund initiierte das SCI im Mai vergangenen Jahres in Moers ein Projekt, das seinen Ursprung in Kopenhagen hat (siehe Box). Seitdem fährt eine Rikscha an vier Tagen in der Woche verschiedene Seniorenheime in der Stadt an und lädt die dort lebenden Menschen zu einer Spritztour ein. Vier Einrichtungen nehmen mittlerweile daran teil – das Johannes-Rau-Haus in Mitte, das Haus für Jung und Alt in Meerbeck, das Rudolf-Schloer-Stift in Hülsdonk und das Awo-Seniorenzentrum in Schwafheim. Deren Bewohner freuen sich, wenn Gerda Theisen, Ines Seitz, Peter Albaum, Theo Jablonski und Willi Franke auf der Fahrradkutsche mit rotem Faltdach angeradelt kommen und sie mit auf eine Tour nehmen. Sie alle schwingen sich ehrenamtlich auf den Sattel.

Ein Lächeln als Lohn für die Fahrt

„Indem wir fahren, bekommen wir von den Menschen etwas zurück“, sagt Gerda Theisen. Ein Lächeln reiche schon aus. „Manche sagen auf der Fahrt keinen Ton“, so Peter Albaum, „aber sie strahlen übers ganze Gesicht.“ Dabei hat sich in dem Jahr, in dem es dieses Angebot gibt, schon eine Besonderheit gezeigt: „Ins Grüne wollen die alle nicht fahren“, sagt Peter Albaum. Vielmehr ziehe es die Bewohner an die Orte der Vergangenheit, an den ehemaligen Arbeitsplatz oder an Orte der Kindheit und der Jugend.

Die teilnehmenden Einrichtungen seien anfangs noch skeptisch gewesen, sagt Volker Vorländer, der das Projekt leitet. Mittlerweile aber nähmen sie das Angebot gerne an, vor allem, weil sich die Spritztour mit der Rikscha positiv auf die Bewohner auswirke, die sonst kaum aus dem Seniorenheim herauskämen. „Viele bekommen gar keinen Besuch mehr“, sagt Rikscha-Pilot Albaum nachdenklich. Auch einige Stammkunden gebe es bereits. Und einmal habe er Geld angeboten bekommen, „damit ich einfach weiterfahre“.

Weitere ehrenamtliche Helfer sind immer willkommen

Bevor die Piloten das jeweilige Seniorenheim ansteuern, rufen sie morgens an, um abzufragen, ob überhaupt jemand mitfahren möchte. Ohne weiteres setzt sich nämlich niemand auf das sperrige Gefährt, das nur mit einer Einweisung bewegt werden darf. „In normaler Fahrt ist das kein Problem, aber in den Kurven braucht man lange Arme“, sagt Gerda Theisen und lacht.

Man würde gerne weitere Einrichtungen anfahren, sagt Volker Vorländer. So sei auch das Willy-Brandt-Haus in Rheinkamp vom Angebot begeistert. Allerdings fehlten Ehrenamtler dafür. „Ein zweiter Pilot für jede Einrichtung wäre auch wünschenswert“, so Vorländer. „Und für unseren Internet-Auftritt könnten wir ebenfalls Hilfe gebrauchen.“

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