Woche der Behinderung

Kamp-Lintfort: Menschen mit Handicap eine Chance geben

| Lesedauer: 2 Minuten
Florian Neumann, Fabian Brega, Stefan Schapfeld, Martina Tück, Jochen Brandt und Julia Dietschi.

Florian Neumann, Fabian Brega, Stefan Schapfeld, Martina Tück, Jochen Brandt und Julia Dietschi.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Gärtner Jochen Brandt beschäftigt in seinem Team drei Menschen mit Handicap. Er wirbt dafür, dass mehr Arbeitgeber seinem Beispiel folgen.

Julia Dietschi hat ihren Platz in der Arbeitswelt gefunden: Seit Juli arbeitet die gelernte Gärtnerin für die „Floristik und Friedhofsgärtnerei Brandt“ in Kamp-Lintfort. Dass sie zuvor viele Jahre arbeitslos war, liegt an ihrem Handicap: Die 40-Jährige ist gehörlos. Auf Vermittlung der Agentur für Arbeit Wesel bewarb sie sich im Sommer in der Kamp-Lintforter Gärtnerei und ist seitdem Teil des 14-köpfigen Teams von Chef Jochen Brandt. „Ich bin glücklich“, sagt die Kamp-Lintforterin in Gebärdensprache, eine Dolmetscherin übersetzt.

Eine Gebärdendolmetscherin hat Julia Dietschi im Arbeitsalltag nicht an der Seite – „aber es geht auch gut ohne“, sagt Jochen Brandt. Ein paar Gebärden haben er und sein Team bereits gelernt, dazu kann Julia Dietschi gut von den Lippen lesen, wenn ihre Gesprächspartner langsam und betont reden. „Und wenn es ans Eingemachte geht, liegen da immer Zettel und Stift“, sagt Brandt.

Zahlen haben sich leicht gebessert

Dietschi ist mittlerweile die dritte im Team mit einem Handicap. Dass viele Arbeitgeber lieber die Ausgleichsabgabe zahlen, als Menschen mit Behinderung einzustellen, kann Brandt nicht verstehen. Auch, mit Blick auf den Fachkräftemangel. Zwar haben sich im Kreis Wesel die Zahlen leicht gebessert, dennoch würde Arbeitsvermittlerin Martina Tück, bei der Agentur für Arbeit in Wesel Ansprechpartnerin für diesen Bereich, gerne mehr Arbeitgeber überzeugen: „Es gibt viele verschiedene Fördermöglichkeiten, sowohl finanzielle, als manchmal auch technische Hilfen“, sagt Tück. Für sie ist Jochen Brandt mit seinem Gärtnerteam ein gutes Beispiel, wie es funktionieren kann. Und das hebt sie zum Start der „Woche der Menschen mit Behinderung“ im Kreis Wesel gerne hervor.

Auch Jochen Brandt kennt die Vorurteile mancher Arbeitgeber, zum Beispiel, dass Menschen mit Handicap einmal eingestellt nur schwer kündbar sind. „Das kann man schon, wenn es einfach nicht passt. Man muss nur ein paar Dinge beachten.“ Arbeitgeber sollten keine Angst haben: „Man kann die Menschen auch an ihre Aufgaben heranführen.“ Er lobt außerdem die Betreuung und die Hilfe durch die Agentur für Arbeit.

Zur Zeit kümmert sich Julia Dietschi in der Gärtnerei am Dachsberg um Warenaufbereitung, Blumenanschnitt, Schleifendruck und Dekoration. Demnächst soll die gelernte Gärtnerin auch im Floristik-Bereich arbeiten und zum Beispiel Sträuße binden. Für Brandt ist sie wie die beiden anderen Mitarbeiter mit Handicap eine Bereicherung: „Das Team wächst an neuen Menschen.“

Kontakt für Arbeitgeber: Martina Tück, 0281/9620-357.

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