Landesgartenschau

Kamp-Lintfort: „Landesgartenschau hat die Stadt verändert“

Andreas Iland: „Die Entscheidung war goldrichtig.“

Andreas Iland: „Die Entscheidung war goldrichtig.“

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Am Sonntag geht die Landesgartenschau in Kamp-Lintfort zu Ende. Andreas Iland, ab Januar oberster Wirtschaftsförderer der Stadt, zieht Bilanz.

Der Countdown läuft: Am Sonntag geht das Großereignis Landesgartenschau 2020 in Kamp-Lintfort zu Ende. Andreas Iland, Landesgartenschau-GmbH-Prokurist und ab 1. Januar 2021 designierter neuer oberster Wirtschaftsförderer der Stadt, zieht im Interview Bilanz.

Noch vier Tage, dann schließt die Laga ihre Pforten. Sechs Jahre haben Sie für und auf dieses Ereignis hingearbeitet. Was werden Sie am meisten vermissen?

Iland (lacht): Ich glaube, dass ich so viel draußen an der frischen Luft sein durfte, den Tag und das Gastgebersein genießen konnte.

Und was wird Ihnen überhaupt nicht fehlen?

Da muss ich jetzt aber wirklich überlegen. Natürlich gab es immer mal wieder Ärgernisse zwischendurch. Aber das waren dann Herausforderungen, denen wir uns gestellt haben. Gerade in der Planungsphase gab es manchmal Momente, die uns zurückgeworfen haben, wo etwas länger gedauert hat, als eigentlich geplant.

Corona hat für einen turbulenten Auftakt der Laga gesorgt. Warum war aus Ihrer Sicht die Entscheidung richtig, die Laga trotz aller Einschränkungen durchzuführen?

Die Entscheidung war goldrichtig. Wir haben seinerzeit mit den Vertretern von Umweltministerium, Gesundheitsministerium und aus dem Städtebau lange Diskussionen geführt, immer wieder Vor- und Nachteile abgewogen und dann letzten Endes ein ausgefeiltes Hygienekonzept präsentiert, das sich bewährt hat. Wir haben gezeigt, dass man auf der Landesgartenschau auch in Corona-Zeiten einen unbeschwerten Tag erleben kann.

Was wäre die Alternative gewesen? Nächstes Jahr werden die Voraussetzungen voraussichtlich erst mal schwierig bleiben. Und wir hätten enorme Kosten gehabt, den Park so zu pflegen, dass es ein Jahr gehalten hätte. Das ist ja gerade im Ausstellerbereich auch von vorneherein so angelegt, dass die Beiträge nur für ein halbes oder ein dreiviertel Jahr halten müssen. Wir sind zufrieden, dass wir trotz Corona so eine hohe Besucherzahl erreicht haben.

Obwohl es nicht die angestrebten 560.000 waren ...

Ja, es sind jetzt keine 560.000, aber wir werden am Ende wohl irgendwo um die 450.000 landen. Dabei muss man berücksichtigen, dass etwa ein Drittel der Besucher normalerweise dem Gruppenreisengeschäft zuzuordnen gewesen wären. Es gab einzelne Tage, wo wir mal sechs Busse auf dem Gelände hatten – 30 Busstellplätze hatten wir gebaut….. Hätten wir diese Klientel erreicht, wären wir weit über den anvisierten 560.000 Besuchern gewesen.

Wir haben ja auch keine Großveranstaltungen gehabt, wie einen Tag der Schützen oder einen Tag der Landfrauen, wo auf einen Schlag 2000 Leute gekommen wären. Von daher haben wir eine sehr hohe Zahl erreicht – fast ausschließlich durch Individualanreisende.

Die Laga wird mit einem Defizit abschließen, wie hoch das sein wird, ist noch nicht bekannt. Wie sehr werden die Kamp-Lintforter den finanziellen Verlust als Bürger ihrer Stadt zu spüren bekommen?

Die Laga war sowieso mit einem Defizit im Durchführungshaushalt kalkuliert. Von daher denke ich, wird der Einzelne es wenig spüren. Es ging nicht darum, mit der Laga Geld zu verdienen. Die Laga wurde für die Stadtentwicklung gemacht. Wir haben so vermieden, über Jahre eine Brache mitten in der Stadt zu haben und jetzt einen tollen neuen Stadtpark.

Die Stadt hätte sich so oder so um die Entwicklung dieser Fläche kümmern müssen. Wir haben es mit der Landesgartenschau gemacht und dabei auch erreicht, dass das Image von Kamp-Lintfort gestärkt wurde.

Ab Montag wird das Gelände zurückgebaut. Was passiert eigentlich mit den vielen Kilometern Rollrasen, den Bäumen und Büschen?

Ab sechs Uhr geht es direkt los, dann rücken die Aussteller an und bauen die Dinge ab, die sie der Laga geliehen haben. Einzelne Bereiche, wie etwa die Blumenhalle oder die Gastronomieeinrichtungen, werden zurückgebaut, ebenso wie die Gärten. Wir gehen davon aus, dass wir den Park Mitte November für Besucher wieder öffnen können.

Können die letzten Besucher noch Schnäppchen machen?

Die Leute können gerne die Aussteller direkt anfragen. Bei jedem Garten steht ja, wem er gehört. Da kann man anfragen, es wird sicherlich den ein oder anderen geben, der da was zurücklässt.

Wann ist Ihre Aufgabe in der Laga 2020 GmbH beendet?

Das kann ich jetzt noch gar nicht so genau sagen. Die GmbH wird noch im nächsten Jahr existieren, es muss alles abgewickelt werden. Aber das wird sicher nicht mehr komplette Arbeitstage beanspruchen.

Und was machen Sie dann?

Wirtschaftsförderung. Ich werde ab 1. Januar bei der Stadt Kamp-Lintfort als Leiter das Amt für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing übernehmen.

Hat die Laga die Stadt und ihre Bürger verändert?

Ja. Ich habe viele Kamp-Lintforterinnen und Kamp-Lintforter getroffen, die Freunde von außerhalb eingeladen hatten. Die waren unheimlich stolz darauf, was wir hier erreicht haben. Es gibt eine unheimlich positive Grundstimmung und das hat sich ja auch durch diese sechs Jahre von der Bewerbung an gezogen. Klar gab es auch Kritik – aber mir begegnen vor allem Leute, die sagen: Es ist schon etwas besonderes, was Kamp-Lintfort in den letzten Jahren geschaffen hat.

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