Kabarett

Kabarett mit Christoph Sieber kommt in Kamp-Lintfort gut an

Christoph Sieber begeisterte das Publikum in der Aula der Kamp-Lintforter Europaschule.

Christoph Sieber begeisterte das Publikum in der Aula der Kamp-Lintforter Europaschule.

Foto: Norbert Prümen

Kamp-Lintfort.   Christoph Sieber gastierte mit „Mensch bleiben“ in der ausverkauften Europaschule. Der Kabarettist zeigte alles – von Ernst bis Ekstase.

Genial verschachtelte Wortspiele, schwarzer Humor und ein ordentlicher Schuss Hemmungslosigkeit – all das gehört zum neuen Programm „Mensch bleiben“ von Kabarettist Christoph Sieber. Er trat am Freitababend in der ausverkauften Kamp-Lintforter Europaschule im Rahmen der städtischen Kleinkunst- und Kabarettreihe auf.

Beim Publikum kam sein Humor sehr gut an. Kein Witz blieb ohne Lacher und auch die ernsten Ansprachen sorgten für zustimmenden Applaus. Politik, Wirtschaft, soziale Ungleichheit und der Glaube – Sieber nahm auch das schwierigste Thema mit, ohne die Stimmung zu drücken. Politiker beispielsweise wollten Zukunft gestalten, doch das sei falsch. „Der Deutsche will mit der Gegenwart unzufrieden sein und wenn die Gegenwart schon scheiße ist, wozu braucht man dann noch eine Zukunft? Und deshalb wünschen sich inzwischen viele eine Vergangenheit zurück, weil man da noch eine Zukunft hatte.“

Ablenkung von der Mondlandung

Auch mit Verschwörungstheoretikern mag Sieber sich nicht anfreunden. „Im 21. Jahrhundert gibt es Leute, die sagen die Erde ist ’ne Scheibe und in der Mitte ist ein Loch und wir werden regiert von außerirdischen Echsen. Von jüdischen Echsen werden wir regiert, die den Holocaust rächen wollen, der nie stattgefunden hat.“ Diese Theorie gäbe es, um von der Mondlandung abzulenken, die nie stattgefunden hätte und im Filmstudio in Bielefeld nachgedreht worden sei, so Sieber. Und Bielefeld liege in der flachen Erde im Loch genau in der Mitte.

Völlig ernst meint Sieber hingegen, wie ungerecht der Wohlstand auf der Welt verteilt ist. „Die Welt ist gespalten in oben und unten. Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt so viel, wie der Rest zusammen.“ Als Beispiel nannte der Kabarettist den Chef, der im neuen Porsche vorfährt und von seinen Mitarbeitern dafür beglückwünscht wird. Der Chef würde sagen: „Liebe Angestellte, wenn Ihr hart arbeitet, auf Lohn und Urlaub verzichtet, dann fahr ich im nächsten Jahr noch ’n zweiten.“

Tanz mit einem Schwungband

Zum Totlachen war dann wieder der selbst geschriebene Disco-Schlager „Apokalypse“, zu dem Sieber eine ekstatische Choreografie darbot und sogar mit einem Schwungband tanzte.

Besucher Christian Rösner gefiel das Programm: „Es war sehr unterhaltsam. Flache Programme gibt es viele, aber er spinnt Gedanken weiter und das finde ich gut.“ Ilona Haje vom Kulturbüro hat den Abend organisiert: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Abend und mag Christoph auch sehr gerne. Er ist ein sehr netter Mensch.“ Wegen der Sanierung der Stadthalle musste die Kunst- und Kabarettreihe in die Europaschule verlegt werden. Deshalb gab es auch das sonst übliche Aboprogramm nicht. „Die Leute mussten sich erst daran gewöhnen, aber es hat sich bis zum letzten Abend heute gesteigert,“ so Haje.

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