Wohnungsnot

Montags in Kamp-Lintfort: Wohnmobil hilft bei Wohnungsnot

Jeden Montagvormittag steht das Caritas-Wohnmobil auf dem Prinzenplatz. Heiko Hohenhaus und Katharina Soyke können helfen - auch dank WLAN.

Jeden Montagvormittag steht das Caritas-Wohnmobil auf dem Prinzenplatz. Heiko Hohenhaus und Katharina Soyke können helfen - auch dank WLAN.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Die Caritas ist seit Anfang des Jahres mit dem mobilen Beratungsbüro auf der Straße. Hier gibt es Rat und Tat in schwierigen Lagen – und mehr.

Obwohl das schicke Caritas-Mobil erst seit Anfang des Jahres immer montags vormittags auf dem Prinzenplatz steht, hat sich das eine oder andere in der Szene anscheinend schon rumgesprochen. Der junge Mann, der ohne zu zögern auf das Wohnmobil zugesteuert war, fragt ganz gezielt nach einem Schlafsack. Ja, den gibt es hier auch. Auch Iso-Matten und Wurfzelte. Wer mag, bekommt eine heiße Suppe oder Tee oder Kaffee. Aber: „Wir sind keine Versorgungsstation“, macht Claudia Kohler, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Soziales der Caritas, klar. In erster Linie gibt es im kuschelig warmen Mobil: guten Rat und aktive Hilfe.

Gemeinsame „abhängen“ und gemeinsame Interessen teilen

Den gibt es natürlich auch bei den anderen Caritas-Einrichtungen, aber die erreichen eine bestimmte Personengruppe nur schwer: „Menschen in schwierigen Wohnverhältnissen“ heißt das politisch korrekt. Meint nicht nur Obdachlose, sondern auch „Wohnungsflüchter“. Die, die es tagsüber in ihren Wohnungen nicht aushalten, weil, naja, weil es da so aussieht, wie es aussieht. Die, die den ganzen Tag an einem bestimmten Platz „abhängen“ und gemeinsame Interessen und Erfahrungen teilen. Nicht selten ist ein

wichtiges gemeinsames Interesse der Alkohol. Eine gemeinsame Erfahrung ist oft die Sucht. Und zwar nicht nur Alkohol und Drogen, sondern – zunehmend – Spielsucht, ist die Erfahrung von Heiko Hohenhaus und Katharina Soyke, die in dem Wohnmobil im Caritas-Gebiet zwischen Xanten und Moers unterwegs sind. Mit festen Terminen in der Woche (siehe Kasten).

„Spielsucht ist teuer“, sagt Heiko Hohenhaus. Oft sogar teurer als auf der Luxus-Droge Kokain zu sein. Die manchmal „exorbitanten“ Schulden führen schnell auf die Straße, die entsprechenden Schufa-Einträge nur schwer wieder zurück, wissen die beiden Helfer.

Und da hakt Claudia Kohler auch gleich mit ihrer Kritik ein: „Es gibt einfach zu wenig Privatvermieter, die – obwohl sie wissen, dass wir oder eine andere Einrichtung das unterstützend begleiten und ein Auge drauf haben – bereit sind, diesen Menschen Wohnungen zu überlassen.“ Dabei ist eigentlich doch schon was gewonnen, wenn sich jemand helfen lassen will. Denn auch das gehört dazu: „Dann mach dein Ding“ müssen die beiden Caritas-Mitarbeiter zulassen können.

„Der scheint die richtige Anlaufstelle gefunden zu haben“

Dabei können Hohenhaus und Soyke so schöne Sachen erzählen. Von einem, der jahrelang im Zelt gelebt und nun relativ schnell einen Platz im Übergangswohnheim angenommen hat. Von dem, der bisher jede Woche zum Bus gekommen ist, um sich Informationen und Hilfe zu holen: „Der kommt jetzt nicht mehr, der scheint die richtige Anlaufstelle gefunden zu haben“, vermutet Hohenhaus.

Die Klientel, an die sich das Angebot des Caritas-Mobils richtet, ist zwischen 18 und Mitte 50 Jahre alt, meist männlich. „Frauen finden eher Möglichkeiten unterzukommen“, weiß Katharina Soyke. Und weil das Mobil neutral gestaltet ist, kommen manchmal auch ganz andere Leute und fragen nach. „Letztens wollte jemand was über Pflege wissen. Glücklicherweise konnte ich da auch sofort helfen“, sagt Hohenhaus. Das Caritas-Team bringt unterschiedliche Erfahrungen mit: Während Hohenhaus ein Fünfziger ist, der zehn Jahre in einer stationären Suchtklinik gearbeitet hat, kommt die 28-jährige Soyke aus der Jugendhilfe.

Wenn jemand im Parkhaus schläft, bringen sie Kärtchen und Bonbons

Und die Berater warten nicht nur auf ihre Leute vor Ort, sie gehen auch Hinweisen nach. Wenn jemand im Parkhaus schläft, bringen sie ihre Kärtchen und ein paar Bonbons hin. Überhaupt: „Hier im ländlichen Raum ist die Obdachlosigkeit nicht so sichtbar wie in großen Städten, wo die Leute in aller Öffentlichkeit campieren“, sagt Heiko Hohenhaus. Aber man sollte sich nicht vertun: An der Hauptstelle am Moerser Ostring betreuen die Leute von der Caritas „Hunderte“, wie Claudia Kohler sagt. Und das sind die, die den Weg von sich aus finden. Für die anderen gibt es jetzt das Wohnmobil.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben