Geschmeidige Geschichte

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Moers. Aus reiner Langeweile kann dieses Buch nicht entstanden sein. Schließlich hat Martina Rauen als Schulsekretärin an der Dorsterfeldschule, Mutter von drei Kindern und engagierte 2. Vorsitzende beim FSV Kapellen einen durchaus stramm strukturierten Tag. Es war ein Wettbewerb des Rowohlt-Verlags für einen historischen Roman, der die 50-jährige Kapellenerin zu ihrem Erstlingswerk „Die Seidenbaronin“ inspirierte.

Dass der tatsächlich erscheinen würde, damit hat sie zunächst mal nicht gerechnet: „Ich habe 50 Seiten und ein Exposé eingeschickt und mir keine Illusionen gemacht. Lange tat sich nichts. Dann meldete sich der Verlag und verlangte: Schicken sie das ganze Manuskript.“

Uuups. Der Roman war noch gar nicht fertig. Jetzt hieß es reinhauen in die Tasten. „Es hat ein knappes halbes Jahr gedauert und das war ziemlich heftig“, sagt Martina Rauen. Aber eine solche Chance konnte sie sich schließlich nicht entgehen lassen.

Die Idee zur Geschichte über die verarmte Paulina, die im „Crefeld“ des ausgehenden 18. Jahrhunderts aus einer Zweckheirat das beste macht, den Seidenhandel ihres Gatten erfolgreich schmeißt, aber ihre große Liebe nie vergessen kann, stand ja schon. Sie musste halt „nur“ noch in Worte gefasst werden.

Martina Rauen steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden und mitten im Leben. Ihr ist durchaus klar, dass sie damit nicht gerade einen neuen Goethe auf den Markt geworfen hat.

Locker und leicht erzählt

„Aber das wollte ich auch nicht. Es sollte ja leichte Lektüre und Unterhaltung sein.“ Und das ist ihr absolut gelungen. Die herzergreifende Liebesgeschichte, die die Autorin als große Klammer nutzt, die Höhen und Tiefen im Leben der adeligen Paulina, die leichte Sprache – die „Seidenbaronin“ ist eher etwas für Leserinnen – ja, in der Tat ist es typische Frauenlektüre – von Büchern wie „Die Wanderhure“ als solcher wie „Der Mann ohne Eigenschaften“.

Entstanden ist der 500-Seiten-Schmöker zum flott Weglesen meistens in den frühen Morgenstunden am Wochenende, „wenn hier im Haus noch Ruhe herrscht“. Manchmal auch in lauen Sommernächten auf der Terasse.

Geschrieben hat Martina Rauen immer schon und gerne. Sie kommt mit einem ziemlich zerfledderten Heftchen im Pixie-Format um die Ecke: „Das ist mein allererstes Buch.“ Es heißt „Edith und das Hündchen mit dem Schlitten", und mit Klein-Mädchen-Schnörkelschrift vollgeschrieben. Die Geschichte muss gut gewesen sein, denn die jüngere Schwester ließ sich in einem Urlaub drei Wochen lang täglich daraus vorlesen.

Wie gut sich ihr Debutroman, der seit Juli auf dem Markt ist, verkauft? „Keine Ahnung.“ Aber allein zu sehen, dass es in Krefeld besonders präsentiert wurde oder es überhaupt gedruckt in den Händen zu halten, hat Martina Rauen ziemlich stolz gemacht: „Das war mein Geschenk zum 50.“ Und ja, natürlich liest sie schon mal die Rezensionen auf amazon.de: „Und die sind durchweg positiv“, erklärt sie nicht ohne Stolz. „Obwohl es ja nicht jedem gefallen kann, deshalb könnte ich mit kritischen Anmerkungen auch leben.“

Ein zweites Buch hat die Autorin schon in Arbeit, „aber es soll so werden, dass man das erste nicht unbedingt gelesen haben muss, um es zu verstehen.“

Darin wird die Tochter von Paulina Heldin sein, diesmal eine eher tragische.

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