Wirtschaft

Kamp-Lintforterin gibt der Familie zuliebe ihr Café ab

Saliha Chibani steht vor ihrem Eltern - Kind - Café KaliMero.

Saliha Chibani steht vor ihrem Eltern - Kind - Café KaliMero.

Foto: Markus Joosten / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Die Kamp-Lintforterin Saliha Chibani möchte ihr Eltern-Kind-Café Kalimero abgeben. Die dreifache Mutter hat jetzt andere Prioritäten.

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„Es sind einzig familiäre Gründe, die uns zu dem Entschluss gebracht haben“, beteuert Saliha Chibani. Nach langen Gesprächen sei der Entschluss gefallen, das Café Kalimero nach nur einem Jahr zu verkaufen. Notbremse. Saliha Chibani ist Mutter von drei Kindern und hat festgestellt, dass sie ihre „Große“ jetzt auf der weiterführenden Schule mehr an die Hand nehmen müsse. Und die zweieinhalb Stunden Mittagspause, die sie ihrem Café verordnet hat, damit sie Kindergarten- und Grundschulzeiten für die Jüngeren einhalten kann, seien so einem Geschäft nicht zuträglich. Ebenso wenig wie zwei Ruhetage. „Hier muss jemand rein, der die Öffnungszeiten erweitert statt verkürzt“, findet die Kamp-Lintforterin. Ein Mittagstisch könnte in dieser Ecke auch nicht schaden. „Suppen kämen bestimmt gut an“, ist die Noch-Inhaberin überzeugt.

Das Kalimero ist kein Café wie jedes andere, sondern spricht Eltern mit kleinen Kindern an. Das Konzept habe die Kamp-Lintforter, aber auch Mütter und Väter aus den Nachbarstädten überzeugt, sagt Saliha

Chibani. Ein Treffpunkt, wo die Kleinen und Kleinsten gern gesehen sind, wo es Spielzeug gibt und selbstgemachte Speisen und Kuchen, für die Großen einen Minztee oder einen leckeren Kaffee. Diverse Aktionen wie Kinder-Disco, Pizzabacken, oder auch Info-Abende zum Thema Mobbing haben das familiengerechte Angebot komplettiert. In den sozialen Netzwerken wird der Plan, das Kalimero abzugeben, mit großem Bedauern kommentiert.

Den Laden hat die 38-Jährige allein gestemmt. Sie sei auch körperlich damit an ihre Grenzen gestoßen. Jemanden zur Unterstützung einzustellen, war keine Option. „Das wäre finanziell nur auf Abruf gegangen, nicht mit einer vollen Stelle. Aber solche Verträge will ich nicht anbieten“, erklärt die Chefin. „Außerdem ging es mir um einen klaren Abschluss. Ich wäre ja immer noch nicht frei im Kopf.“ Ein Nachfolger könne besser alles rausholen, was sie noch an Potenzial in diesem Café sehe: „Dinge, die wir noch nicht anpacken konnten, etwa den Mittagstisch.“

Das Kalimero trägt sich

Das Café an sich trage sich, auch wenn sich – bei den derzeit abgespeckten Öffnungszeiten – keine Reichtümer erwirtschaften ließen und der Sommer sehr ruhig war. „Wir sind nicht auf dem Weg pleite zu gehen“, betont die Kalimero-Inhaberin. Und sie findet, es wäre schade, wenn es dieses besondere Café als Eltern-Kind-Treffpunkt in Kamp-Lintfort nicht mehr gäbe. Deshalb möchte sie nicht einfach schließen, sondern es in „gute Hände“ geben. Und zwar je eher, je besser.

Es wird ein schwerer Schritt für sie werden, räumt Saliha Chibani ein. „In der ersten Zeit werde ich auch bestimmt einen großen Bogen drum machen müssen. Dazu hänge ich zu sehr an dem Café.“ Aber dann werde sie bestimmt häufiger zu Gast sein. Schließlich gehört sie mit ihren Kindern ja auch zur Zielgruppe.

>>> Schon Termine fürs nächste Jahr
Auf eBay-Kleinanzeigen
bietet Saliha Chibani das Kalimero als „Notverkauf“ an. Kostenpunkt: 20.000 Euro. „Den Übernahmepreis haben wir bewusst sehr niedrig gewählt, da wir aus privaten Umständen zeitnah verkaufen möchten“, heißt es dort. Es gehe nur darum, die Investitionen für die angeschafften hochwertigen Geräte halbwegs herauszubekommen, erklärt Saliha Chibani. Schließlich seien die gerade mal ein Jahr alt.

Kindergeburtstage wurden und werden im Kalimero gern gefeiert. Es gebe auch schon fest gebuchte Termine für das kommende Jahr, wenn sich denn jemand findet, der dem Kalimero wieder neues Leben einhaucht.

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