Aktionstag „Moers ist bunt“

Mo Asumang in Moers: Veränderung nur mit Dialog möglich

Mo Asumang sprach am Samstag im Bollwerk in Moers.

Mo Asumang sprach am Samstag im Bollwerk in Moers.

Foto: Foto: Oleksandr Voskresenskyi / FUNKE Foto Services

Moers.  Die afrodeutsche Autorin und Filmemacherin Mo Asumang spricht in Moers über ihr Buch „Mo und die Arier“ und über Erfahrungen mit Rassismus.

Sich trotz Corona-Abstand gedanklich nah sein und durch Dialog Grenzen überwinden: Wie das geht, zeigten die Moerser am Samstag. „Moers ist bunt“ hieß das Motto eines Aktionstags im Jugend-Kulturzentrum Bollwerk, unter dem die Grafenstadt ein Zeichen gegen Rassismus und für Vielfalt setzte.

Gefördert wurde der Aktionstag von der Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren NRW und dem Landesministerium für Kultur. Im Rahmen des Aktionstages wurde es am Samstagabend nachdenklich. Die Autorin, Dozentin, Filmemacherin, Moderatorin und Schauspielerin Mo Asumang präsentierte ihr Buch „Mo und die Arier“.

Als Kind einer Deutschen und eines Ghanaers wurde Asumang 1963 in Kassel geboren. Sie moderierte als erste afrodeutsche TV-Moderatorin die Fernsehsendung „Liebe Sünde“. Eines Tages bekam sie ein Lied der Neonazi-Band White Aryan Rebels vorgespielt. „Diese Kugel ist für dich, Mo Asumang“, droht Neonazi Lars Burmeister ihr singend in einer Textzeile. Dass Rassisten nicht vor Taten zurückschrecken, hat Asumang selbst erlebt: „In Kassel wurde ich an einer Haltestelle gewürgt, später mit einer 9-Millimeter-Waffe bedroht.“ Als sie neben ihrem Studium Taxi fuhr, wurde sie auf das Taxidach geschmettert.

Verschwörungstheoretiker: Nazis leben in Ufos auf der Rückseite des Mondes

Mo Asumang fragte sich, woher der Hass auf dunkelhäutige Menschen kommt und begab sich in ihrem Film „Die Arier“ auf Spurensuche. Sie zeigt dort Familienfotos: Da ist Asumangs deutsche Großmutter mütterlicherseits, die als SS-Schreibkraft arbeitete, ihr in den Krieg ziehender Großvater und ihr dunkelhäutiger Vater. Asumang suchte den Dialog: Sie reiste zum amerikanischen Ku-Klux-Klan, besuchte Nazidemonstrationen, konservative Burschenschaftstreffen, den depressiven und sodann selbst verfolgten Naziszene-Aussteiger Chris sowie den Verschwörungstheoretiker Axel Stoll, der glaubte, dass Ufo-fliegende Nazis auf der Mondrückseite leben. Als Asumang fragte, wofür demonstriert wird, erhielt sie die Antwort „Geh zurück nach Afrika“.

Lösungen, wie man Deutschland jenseits von hasserfüllter Ausgrenzung von 21,2 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund verändern kann? Fehlanzeige. Das ist ein Grund, warum Esther Bejarano, die das Konzentrationslager Auschwitz überlebte, müde vom Dialog ist: „Meine Eltern wurden 1941 nach Litauen deportiert und mit 1000 weiteren Juden erschossen.“

Schließlich kommt Asumang bei ihrer Arierspurensuche mit Kopftuch im Iran, bei den Vorfahren der iranischen Völker, an: „Wir Arier glauben, Hitler war verrückt“, sagte ein Mann, verärgert über den Missbrauch des Arierbegriffs als „Urrasse“, begründet vom 1882 verstorbenen Schriftsteller Gobineau.

Für Asumang ist klar: „Es gibt eine historische Chance, denn jetzt zeigen sich Rassisten offen. Die Schleife des Hasses endet, wenn wir ihnen ihre falschen Verallgemeinerungen und Ängste klar machen. Nur durch Dialog gibt es Veränderung.“

>>>Informationen zum Aktionstag in Moers<<<

Das Interesse am Aktionstag war groß: Bei der Lesung mit Mo Asumang und den darauffolgenden Konzerten, bei denen unter anderem Klaus der Geiger, Singer-Songwriter Max Made, die Band Tiger Youth und die Band „Daizen“ spielten, waren maximal 30 Teilnehmer zugelassen und angemeldet.

Am Samstagmittag fand ein Urban-Sketching-Workshop statt. Acht Teilnehmer gingen mit Lichtkünstlerin Annika Demmer und Sozialarbeiterin Miriam Holt zu den im Stadtgebiet verlegten Stolpersteinen, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Halt machten sie unter anderem am Alten Landratsamt. Gemeinsam zeichneten sie Gebäude und Straßen nach. Ulrich Kemper, Geschichtslehrer und Verfasser des Buchs „Moers unterm Hakenkreuz“, informierte an den Stationen über die bewegenden Biografien der Naziopfer.

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