Landesgartenschau 2020

Klimawandel in Kamp-Lintfort: So soll es erlebbar werden

So stellen sich Jenny Ohlenschlager und Lisa Brunnert den Klimagarten vor.

So stellen sich Jenny Ohlenschlager und Lisa Brunnert den Klimagarten vor.

Foto: Jenny Ohlenschlager/Lisa Brunnert

Kamp-Lintfort.   „The Heat“ heißt der Klimagarten, der nach Entwürfen eines Hamburger-Landschaftarchitekten-Duos für die Laga entstehen soll. Und der ist wild.

Wenn die Landesgartenschau am 17. April ihre Türen öffnet, wird auf dem Schaugelände auch der weltweite Klimawandel Thema sein: „The Heat“ haben die Hamburger Landschaftsarchitektinnen Lisa Brunnert und Jenny Ohlenschlager ihren Entwurf für einen 400 Quadratmeter großen Garten genannt, der die Auswirkung von Versiegelung auf das Mikroklima für die Laga-Besucher auf ebenso eindrucksvolle wie ästhetische Weise erlebbar machen soll.

Ausgelobt wurde der Nachwuchswettbewerb von der NRW-Landesgruppe des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) und der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 GmbH mit dem Thema „Gestaltung eines Klimagartens“ auf dem ehemaligen Zechengelände. Neben dem Preisgeld winkte den Nachwuchslandschaftsarchitekten dabei auch die Chance, den Siegerentwurf in die Tat umzusetzen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen – der Gewinnergarten soll nördlich des zentralen Quartiersplatzes realisiert werden. Unter 13 eingereichten Arbeiten machte der Entwurf der beiden Hamburgerinnen am Ende das Rennen.

Nach tagelanger Diskussion die zündende Idee

Wie der entstanden ist? „Planung heißt bei uns im Vorfeld immer Diskussion“, sagt Landschaftsarchitektin Lisa Brunnert und lacht. „Es gab auch andere Ideen. Zwei, drei Tage lang gab es zwischen uns dauerhafte Verhandlungen.“ Dreh- und Angelpunkt war am Ende aber die Idee, „den kleinsten fühlbaren Moment“ dieses Klimaphänomens gestalterisch abzubilden, so Brunnert.

In ihrem Entwurf stellen die beiden Planerinnen etwa auf der Größe einer Kleingartenparzelle eine schlichte, rechteckige Asphaltfläche einer Bepflanzung mit üppiger Vegetation gegenüber. Die „Wildnis“ setzt sich aus einer Baum-, Strauch- und Staudenschicht zusammen. Beide Flächen werden über einen schmalen Weg verbunden. Der Clou: Ausrichtung, Form und Größe des Gartens sowie die Position der Bäume und Sträucher richten sich nach dem Sonnenverlauf am Standort. So sparen die Schatten der Pflanzen im Jahresverlauf einen definierten Bereich auf der Asphaltfläche aus (The Heat), der folglich dauerhaft direkter Strahlung ausgesetzt wird.

Kooperation mit Hochschule Rhein-Waal ist möglich

An Sonnentagen wird so ein deutlicher Temperaturunterschied zwischen der Wildnis und dem direkt bestrahlten Bereich wahrnehmbar sein. Der tatsächliche Temperaturunterschied wird über zwei Klima-Stationen vor Ort erfasst. Bei der Auswertung der Daten könnte eine Kooperation mit der Hochschule Rhein-Waal entstehen. Was genau gepflanzt wird, wird noch gemeinsam mit der Landesgartenschau GmbH abgestimmt. „Das wollen wir, wenn möglich, regional lösen“, sagt Lisa Brunnert. Das Budget für den Klimagarten beträgt 40.000 Euro.

Die Jury jedenfalls zeigte sich begeistert: Der baumbestandene Gartenraum mit seiner inneren, offenen Asphaltfläche biete ein praktisches Klimaerlebnis, urteilten die Juroren. Ohne Erläuterungsbericht und Infotafeln könne der Besucher bei passendem Wetter die Hitze der Stadt nach Durchschreiten eines baumüberstellten Saumes spüren, heißt es in der Beurteilung: „Im Meer der Gärten dürfte diese grüne Oase mit zahlreichen Bäumen aber auch in Herbst und Frühling markant wahrnehmbar sein und ihren eigenen Charme entfalten.“

Anfang des Monats waren die Hamburger Landschaftsarchitektinnen in Kamp-Lintfort, um in die konkrete Planung einzusteigen. Die nämlich gilt es bereits jetzt anzugehen: „Schließlich soll 2020 ja alles fertigsein“, sagt Lisa Brunnert.

>>INFO Die Landesgartenschau in Kamp-Lintfort wird am 17. April 2020 eröffnet und bis zum 11. Oktober laufen. Dabei wird nicht nur das ehemalige Zechengelände zum Gartenschau-Areal, sondern auch der Wandelweg und alles rund um das Kloster Kamp.

Attraktionen werden unter anderem „Kalisto“, die Kamp-Lintforter Spiel- und Tier-Oase sein oder auch ein Besuch auf dem Zechenturm mit atemberaubenden Fernblick. Die Landesgartenschau hat das Motto „Kloster, Kohle, Campus“.

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