Kirche

Katholiken im Kreis Wesel fürchten, Minderheit zu werden

Bischof Genn

Bischof Genn

Foto: Foto: Sarah Stöber / Bischöfliches Generalvikariat Münster

Kreis Wesel.  Die Katholische Kirche im Kreis Wesel verzeichnet 2018 viele Austritte. Bischof Genn bringt dies mit einem der größten Skandale in Zusammenhang.

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Im Kreis Wesel lebten im vergangenen Jahr 206.248 Katholiken. Das geht aus der Statistik des Bistums Münster für das Jahr 2018 hervor, die die Bischöfliche Pressestelle veröffentlicht hat. 1403 Menschen haben 2018 ihren Austritt aus der Kirche erklärt, 214 mehr als im Jahr zuvor.

Leicht gesunken ist die Zahl der Taufen – 1381 Mal wurde das Sakrament gespendet, 98 Mal weniger als im Jahr 2018. Die Zahl der Trauungen ist um 22 auf 367 gesunken. Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, erklärte zu den Zahlen für das gesamte Bistum: „Die Zahlen lassen sich nicht schönreden. Die Menschen stimmen mit den Füßen darüber ab, ob sie uns für glaubwürdig und vertrauensvoll halten und ob die Gemeinschaft in der katholischen Kirche ihnen grundsätzlich als notwendig für ein gutes und gelingendes Leben erscheint. Für viele gilt das leider nicht mehr. Wir haben an Relevanz für das Leben der Menschenverloren.“

Sexueller Missbrauch: Jetzt reicht es endgültig

Die Ergebnisse der Studie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden, seien bei vielen Menschen das auslösende Moment, um zu sagen: Jetzt reicht es mir endgültig“, so Bischof Genn weiter. Die Verbrechen, die Priester an Kindern und Jugendlichen begangen hätten, könne man nicht ungeschehen machen. Man könne nur alles in der Macht Stehende tun, um die Vergangenheit schonungslos aufzuarbeiten und um Betroffene erfahren zu lassen, dass sie im Mittelpunkt der Aufarbeitung stehen. „Und natürlich müssen wir alles tun, um sexuellen Missbrauch künftig zu verhindern: von Anstrengungen im Bereich der Prävention bis hin zu Änderungen bei den systemischen Faktoren, die sexuellen Missbrauch begünstigen.“

Wir wollen für die Menschen da sein

Nach Überzeugung von Genn zeigen die Austritts-Zahlen auch: Wenn die Katholiken nicht schon sehr bald nur noch eine kleine Minderheit sein wollten, blieben große Herausforderungen, denen sie sich beherzt stellen sollen: „Nicht, um einfach dem Zeitgeist hinterherzulaufen, sondern um Kirche in der Zeit und mit den Menschen zu sein. Wir sollten das tun, nicht um unserer selbst willen, sondern um der Menschen willen, für die und mit denen wir Kirche sind. Die Menschen müssen erfahren, dass wir für sie da sein möchten.“

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