Medizinische Hilfsmittel

Nach einem Jahr hat Neukirchen-Vluynerin nun einen Rollstuhl

Elektromobil, auch Scooter genannt, aus dem Sanitätshaus Unterwagner in Moers

Foto: Rolf Unterwagner

Elektromobil, auch Scooter genannt, aus dem Sanitätshaus Unterwagner in Moers Foto: Rolf Unterwagner

Neukirchen-Vluyn.   Margret Terpoorten aus Neukirchen-Vluyn hat über ein Jahr lang für einen passenden Rollstuhl gekämpft. Jetzt ging plötzlich alles ganz schnell.

Gute Beratung ist eben doch alles, wenn es um medizinische Hilfsmittel geht. Und wenn „der Gesetzgeber sagt, dass ein Hilfsmittel zweckmäßig und ausreichend für die Bedürfnisse eines Patienten sein soll, dann heißt das nicht, dass es das günstigste Hilfsmittel sein muss“, meint Rolf Unterwagner vom gleichnamigen Sanitätshaus in Moers. Im Umkehrschluss heißt es nicht, dass es das teuerste Hilfsmittel sein muss. Manchmal heißt es vielleicht, dass alles ganz einfach sein kann.

Diese Resümees könnte man zumindest nach der langwierigen Suche nach einem geeigneten Hilfsmittel für die gehbehinderte Seniorin Margret Terpoorten aus Vluyn ziehen (die NRZ berichtete): Beinahe ein Jahr lang legte die 83-Jährige mehrere Widersprüche bei ihrer Krankenkasse, der AOK, ein, weil diese ihr nur ein Elektromobil zur Fortbewegung genehmigte, sie aber einen Rollstuhl mit Aufsteckantrieb wollte, den die Kasse – und auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) Nordrhein nach Aktenlage ablehnten. Seit April hörte sie zu ihrem Anliegen gar nichts mehr, so dass sie sich jetzt an die NRZ wandte.

Nach den Testfahrten folgte die Überraschung

Nach der Recherche zu und der Berichterstattung über den Fall wurden Margret Terpoorten in dieser Woche gleich drei Hilfsmittel vom Sanitätshaus Unterwagner zum Probe fahren zu Hause vorgestellt: Ein Elektromobil (Gewicht 80 bis 90 Kilogramm), wie es die AOK bereits genehmigt hat, ein reiner Elektrorollstuhl (rund 120 Kilogramm) und der von Margret Terpoorten gewünschte Rollstuhl mit Aufsteckantrieb (50 Kilogramm).

Eine Fachberaterin für Hilfsmittel der AOK war auch da. Nach den Testfahrten folgte die Überraschung: Margret Terpoorten entschied sich nun doch für das Elektromobil. „Darauf habe ich mich einfach wohler und sicherer gefühlt“, sagt sie.

Fachberater sind erstaunt

Und dies sehr zum Erstaunen aller angereisten Fachberater: „Die Dame von der AOK war auch ganz überrascht und meinte, dass sie damit nun überhaupt nicht gerechnet habe.“ Für die Fahrten zum Einkaufen mit dem Auto, um die es ihr in ihren Widersprüchen bisher besonders ging, erhält sie zusätzlich einen einfachen Leichtgewicht-Rollstuhl, den man zusammenklappen und mitnehmen kann.

Der muss aber von einer anderen Person geschoben werden, er hat keinen elektrischen Antrieb. Geliefert wird in zwei Wochen. „Das ist aber alles jetzt absolut in Ordnung so für mich“, sagt die 83-Jährige.

In den Bus soll sich etwas ändern

Mit dem Scooter, also dem Elektromobil, kommt sie bis ins Vluyner oder Moerser Zentrum und zurück. „Und die Frau von der Krankenkasse meinte, dass man das Elektromobil vielleicht auch bald in Bussen mitnehmen könne, weil sich da bald etwas ändern solle.“

Doch nicht nur für die Versicherte hat sich die Am-Ort-Beratung gelohnt. Auch die Krankenkasse kommt finanziell gut weg: „Ein Elektromobil kostet mit einer Leasing-Vollpauschale für eine Nutzung von 48 Monaten 1799 Euro. Die Kosten für einen reinen Elektrorollstuhl würden sich im Vergleich dazu für den gleichen Zeitraum auf 2885 Euro und für einen Rollstuhl mit Aufsteckantrieb auf 3.451 Euro belaufen“, sagt Rolf Unterwagner. Und bei den Kosten für den zusätzlichen Leichtgewicht-Rollstuhl „wird es so richtig teuer für die Krankenkasse“, scherzt Rolf Unterwagner. „Denn der kostet für 48 Monate der Nutzung mit Service insgesamt 267 Euro.“

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