Spielzeit 2017/2018

Rheingold im Moersbach, Walhalla im Einkaufszentrum

Larissa Bischoff, Annika Stadler und Ulrich Greb vom Schlosstheater Moers stellten das Programm für die neue Spielzeit des STM vor.

Foto: Ulla Michels

Larissa Bischoff, Annika Stadler und Ulrich Greb vom Schlosstheater Moers stellten das Programm für die neue Spielzeit des STM vor. Foto: Ulla Michels

Moers.   Der Ring ist eine von sechs Produktionen in der kommenden STM-Spielzeit. Das Spielzeitheft sieht einem bekannten Katalog ziemlich ähnlich.

Das Walhalla von Moers? Na klar, findet Schlosstheater-Intendant Ulrich Greb, und inszeniert in der kommenden Spielzeit den „Ring“ im Wallzentrum. Mit Texten von Wagner und Hebbel und Musik vom Moers Festival. Ob das Rheingold auf dem Parkdeck, im Königssee oder im Moersbach zu finden ist, verrät er noch nicht. Verspricht jedoch eine „spektakuläre“ Aufführung, bei der die Zuschauer allerdings gut zu Fuß sein sollten. Denn bespielt wird der ganze Einkaufs-Komplex. Heißt: Wer dem Stück folgen will, muss folgen.

Das ist der einzige klassische Stoff, mit dem sich das Theater in der kommenden Spielzeit auseinandersetzt. Ansonsten geht es eher „experimentell und projektlastig“ zu, wie Dramaturgin Annika Stadler erklärt.

Wie der Prospekt eines schwedischen Möbelhauses

Wenn das nächste Jahr mit dem STM-Ensemble nur halb so lustig wird wie das Spielzeit-Heft kann nix schief gehen. Denn dort sind nur fröhliche Menschen in freundlichen, aufgeräumten, hellen Räumen zu sehen, wird der interessierte Leser selbstverständlich geduzt und aufgefordert: „Schau dir unsere kommenden Stücke und Projektideen an und lass dich von uns inspirieren.“ Na, klingelt’s? Die Nähe zum Prospekt eines großen, schwedischen Möbelhauses ist durchaus beabsichtigt. Klar, dass der Intendant da neudenglisch CEO ist, Theaterpädagoge Holger Runge zum „Product Developer for Teens“ wird und Schauspieler Patrick „auch im Set erhältlich“ ist.

Wobei das Thema im Theaterjahr nicht „schöner wohnen“ sein wird. Es geht um das „Wir und die anderen“, wie Greb erklärt. Sinnfällig die erste Premiere: „Wir sind Schmidt“. In der Uraufführung geht es um die deutsche Durchschnittsfamilie. Und wo findet man ein solches Sittengemälde? In Texten aus Lehrbüchern „Deutsch als Fremdsprache“. Greb findet: „Die Texte sind wahnsinnig interessant. Da werden Mini-Dramen mit ganz wenigen Worten geschaffen.“

Beeindruckende Papierkulissen

Ein neues Genre wird „The Suitcase“ präsentieren, das in Kooperation mit dem Fonds Experimentelles Musiktheater entsteht. Es ist ein Film über einen Koffer, dem alle hinterherjagen, aber niemand weiß, was drin ist. Es ist Konzert, Installation und es gibt beeindruckende Papierkulissen.

Geschichten von der Flucht erzählt „Sand und Asphalt“. Barbara Wachendorff inszeniert dieses Rechercheprojekt und rückt damit geflohene Frauen in den Mittelpunkt. „Es wird keine Opfergeschichte, es steht eher für Aufbruch und Mut“, sagt Dramaturgin Larissa Bischoff.

An einem Tag alles erleben

Das Kinderstück inszeniert der Chef selbst: „Nur ein Tag“, heißt es. Und darin wollen Wildschwein und Fuchs mit und für die Eintagsfliege an einem Tag alles erleben, was sonst ein ganzes Leben braucht. Aufführung ist im St. Barbara Jugendheim in Meerbeck.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik