Sterbehilfe

Neukirchen-Vluyn: kein Raum für assistierten Suizid

Führende Theologen der evangelischen Kirche fordern die Möglichkeit des professionell begleiteten Suizids in diakonischen Einrichtungen. Der Neukirchener Erziehungsverein und Supterintendent Wolfram Syben sind dagegen.

Führende Theologen der evangelischen Kirche fordern die Möglichkeit des professionell begleiteten Suizids in diakonischen Einrichtungen. Der Neukirchener Erziehungsverein und Supterintendent Wolfram Syben sind dagegen.

Neukirchen-Vluyn/Moers  Der Erziehungsverein bezieht Stellung gegen einen Beitrag, der für die Möglichkeit eines sekundierten professionellen Suizids wirbt.

Mit aller Deutlichkeit distanziert sich der Neukirchener Erziehungsverein von der Forderung, die Diakoniepräsident Ulrich Lilie Anfang der Woche in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) formuliert hat. Darin schlägt er vor, in diakonischen Einrichtungen qualifizierte interdisziplinäre Teams zu bilden, um Assistenz zum Suizid zu leisten.

Lilie stützt sich wie andere führende Theologen der evangelischen Kirche auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vor rund einem Jahr. Die Verfassungsrichter erklärten das Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe, das der 2015 verabschiedete Paragraph 217 StGB beinhaltete, nach Klagen von Sterbehilfeorganisationen, Ärzten und Einzelpersonen für nichtig. Als Begründung nannten sie das Recht auf selbstbestimmtes Sterben, das auch den professionell sekundierten Suizid erlaube.

Auch der Superintendent des Kirchenkreises Moers ist gegen professionell begleiteten Suizid

Der Neukirchener Erziehungsverein bezieht dagegen klar Stellung. Der Vorstoß stehe den Prinzipien der Einrichtung deutlich entgegen, sagt die Direktorin des Erziehungsvereins, Pfarrerin Annegret Puttkammer. Man trage Verantwortung für pflegebedürftige Menschen und solche, die durch Traumata, Gewalterfahrung und emotionale Vernachlässigung so sehr belastet seien, dass ihnen das Leben oft extrem schwer falle. Viele begleite man ein Leben lang und kämpfe für ihr Leben auch dann, wenn sie sich selbst oder andere sie aufgegeben hätten, so Puttkammer. "Menschen in schwierigen Lebensabschnitten proaktiv Unterstützung zum Sterben zu geben, ist nicht unser Mandat."

Außerdem, so Puttkammer weiter, sei man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verpflichtet. "Sie haben sich dem Schutz des Lebens verschrieben, und sie dürfen nicht in der Angst leben, dass ihnen die Mitwirkung an einem assistierten Suizid direkt oder indirekt zugemutet wird." Man sehe sich außerstande, "unseren Mitarbeitenden die lebenslange Belastung und die Schuldgefühle, die ein solches Handeln unweigerlich mit sich bringt, aufzubürden". Zumal das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil festgehalten habe, dass niemand zur Sterbehilfe-Assistenz gezwungen werden könne. Darauf berufe sich der Neukirchener Erziehungsverein.

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Auch der Superintendent des Kirchenkreises Moers, Wolfram Syben, lehnt einen professionell begleiteten Selbstmord in kirchlichen Einrichtungen kategorisch ab. Zum einen, weil man niemandem die seelische Belastung zumuten könne, zum anderen, weil man eine überprüfbare Freiwilligkeit nicht garantieren könne. In seinen Augen besteht die Gefahr, dass schwer kranke Menschen sich ungewollt in einer Drucksituation befinden könnten. Das müsse man dringend verhindern. "Wir müssen allen Menschen den Gedanken nehmen, das sie eine Belastung für die Gesellschaft oder nicht gewollt sein könnten." Ganz im Gegenteil müsse man ihnen das Gefühl geben, gut aufgehoben zu sein. "Das", so Syben, "stärkt auch den Lebenswillen."

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