Arbeitslosenberatung

Moerser Malz-Geschäftsführer ist entsetzt von NRW-Regierung

Malz-Geschäftsführer Peter Weinstock.

Malz-Geschäftsführer Peter Weinstock.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Moers.  „Das ist ja kein Kaffeekränzchen hier.“ Warum der Chef des Arbeitslosenzentrums den Plan, die Unterstützung zu streichen, für völlig falsch hält.

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Diese Nachricht erwischte Peter Weinstock eiskalt. „Ich dachte, das Thema sei längst vom Tisch“, sagt der Geschäftsführer des Moerser Arbeitslosenzentrums (Malz) zur Ankündigung der Landesregierung, die Unterstützung der Arbeitslosenzentren in NRW einzustellen und deren Arbeit auf die Erwerbslosenzentren zu verteilen, die bestehen bleiben.

Weinstock hält das Vorgehen für vollkommen falsch. Und das aus vielerlei Hinsicht. Zum einen seien die drei Arbeitslosenzentren des Malz (Moers, Kamp-Lintfort und Wesel) nicht „irgendwelche Kaffeebuden“. Beim Malz gehe es schließlich „um Menschen, die wirklich Hilfe benötigen“, sagt Weinstock, der die Zahl der Beratungen, die insgesamt sechs Mitarbeiter in den drei Zentren durchführten, auf bis zu 1200 pro Zentrum und Jahr beziffert. Dabei gehe es um Hilfestellung bei Bewerbungsschreiben oder bei einfacheren Anträgen, aber auch um das Prinzip der offenen Tür, um Gesellschaft und Gemeinschaft.

„Zu uns kommen die Menschen, wenn es um die Wurst geht“

In allen drei Punkten unterscheidet sich das Arbeitslosenzentrum eklatant von der Erwerbslosenberatungsstelle, die der zentrale Bestandteil des Malz ist, aber laut Peter Weinstock vollkommen eigenständig und als Problemlöser agiert. „Zu uns kommen die Menschen, wenn es um die Wurst geht“, sagt Weinstock, der die Erwerbslosenberatungsstelle in Teilzeit mit einer Kollegin führt. Wenn beim Jobcenter oder Sozialamt bestimmte Leistungen, wie zum Beispiel Wohngeld, beantragt werden müssen oder beim Bezug Probleme auftauchen, helfen Weinstock und seine Kollegin. Und das bis zu 1500 Mal im Jahr.

Wenn die Landesregierung jetzt ankündige, die Arbeit der Arbeitslosenzentren ab 2021 auf die Erwerbslosenzentren zu übertragen, „ist das einfach nur absurd“, so Weinstock, zumal es im Falle der drei Arbeitslosenzentren um jeweils 15.600 Euro im Jahr gehe. Davon zahlt das Land die Hälfte. Der Rest kommt aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF).

Die SPD möchte das Thema in der kommenden Woche nochmal aufgreifen

„Ich kann die Landesregierung da überhaupt nicht verstehen“, sagt der Geschäftsführer, „ich bin echt entsetzt.“ Wenn es um Dinge gehen würde, die nichts brächten, könne er das ja verstehen. „Aber das ist ja kein Kaffeekränzchen hier.“

So sieht es auch der SPD-Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim, der im Gespräch mit der NRZ sagt, was er vom Vorstoß der Landesregierung hält: „Gar nichts!“ Yetim kündigt an, das Thema in der kommenden Woche in der Fraktion zu thematisieren. „Diese Ankündigung kann man nicht so stehen lassen“, sagt Yetim, der der Landesregierung vorwirft, zu kurz zu denken. Zum einen sei noch nicht klar, wie der EU-Haushalt über 2021 hinaus aussehe, aus dem sich der ESF finanziert. Zum anderen „gehe ich davon aus, dass wir in den nächsten Monaten mehr Arbeitslose bekommen werden, sagt Yetim mit Blick auf ThyssenKrupp.

>>> Erwerbslosenberatungsstelle ist die einzige im Kreis
Neben seiner Beratungsstelle in Moers betreibt das Malz weitere Arbeitslosenzentren in Kamp-Lintfort und Wesel. Die Erwerbslosenberatungsstelle im Malz ist dagegen die einzige im Kreis.
Bereits im Februar hatte die Landesregierung versucht, die Unterstützung der Arbeitslosenzentren zu streichen, war damals aber auf Widerstand gestoßen, vor allem bei der SPD.

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