Gesundheit

Im Kreis Wesel wächst die Gefahr durch Windpocken

Windpocken-Impfung

Windpocken-Impfung

Foto: Ole Spata / dpa

Moers/Kreis Wesel.   Landesweit geht die Zahl der Erkrankungen zurück, im Kreis Wesel legt sie rasant zu. Das Gesundheitsamt nennt keine Gründe für den Anstieg.

Die Zahl der Windpockenerkrankungen ist im Kreis Wesel gestiegen. Das teilt die Krankenkasse IKK mit. Während in NRW ein Rückgang von 13,7 Prozent zu verzeichnen sei, nehme die Zahl der Windpockenfälle im Kreis verglichen mit dem Vorjahr in 2018 sogar um 51 Prozent zu. Waren es 2016 noch 48 gemeldete Fälle, verzeichnete man 2017 schon 92 und 2018 sogar 139 Fälle, so die Zahlen des Gesundheitsamtes Kreis Wesel.

Windpocken bei Erwachsenen bergen gefährliche Komplikationen

Kinderarzt Dr. Thomas Geerkens erklärt: „Windpocken sind meldepflichtig. Und das Robert-Koch-Institut, die zuständige Impfbehörde, empfiehlt auch ganz klar eine Impfung gegen eine Varizellen-Infektion bei Kindern.“ Die Hauptimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken seien durchaus sinnvoll. „Dies auch, weil Windpocken im Erwachsenenalter eine ernstzunehmende Krankheit mit gefährlichen Komplikationen bedeuten können.“ Ungeimpfte Kinder machten die Windpocken oftmals ohne größere Komplikationen durch. Symptome seien Fieber und juckende Hautausschläge. „Nach kurzer Zeit sind die Windpocken bei Kindern zumeist, aber eben nicht immer, wieder weg.“

Varizellen verbreiten sich durch ihre hohe Infektiosität tatsächlich mit dem Wind, also schon mit der Atemluft. Gefährlich seien Windpocken auch bei schwangeren, nicht geimpften Frauen in den Tagen rund um den Geburtstermin nicht nur für die Frau, sondern auch für das Neugeborene, so Geerkens. „Dies kann zu Fehlbildungen unter anderem an Skelett und Gehirn des Kindes führen.“ Die Todesrate der Kinder könne in diesen Fällen bei bis zu 30 Prozent liegen.

In der eigenen Praxis gibt es keinen Anstieg der Windpockenfälle

Trotz der Zahlen im Kreis Wesel könne er, Dr. Geerkens, in seiner Praxis neben den üblichen drei bis vier Fällen im Jahr in seiner Praxis jedoch keinen Anstieg der Fallzahlen melden. Ähnliches meldet auch Dr. Gündüz Selcan, Leitender Oberarzt in der Kinderklinik Bethanien: „Bei uns ist war bisher kein Anstieg zu bemerken. Allerdings haben wir hier in der Klinik auch weniger mit Windpockenfällen zu tun.“

Das Robert-Koch-Institut in Berlin warnt ebenfalls, Kinder nicht impfen zu lassen. Das bedeute im Erwachsenenalter oftmals schlimme Verläufe nach einer Ansteckung. Jeder fünfte Erwachsene Windpockenkranke entwickele eine Lungenentzündung, die schwer und sogar tödlich verlaufen könne. Schwangere Frauen seien hierbei besonders gefährdet. Außerdem könnten Windpocken grundsätzlich Komplikationen wie Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen und Krampfleiden hervorrufen, ebenso wie Gehirnentzündung (Enzephalitis) und Hirnhautentzündung (Meningitis). In einzelnen Fällen komme es auch zu Herzmuskelentzündung (Myokarditis), Hornhautschäden in den Augen, Arthritis, Nierenentzündung oder Leberentzündung.

Gesundheitsamt im Kreis kann keine Gründe benennen

Gründe, warum gerade im Kreis Wesel die Fallzahlen gestiegen sind, wusste das Gesundheitsamt des Kreises nicht zu nennen.

Die Meldepflicht bestehe erst fünf Jahre, teilte das Amt mit. Gut zu wissen: Je mehr Bürger und Kinder geimpft sind, um so unwahrscheinlicher ist ein Ausbruch der Krankheit. Und: Wer als Kind die Krankheit überstanden hat, ist für den Rest des Lebens immun. Mehr Informationen auf www.rki.de.

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