Karneval

Neukirchen-Vluyner will Rosenmontag zum Feiertag machen

Christel Lange hat Walter Putzke davon überzeugt, Mitglied der Blau-Weissen-Funken zu werden. Jeck war er aber schon immer.

Christel Lange hat Walter Putzke davon überzeugt, Mitglied der Blau-Weissen-Funken zu werden. Jeck war er aber schon immer.

Foto: Foto: Sivani Boxall / FUNKE Foto Services

Neukirchen-Vluyn.  Walter Putzke aus Neukirchen-Vluyn fordert, Rosenmontag zum gesetzlichen Feiertag zu erklären. Er hat Unterstützer für die Idee und macht ernst.

Nä, wat jeck, werden die einen sagen. Da simmer dabei, werden viele andere einstimmen und eine Rakete für die Idee von Walter Putzke zünden. Rosenmontag soll in Nordrhein-Westfalen zum gesetzlichen Feiertag werden, fordert er – so wie der Tag der Arbeit oder neuerdings in Berlin der Internationale Frauentag und in Thüringen der Weltkindertag. Unterstützer hat der Neukirchen-Vluyner.

Geboren an einem Veilchendienstag

Walter Putzke, an einem Veilchendienstag vor 71 Jahren zur Welt gekommen, ist nicht der Typ, der über einen solchen Vorschlag mal unverbindlich am Stammtisch palavert. Der Mann war 23 Jahre lang Personalratsvorsitzender bei der Stadtverwaltung, damit einer der mächtigsten Männer im Rathaus, und wenn er von etwas überzeugt ist, will er das auch durchsetzen. Also hat er einen schriftlichen Antrag eingereicht: bei Ministerpräsident Armin Laschet, Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, Heimatministerin Ina Scharrenbach und Innenminister Herbert Reul. Post aus Neukirchen-Vluyn bekamen auch der Präsident des NRW-Landtags, seine Stellvertreterin und, na klar, Putzkes SPD-Genosse, der örtliche Landtagsabgeordnete Ibo Yetim. „Bekanntlich ist der Rosenmontag der höchste und wichtigste Karnevalstag in der Narrenzeit in den Karnevalshochburgen am Rhein, aber auch in vielen Gemeinden und Städten in NRW“, schreibt Putzke.

Gesetzliche Regelung ab dem 24. Februar 2020 schaffen

„Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die zu den Rosenmontagszügen gehen, und für die Karnevalisten in den Zügen gibt es immer noch Schwierigkeiten, für diesen besonderen Tag Urlaub oder arbeitsfrei zu bekommen.“ Sicher gebe es Betriebe und öffentliche Verwaltungen, die großzügig mit den Wünschen ihrer Beschäftigten umgingen, weiß Putzke: „Das ist aber nicht die Regel.“ Diese Probleme könne man beseitigen, schreibt Putzke und schließt: „Wir bitten Sie, die gesetzlichen Regelungen für einen zusätzlichen Feiertag für den Rosenmontag zu schaffen.“ Und übrigens nicht irgendwann, sondern, bitteschön, ab dem 24. Februar 2020.

„Ein gesellschaftspolitischer Ansatz“

Dass alle die Gelegenheit bekommen, Rosenmontag zu feiern, sei sein gesellschaftspolitischer Ansatz, sagt Walter Putzke. Sich selbst bezeichnet er als „immer schon jeck gewesen“. Der Rosenmontagszug sei ein stets ein Pflichttermin, und zu seiner Zeit als Personalrat habe man am Veilchendienstag tolle Partys im Rathauskeller gefeiert. Seit einigen Monaten ist Putzke mit Begeisterung Husar der Blau-Weissen Funken. Deren Mitglieder haben seinen Rosenmontags-Vorstoß unterschrieben, Vertreter der KG Fidelio in Moers und einige Freunde ebenfalls, „so 15 bis 20 Unterschriften sind zusammen gekommen“, berichtet Putzke. Hans Kitzhofer, Präsident des Kulturausschusses Grafschafter Karneval, ist die Initiative zwar neu, aber prinzipiell findet er Gefallen an der Idee: „Wenn das klappte, könnten wir alle stolz drauf sein.“

24.000 Unterschriften online gesammelt

Walter Putzke setzt nun darauf, dass sich der Landtag mit seiner Eingabe beschäftigen wird. Der Petitionsausschuss des Landtags hat ihren Eingang bestätigt. In allen solchen Fällen prüfe man den Inhalt, fordere eine Stellungnahme der Landesregierung an und überweise das Anliegen per Beschluss an die Fachausschüsse, erklärt Björn Maßmann, Büroleiter des Petitionsausschusses. Jeder habe das Recht, sich mit einer Petition oder Individualbeschwerde an den Landtag zu wenden. Rund 5000 solcher Eingaben von NRW-Bürgerinnen und -Bürgern werden im Jahr bearbeitet, da geht es um Schulen und Straßenbaubeiträge, um Migration – und um den Rosenmontag.

Dass Walter Putzke mit seiner Idee nicht allein steht, zeigt ein Mann mit einem prominenten Namen: Helmut Schmidt aus Köln hat im März für seine Forderung nach dem Rosenmontag als gesetzlichem Feiertag ein Online-Petition gestartet. Mehr als 24.000 Menschen haben sie unterschrieben.

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