Moerser Vereine

Moerser Verein feiert Sommerfest und löst sich danach auf

Der Verein für spastisch Gelähmte und auch Körperbehinderte aus Moers feiert in Duisburg sein letztes Sommerfest. Rita und Siegfried Ullrich mit ihrem Sohn Ralf sind seit 48 Jahren Mitglied im Verein.

Foto: Jörg Schimmel

Der Verein für spastisch Gelähmte und auch Körperbehinderte aus Moers feiert in Duisburg sein letztes Sommerfest. Rita und Siegfried Ullrich mit ihrem Sohn Ralf sind seit 48 Jahren Mitglied im Verein. Foto: Jörg Schimmel

Moers.   Der Verein für spastisch Gelähmte und andere Körperbehinderte Moers löst sich nach 50 Jahren auf. Er hat in der Behindertenarbeit vieles bewegt.

Sie sind soziale Pioniere und ehrenamtlich engagierte Türöffner, die Menschen mit Behinderung ein erfülltes Leben ermöglichen: Der Verein für spastisch Gelähmte und andere Körperbehinderte Moers, zuständig für den linksrheinischen Teil des Kreises Wesel, hat am Samstag sein alljährliches Sommerfest in der Vereinsgaststätte des TV Duisburg-Kaldenhausen gefeiert.

Es war ein lebendiges und herzliches Bild: Rund 50 Menschen mit und ohne Handicap saßen beisammen und erzählten sich schöne Erinnerungen, die sie gemeinsam im Verein erlebt haben.

In diesem Jahr wurde besonders über ein Thema gesprochen: Die Vereinsauflösung. Es war das letzte Sommerfest, der gemeinnützige Selbsthilfeverein löst sich am 30. Juni nach 50 Jahren auf.

Die Entscheidung ist nicht leicht gefallen

Der Grund: die hohe Altersstruktur der Mitglieder. „Die Entscheidung zur Auflösung des Vereins ist uns nicht leicht gefallen“, sagte Vorstandsmitglied Klaus Bender. „Das Alter unseres Vorstandes, der aus betroffenen Eltern von behinderten Kindern besteht, liegt bei über 70 Jahren. Auf Grund von Sterbefällen schrumpfte die Mitgliederzahl auf 74 Vereinsmitglieder. Das ist für die Zukunft des Vereins kaum haltbar“, sagte Bender.

In 50 Jahren Behindertenarbeit sei viel bewegt worden, erklärte Bender weiter. Das wird bei einem Blick in die Vereinsgeschichte deutlich: Im August 1966 trafen sich erstmals betroffene Eltern mit dem Vereinsgründer Egon Schürrmann in Moers. Durch ihre Kinder, die die Förderschule in Krefeld besuchten, lernten sich die Eltern kennen.

Bender: „Damals gab es fast keine Austauschmöglichkeiten für betroffene Eltern. Es existierten kaum behindertengerechte Kindergärten und Schulen. Die Thematik war bisweilen tabu, an Inklusion war nicht zu denken.“

Der Verein hat fortschrittliche Projekte umgesetzt

Finanziert durch Spenden setzte der Verein seine fortschrittlichen Projekte um: Seit 1971 jährlich durchgeführte Ferien-Freizeiten und Ausflüge unter anderem zu Zoos, Museen und an die niederländische See, Beteiligung an der Errichtung des Behindertenwohnhauses Kardinal-von-Galen Haus, der Aufbau einer eigenen Sportabteilung, enge Kooperation mit den Caritas Wohn- und Werkstätten, Engagement im Moerser Behindertenbeirat, Weihnachtsfeiern und Sommerfeste gehörten zum Vereinsprogramm.

In den letzten Jahren betreute der Verein Menschen aus drei Behindertenwerkstätten und sechs Wohnhäusern im Moerser und Duisburger Gebiet.

Die Kegelgruppe trifft sich weiterhin

„Unsere damals kleinen Kinder sind erwachsen geworden. Der Verein hat sie toll dabei begleitet“, sagte Vereinsvorsitzende Gisela Meißner, selbst Mutter eines behinderten Sohnes.

Teile des Vereinslebens sollen ab Juli weiterhin erhalten bleiben: „Unsere zehn Kegler aus der Behinderten-Kegelgruppe ‘Die Abräumer’ trifft sich weiterhin in Schwafheim, und der Müttertreff soll auch weiterhin regelmäßig stattfinden“, erklärte Meißner mit Blick in die Zukunft.

Das übrige Geld in der Vereinskasse möchten die Mitglieder für einen guten Zweck verwenden: Es kommt den Caritas Wohn- und Werkstätten und dem dazugehörigen Kardinal-von-Galen Haus in Moers zu Gute.

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