Arbeitswelt

Mehr Jobs für die gut qualifizierten Behinderten

Martina Tück (Arbeitsagentur), Peter Kamp (Bereichsleiter bei Hodey) und Gudrun Hodey (v.l.) werben anlässlich der Woche der Menschen mit Behinderung im Vital-Centrum Hodeyfür mehr Stellen für Behinderte.

Foto: Lars Fröhlich

Martina Tück (Arbeitsagentur), Peter Kamp (Bereichsleiter bei Hodey) und Gudrun Hodey (v.l.) werben anlässlich der Woche der Menschen mit Behinderung im Vital-Centrum Hodeyfür mehr Stellen für Behinderte. Foto: Lars Fröhlich

Kreis Wesel.   Die siebte Aktionswoche will Firmen auf das Potenzial Behinderter aufmerksam machen. Sie leisten hervorragende Arbeit. Aufklärung ist wichtig.

Menschen mit Behinderungen sind oft hoch qualifiziert und hoch motiviert – trotzdem ist es manchmal ein Problem für sie, einen Arbeitsplatz zu finden. Die Agentur für Arbeit in Wesel ruft daher anlässlich der siebten bundesweiten „Aktionswoche der Menschen mit Behinderungen“ die Arbeitgeber auf, sich mit dem Thema zu befassen und aufklären zu lassen. Martina Tück und Stefan Schapfeld von der Agentur erläuterten in den Räumen der Firma Hodey (Orthopädie-Technik) in Kamp-Lintfort Wissenswertes zum Thema und brechen eine Lanze für Menschen mit Behinderungen.

Bei Hodey arbeiten 134 Beschäftigte, davon sieben Behinderte – überdurchschnittlich viele. Wie beispielsweise Lisa Conrad (25). Ihr fehlt die linke Hand. Sie lernte zunächst in einer Arztpraxis und ist nun in der Disposition bei Hodey beschäftigt. Probleme, eine Stelle zu finden habe sie persönlich nicht gehabt.

Ein weiteres Beispiel ist Peter Kamp (54), der schon seine Ausbildung bei Hodey absolvierte und nun in leitender Funktion arbeitet. Gudrun Hodey: „Bei uns gibt es auch Umschüler, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Pflege arbeiten können und sich hier weiter qualifiziert haben. Der Fachkräftemangel in unserem Bereich ist groß.“ Und: Schon ihr Vater, der Firmengründer, habe einen Behinderten in der Werkstatt eingestellt.

Obwohl noch immer viel Überzeugungsarbeit zu leisten sei, seien die Zahlen im Kreis relativ erfreulich, erklärt Schapfeld. Bei den Arbeitgebern stieg die Quote seit 2011 um vier Prozent auf 714 Betriebe, die behinderte Menschen eingestellt haben. Bei den Behinderten stieg die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum von 3940 auf 4662 an. Was wohl auch daran liege, dass der Markt immer mehr qualifizierte Menschen suche. „Trotzdem stieg die Zahl der Arbeitslosen unter den Behinderten von 6,48 auf 8,29 Prozent an“, gibt der Fachmann zu bedenken.

Viele technische Hilfen

Leider sei oft nicht bekannt, wie viele technische Hilfen und auch Fördermittel es für Behinderte am Arbeitsplatz gebe. „Der Wille ist oft da, aber die Aufklärung fehlt“, meint Martina Tück. Betriebe müssten laut Gesetz ab 20 Mitarbeitern einen Behinderten einstellen oder eine Ausgleichsabgabe an den Landschaftsverband zahlen. „Leider zahlen sie oft lieber, als jemanden einzustellen“, stellt Tück fest. Doch es gebe heute reichlich technische Hilfen, beispielsweise wenn eine Maschine von Hand- auf Fußbedienung umgestellt werden müsse. Zuschüsse zahlten die Agentur, der Landschaftsverband und der Rententräger. „Wir führen durch den Behördendschungel.“

Katharina Landorff vom LVR: „Oft fragen Firmen bei uns nach Fördermitteln.“ Besonders im Café- und Restaurantbereich, in Küchen, bei Verpackungsfirmen und oder in Gärtnereien beschäftige man Behinderte. Bei Investitionen, die ein Arbeitgeber treffen müsse wie beispielsweise einen Aufzug für den Rollstuhlfahrer zu bauen, gebe es 80 Prozent Zuschuss. Auch umfassende Beratung und Begleitung stelle man kostenlos zur Verfügung.

Die Ausgleichsabgabe für den Arbeitgeber betrage zwischen 115 und 290 Euro pro Monat und fehlender Stelle. „Das Geld geht an unser Integrationsamt, das die Mittel wiederum für die Förderung der Stellen für Behinderte einsetzt.“

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