Obdachlosigkeit

In Kamp-Lintfort gibt es Hilfe für wohnunglose Frauen

Anneke Ratering und Elke Stüning in einem nachempfundenen Beratungsgespräch.

Anneke Ratering und Elke Stüning in einem nachempfundenen Beratungsgespräch.

Foto: Arnulf Stoffel

Kamp-Lintfort.   Das Wohnprojekt „Wo&Zu?!“ der Diakonie und der Stadt wird erweitert. Zunächst galt es nur für junge Erwachsene, nun sollen Frauen profitieren.

Eine Frau hat zwei Kinder, trennt sich wegen häuslicher Gewalt von ihrem Mann, kann wegen der Kinder nicht arbeiten, gerät mit der Miete in Rückstand, verliert die Wohnung – und weiß jetzt nicht, wie es weitergehen soll. So schildert Anneke Ratering eine Beratung bei der Wohnungshilfe bei der Grafschafter Diakonie. Nun soll ein Notfallwohn-Konzept speziell für Frauen, das die Diakonie in Zusammenarbeit mit der Stadt umsetzt, gezielter helfen, den Frauen wieder ein Dach über dem Kopf zu geben.

Die Schicksale der Frauen, die Anneke Ratering berät, sind so verschieden wie die Frauen selbst: sie sind gerade volljährig und zu Hause rausgeflogen; sie sind alleinerziehend, berufstätig, finden keinen bezahlbaren Wohnraum; oder sie sind arbeitslos und eine weitere Lebenskrise führt zur Überforderung, die den Verlust des Wohnung nach sich zieht.

das Projekt war bislang erfolgreich

Die Gründe für die Wohnungslosigkeit von Frauen, denen die Diplom-Sozialarbeiterin seit Beginn ihrer Tätigkeit im Februar begegnete, sind sehr individuell. „Und meist mit einer großen Lebenskrise verbunden“, so Ratering.

Ganz neu ist das Wohnprojekt „Wo&Zu?!“ nicht: Seit 2014 unterstützt es wohnungslose junge Erwachsene. Rund 30 Wohnungslose konnten zwischen 2015 bis 2017 vor Obdachlosigkeit bewahrt werden. Kosten für die Stadt: rund 30 000 Euro.

Fast alle haben eine Wohnung gefunden

„Bis auf eine junge Frau, die ins Nirwana abtauchte, haben alle jungen Erwachsenen des Projektes wieder eine Wohnung gefunden“, erläutert Elke Stüning, Dienststellenleiterin der Diakonie. Den Erfolg des Projektes führt sie darauf zurück, dass auf individuelle Probleme eingegangen und gezielte Hilfestellung gegeben wurde.

Die jungen Wohnungslosen leben in einem WG-Zimmer einer angemieteten Wohnung, wo sie von den pädagogischen Fachkräften und Sozialarbeitern der Diakonie beraten und begleitet werden. Die Kosten der Unterkunft würden dabei meist von Jobcenter oder Sozialamt getragen, so ratering. Lediglich Beratungsleistungen und Vermittlungen der Diakonie-Mitarbeiter würden bei der Stadt zu Buche schlagen.

Rückzug nach Gewalterfahrung

Ähnlich soll nun das Notfallwohn-Konzept für Frauen funktionieren. Im Fokus stünden die speziellen Bedürfnisse wohnungsloser Frauen. „Denn das Umfeld einer Obdachlosenunterkunft, die überwiegend von Männern genutzt wird und in der auch überwiegend Männer arbeiten, ist unserer Erfahrung nach nicht für die Unterbringung von Frauen geeignet“, so Stüning.

Hintergrund sei auch, dass seit 2016 ein Haus als neues Obdach von der Stadt angemietet wurde, in dem es nur Zweibettzimmer und gemeinsame Sanitäranlagen und Küche für Männer und Frauen gebe. „Frauen, gerade mit Gewalterfahrungen, fühlen sich hier nicht sicher, haben Angst vor Übergriffen und brauchen eine Ruckzugsmöglichkeit, so dass sie immer eine andere Unterbringung – auch im privaten Umfeld – vor diesem Obdach vorziehen“, erklärt Ratering.

Weitere Wohnung gemietet

Sieben Beratungsgespräche mit wohnungslosen Frauen habe sie allein in den vergangenen zwei Monaten geführt. Insgesamt sei die Zahl der obdachloser Frauen in den vergangenen Jahren nicht gestiegen, „aber das lässt sich gerade bei Frauen auch viel schwerer messen, da sie viel eher auf private Notlösungen im familiären Umfeld oder Bekanntenkreis zurückgreifen in solchen Situationen als Männer und ihre Wohnungslosigkeit eben versteckter ist“, erklärt Elke Stüning.

Im Rahmen der Projekterweiterung von „Wo&Zu?!“, zu der nun ein weiterer Vertrag mit der Stadt geschlossen wird, werde eine Wohnung mit drei einzelnen Notschlafplätzen für die Frauen angemietet. Die Kosten für die Stadt sollen sich pro Jahr rund 5000 Euro belaufen.

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