Corona-Pandemie

Moers und Umgebung: Gastronomen äußern sich zur Schließung

Schon in den vergangenen Wochen verzeichneten Restaurants und Kneipen – wie hier in Moers – weniger Gäste.

Schon in den vergangenen Wochen verzeichneten Restaurants und Kneipen – wie hier in Moers – weniger Gäste.

Foto: Foto: Oleksandr Voskresenskyi / FUNKE Foto Services

Am Niederrhein.  Gastronomie in Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn blickt mit Bangen auf die Schließung wegen Corona - und mit wachsendem Unverständnis.

Die Gastronomen am Niederrhein blicken mit Bangen auf die kommenden Wochen. Eine erneute Schließung ihrer Betriebe wegen der Corona-Pandemie bedeutet für sie alles andere als einen „Lockdown light“. Viele werden das nicht durchhalten, fürchten sie. Doch nachdem, was am Mittwoch vom Gipfel der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten durchsickerte, werden Restaurants und Kneipen ab Montag bis Ende November wohl schließen müssen.

Bei Tim Lellau beispielsweise lief am Mittwoch das Fernsehgerät im Dauerbetrieb, um bloß nicht die aktuellen Corona-Nachrichten zu verpassen. Gleichzeitig rüstete sich der Inhaber des Restaurants Little John’s in Neukirchen-Vluyn für einen zweiten Lockdown: „Wir werden wieder auf Lieferservice umstellen“, sagt Lellau. Er hat bereits Verpackungen organisiert, in denen er die Speisen zu den Gästen bringen kann, und bastelt an einer Karte. Einfache Gerichte werden darauf zu finden sein aber auch die gehobene Küche: „Das erwarten die Kunden von uns.“ Freilich werde der Lieferservice die Verluste aus dem Restaurant-Geschäft nicht wettmachen.

Wirt aus Moers: „Hier hat sich niemand angesteckt“

Nach der Wiedereröffnung im Mai lief es im Little John’s gar nicht mal schlecht. Lellau durfte von seinen 45 Plätzen zwar nur 30 verkaufen, aber die waren meist besetzt. Schwieriger sei es nach der Verschärfung der Corona-Schutzverordnung in der vergangen Woche mit Gesellschaften geworden: „Alle 13 gebuchten Veranstaltungen sind in den letzten Tagen schon abgesagt worden“, berichtet der Gastronom.

Wie Tim Lellau so weisen auch Kollegen darauf hin, dass ihre Branche bewiesen habe, Hygienekonzepte durchsetzen zu können. „Wir haben rund 70.000 Gäste bewirtet“, erklärt Stipe Madzar, Chef des Grafschafter Wirtshauses in Moers. „Trotzdem musste sich das Gesundheitsamt nicht bei uns melden. Hier hat sich niemand angesteckt.“ Auch Melinda Rogall, die vier Mc Donald’s-Restaurants in Moers und Umgebung betreibt, hat keine Meldung vom Gesundheitsamt erhalten. Tatsächlich bestätigt der Kreis: „Die Gastronomie im Kreis Wesel spielt keine Rolle beim Infektionsgeschehen“, so eine Sprecherin auf NRZ-Anfrage.

Schließung wegen Corona: Enttäuschung auch beim Moerser Schlosstheater

Melinda Rogall, die nun die 160 Mitarbeiter ihrer Burger-Restaurants wieder in die Kurzarbeit schicken muss, bezeichnet die erneute Schließung rundheraus als „Katastrophe“. Stipe Madzar nennt die Situation „deprimierend“. Den zweiten Lockdown werden einige nicht überleben, zeigt er sich sicher.

Eine Vermutung, die Elmar Welling (Zur Linde in Moers, Parkhotel Kamp-Lintfort) untermauert. Der Gastronom weiß von fünf Kollegen, dass sie ihre Betriebe am Jahresende aufgeben wollen: „Die Mietverträge laufen aus, und unter den gegenwärtigen Bedingungen wollen sie nicht weitermachen.“

Enttäuschung auch beim Moerser Schlosstheater. „Wir haben aufgrund der Nachrichten der letzten Tage schon überlegt, an welchen Spielorten wir weiter machen können und wo nicht“, sagt Dramaturgin Viola Köster. „Aber bei einer Komplettschließung sitzen wir in der Falle.“ Am Donnerstagmorgen will das Theater beraten, wie es weitergeht.

>>> Kreis Wesel bittet Bundeswehr um Hilfe<<<

Am Mittwoch hat der Krisenstab einen Unterstützungsantrag gestellt, teilt der Kreis Wesel mit. Konkret geht es dabei um Hilfe bei den Abstrichstellen des Kreises. Der Krisenstab fordert drei Abstrich-Teams der Bundeswehr an, die jeweils aus drei Personen bestehen: Sanitäter/in, Kraftfahrer/in und Protokollant/in.

Die Teams der Bundeswehr sind für die kommende Woche angefordert und sollen zunächst bis Ende des Jahres eingesetzt werden. Im Vorfeld des Antrags hatte der Krisenstab bereits drei Abstrich-Teams der Bundeswehr reserviert. Diese werden jetzt abgerufen.

Über den Antrag werde beim Kommando für Territoriale Aufgaben der Bundeswehr in Berlin entschieden.

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