Körperverletzung

Flaschenwurf am Bahnhof Kamen: Anklage gegen Moerser (32)

Flaschenwurf aus Zug in Kamen: Anklage gegen Moerser erhoben

Allerheiligen wurde eine Flasche aus einem fahrenden Zug am Bahnhof Kamen geschmissen und verletzte eine Zweijährige lebensgefährlich.

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Kamen/Moers/Dortmund.  Reste von einer aus dem Zug geschmissenen Whiskyflasche verletzten eine Zweijährige lebensgefährlich. Der Werfer ist nun angeklagt.

Zwei Monate nach einem Aufsehen erregenden Vorfall am Bahnhof Kamen hat die Staatsanwaltschaft Dortmund einen inzwischen 32-Jährigen aus Moers angeklagt. Dem Mann wird fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Laut Anklage hatte er an Allerheiligen des vergangenen Jahres ohne zu gucken eine Flasche aus einem fahrenden Zug geworfen. Teile davon trafen eine Zweijährige am Kopf. Das Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt.

Mit seinem Kegelclub sollte es laut Anklage für den Moerser an diesem Tag im Partyzug zur Tour nach Norderney gehen. Im Bahnhof Kamen war gegen 10.45 Uhr kein Halt vorgesehen. Der Zug hätte dort durchfahren sollen. Dass die Bahn bereits in Höhe des Bahnhofs war, könnte dem Mann zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst gewesen sein. Er gab später an, er hätte die Flasche auf freier Strecke neben die Gleise werfen wollen. Tatsächlich aber prallte der Gegenstand am Bahnhof laut Anklage erst gegen einen Betonpfeiler und zersprang teilweise. Der Vater des Mädchens war mit der Zweijährigen auf dem Arm da gerade im Begriff, über den Treppenaufgang zum Gleis 2 zu gehen, als es zu dem Unglück kam. Das Kind erlitt durch die Flaschenreste ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Bruch und einen Gehirnerschütterung. Die Zweijährige musste notoperiert werden, soll aber wohl keine bleibenden Schäden davongetragen haben.

Großaufgebot der Bundespolizei kontrolliert 500 Fahrgäste im Partyzug

Von wem die Flasche stammte, war trotz eines enormen Ermittlungsaufwands der Polizei erst zwei Tage später klar: Auf der Weiterfahrt nach Norderney gab es zwar entsprechende Durchsagen über den Vorfall im Zug. Allerdings war zunächst offenbar noch von einer Wodka- statt von einer Whiskyflasche die Rede. „Er hatte wohl zunächst die Hoffnung, dass er es nicht war“, sagt der Dortmunder Staatsanwalt Henner Kruse. Der Moerser gab sich auch nicht zu erkennen, als ein Großaufgebot der Bundespolizei noch auf dem Hinweg im Bahnhof Greven den Zug stoppte und alle rund 500 Fahrgäste kontrollierte. Erst nach der Rückfahrt von Norderney stellte sich der Mann dann bei der Polizei, Zeugen hatten ihn belastet.

In seiner ersten Vernehmung hatte der Moerser noch von einem Versehen gesprochen, einen Tag später räumte er die Vorwürfe dann ein. Der Wurf sei allerdings nicht gezielt gewesen - und wohl auch unter dem Einfluss von Alkohol. Wieviel der Mann getrunken hatte, ließ sich zwei Tage später allerdings nicht mehr feststellen. Unwahrscheinlich ist, dass der 32-Jährige für den Wurf ins Gefängnis muss: Zwar droht bei einer Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. Angeklagt ist der 32-Jährige, der nicht vorbestraft ist, vor einem Einzelrichter. Der verhängt in der Regel maximal zwei Jahre Freiheitsstrafe und könnte diese auch zur Bewährung aussetzen. Einen Termin vor dem Amtsgericht gibt es noch nicht.

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