Corona

Ein Geschäft in Moers provoziert mit Anti-Masken-Plakat

Dieser Aufsteller vor einem Geschäft an der Homberger Straße in Moers ist der Stein des Anstoßes.

Dieser Aufsteller vor einem Geschäft an der Homberger Straße in Moers ist der Stein des Anstoßes.

Foto: Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Moers.  Auf dem Aufsteller vor einem Geschäft in Moers heißt ein Superheld auch Kunden ohne Maske willkommen. Die Stadt kündigt regelmäßige Kontrollen an.

Seit Monaten gehört der Mund-Nasen-Schutz zum Alltag. Wer ein Geschäft betritt oder auf dem Wochenmarkt einkauft, zieht wie selbstverständlich die Maske über die Ohren und vors Gesicht, um sich selbst und andere vor dem Coronavirus zu schützen. Um so provozierender wirkt auf viele ein Plakat, mit dem ein Geschäftsmann in der Moerser Innenstadt für seinen Laden wirbt und Kunden ohne Maske willkommen heißt.

Konkret geht es um den Aufsteller vor dem Münzgeschäft „Best Coin Investments“ an der Homberger Straße nahe des Kö. Ein Comic-Superheld zwinkert darauf den Passanten zu, streckt den Daumen hoch, an seinem kleinen Finger baumelt lässig eine Maske. Darüber steht in Großbuchstaben „Hier sind auch Menschen ohne Maske willkommen!“ Weiter heißt es: „Wir respektieren es, wenn Kunden aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen keine Maske tragen.“

Dass Kunden bedient werden, die ärztlich attestiert von der Maskenpflicht befreit sind, ist unstrittig. Aber „sonstige Gründe“? Unsere Leserin Marie-Luise Kufen ärgert sich: Menschen werde zugesichert, dass sie einkaufen dürfen, ohne dass medizinische Gründe vorliegen, sagt sie und kritisiert die Bildsprache: Ihrer kleinen Tochter habe „Superman“ gefallen: „Der braucht keine Maske“, habe sie gesagt. Eltern hätten es schwer genug, den Kindern die Einschränkungen zu vermitteln, so Marie-Luise Kufen: „Da ist sowas echt nicht hilfreich.“

Moerser Geschäftsinhaber verteidigt sich gegen Kritik

Geschäftsinhaber Guido Makowski zeigt freilich kein Verständnis für solche Kritik, sieht in dem Plakat auch kein schädliches Statement gegen das schützende und den meisten Menschen offenbar zumutbar erscheinende Tragen von Masken.

Makowski, der auf seiner Facebook-Seite die Corona-Politik immer wieder kritisiert und dort für die „Querdenker“-Demo in Moers wirbt, dreht den Spieß um: Er ist nach einer schweren Lungenerkrankung vor Jahren – ärztlich attestiert – von der Maskenpflicht befreit, werde aber „unglaublich aggressiv und unverschämt angefeindet“, sobald er einen Laden ohne Mund-Nasen-Schutz betrete, klagt er.

Da er mit Gold und Silber handle, habe er zur Sicherheit Kameras in seinem Geschäft installiert: „Die müssen die Gesichter erfassen können. Deshalb sollen die Kunden ihre Masken kurz ablegen. Danach bitte ich sie, sie wieder aufzusetzen.“ Aber braucht es dann überhaupt ein möglicherweise provozierendes Plakat? Er wisse, dass er polarisiere, sagt Guido Makowski: „Und ich will es auch.“ Sein Vorgehen sieht er zudem durch die Coronaschutzverordnung gedeckt.

Die Stadt hat bereits das Ordnungsamt vorbeigeschickt. Sie sieht in dem Plakat zwar keine ausdrückliche Aufforderung, auf eine Maske in dem Geschäft zu verzichten, aber: Es entstehe durchaus der Eindruck, als könnten Kunden dort diese Pflicht umgehen und müssten das Bedecken von Mund und Nase nicht so ernst nehmen, erklärt der Pressesprecher der Stadt Moers, Klaus Janczyk. Wenn Besucher wegen der Kameras kurz die Maske ablegen, sei das in Ordnung, „aber dafür reichen ein paar Sekunden. Es gibt keine Gründe außer medizinischen, das anschließende Verkaufsgespräch ohne Maske zu führen.“

Der Geschäftsinhaber müsse – das sieht der Handelsverband genauso – die Schutzverordnung umsetzen. Ob er sich daran halte, werde das Ordnungsamt nun regelmäßig kontrollieren. Stellt die Stadt einen aktiven Verstoß fest, muss der Kunde 50 Euro Bußgeld zahlen, der Gewerbetreibende wird zwischen 500 und 1000 Euro los, so Janczyk. Einen vergleichbaren Vorgang habe es in Moers bislang nicht gegeben.

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