Krimifestival Moers

Moers: Kommissar Overbeck ermittelt beim Krimifestival

Roland Jankowsky, hier bei einem Auftritt in Hemer, kennen die meisten als Kommissar Overbeck.

Roland Jankowsky, hier bei einem Auftritt in Hemer, kennen die meisten als Kommissar Overbeck.

Foto: Ralf Engel / Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Moers.  Roland Jankowsky ist vielen aus der ZDF-Serie Wilsberg bekannt. Beim Krimifestival in Moers liest er Kurzgeschichten – und sagt etwas zu Corona.

Das Moerser Krimifestival ist in vollem Gange. Am Montagabend konnte man in der Aula des Gymnasiums Adolfinum das mörderisch gute Geschehen förmlich riechen: Bayrische Weißwürste, ein frühlingshaft blühender Teich und eine Prise Humus. Warum man sich vor allen drei Dingen fantastisch gruseln kann, zeigte Roland Jankowsky.

Auf Einladung der Moerser Gesellschaft zur Förderung des literarischen Lebens brachte Jankowsky sein Programm „Wenn Overbeck kommt“ mit. Overbeck, das ist Jankowsky selbst. Vielen Zuschauern ist Jankowsky aus der ZDF-Krimiserie „Wilsberg“ bekannt. Hier spielt er Kommissar Overbeck, der gerne die Grenzen der Legalität auslotet.

Apropos Legalität: Die Charaktere in den Kurzgeschichten, die Jankowsky mitbrachte, nehmen es nicht so genau. Bevor es in kriminell-humoreske Sphären ging, blickte Jankowsky aufs Zeitgeschehen: „Weltweit sterben jährlich 24.000 Kinder am Hungertod, aber Menschen machen Hamsterkäufe wegen des Corona-Virus.“

Moers ist Kölner Jankowsky altbekannt: „An Moers bin ich bisher auf dem Weg nach Köln vorbeigefahren. Schön habt ihr’s hier.“ Die Aula des Gymnasiums Adolfinum erschien als Leseort ohnehin perfekt: Ein leicht abgedunkelter Saal, rote Bühnenvorhänge, ein schwarz behangener Tisch mit einem Blatt darauf. Jankowsky stieg in die Gruft – stimmlich wie atmosphärisch.

Die Radioerfahrung ist Jankowsky anzumerken

Als er Ralf Kramps Gedicht „Jemand muss Frau Kimmel töten“ vorlas, kam seine Erfahrung als langjähriger Radiosprecher zur Geltung. Mit schaudernder, sonorer Stimme las er die Zeile „Wäre sie schon verreckt und mit Humus zugedeckt“.

Weißwurst statt Humus wurde in Angela Essers verlesener Kurzgeschichte „Bayrische Henkersmahlzeit“ aufgetischt. Der Hauptcharakter ist Mafiosi Eduardo Fontanella, „dessen Name klingt, wie eine Moerser Eisdiele“, scherzte Jankowsky. Eduardo findet sich im Krankenhaus neben seiner sterbenden Mutter wieder, deren letzter Wunsch unerfüllt bleibt: Weißwurst mit Brezeln essen. Eduardo isst fortan nur noch Weißwürste. Sein Konkurrent Angelo verschluckt sich ausgerechnet daran – dumm gelaufen.

Ein Klettertrip über Nachbars Zaun? Jankowsky wählte mit Monika Kempffs Nachbarschaftskrimi „Der Teich“ dieses Szenario aus. „Alles könnte schön sein. 200 Quadratmeter Gartenteich“, zitierte Jankowsky. Wäre da nicht der teichliebende Nachbarjunge. Jankowsky stand vom Stuhl auf, verwandelte sich in den wütenden Nachbarn, der im Auto über den Jungen sinniert, der den Zaun überwindet. Die Lösung? Alles wie ein Unglück aussehen lassen. Bevor der Herr zur Tat schreiten kann, stirbt er beim Autounfall. „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“, fügte Jankowsky schmunzelnd an. Am Ende des grandiosen Abends standen lange Publikumsovationen und viele Zuschauer, die sich Jankowskys Buch signieren ließen.

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