Schule

Der Trend ist eindeutig: Die Gymnasien wollen zurück zu G9

Streiche G8, setze G9.

Foto: Armin Weigel

Streiche G8, setze G9. Foto: Armin Weigel

Moers/Kamp-Lintfort/Neukirchen-Vluyn.   An allen Gymnasien lautet die Devise: zurück zu G9. Elternschaft und Kollegien sind sich darin einig. Nur in einer Stadt ist man noch skeptisch.

Die Schulleiter der hiesigen Gymnasien hatten am Dienstag einen Termin in der Landeshauptstadt. Auf dem „Stundenplan“ stand die zentrale Veranstaltung des Schulministeriums für die Gymnasien im Regierungsbezirk Düsseldorf, das Thema lautete: zurück zu G9. Die NRZ fragte bei den Gymnasien nach, wie die Pläne der neuen schwarz-gelben Landesregierung dort ankommen. Um es in einer Schulnote auszudrücken: sehr gut.

Arndt van Huet, Leiter des Moerser Gymnasiums in den Filder Benden, steht mit seinem Kollegium voll und ganz hinter G9. Beim Infoabend für Eltern der Grundschulkinder formulierte er es so: „G9, wir freuen uns!“ Dies sei der Tenor, der in den Schulkonferenzen vorbesprochen wurde und von allen Beteiligten, Lehrern wie Eltern, begrüßt werde, so der Schuldirektor.

Kinder fördern, das braucht Zeit

Den Grund zu dieser Freude beschreibt van Huet so: „Wir wollen die Kinder in allen Bereichen und all ihren Begabungen fördern und fordern – und dazu braucht man Zeit.“ Die Belastungen für die Schülerinnen und Schüler würden durch G9 im Nachmittagsbereich vermindert, so der Schulleiter weiter. „Es ist eine Frage der Schulkultur und des Aufwachsens.“ Die neue Freiheit im Nachmittagsbereich gebe den Schülern die Möglichkeit, allen möglichen Interessen nachzugehen.

Aber bedeutet die Umstellung von G8 auf G9 nicht wieder mehr Arbeit, die auf die Gymnasien zukommt? Dazu meint Arndt van Huet: „Veränderungen bringen immer Anpassungsschwierigkeiten mit sich.“ Es sei aber doch so, dass man eine freudig begrüßte Veränderung selten als Belastung empfinde, und: „Wir erwarten diesen Prozess mit Freude.“ Im Übrigen sei es noch zu früh, sich über eventuelle Veränderungen der Lehrpläne oder der Schulbücher Gedanken zu machen. Nur eines hält er nach der Veranstaltung in Düsseldorf für sicher: G9 kommt. Seine Einschätzung: „Die Verabschiedung des Gesetzes scheint nur noch eine Formsache zu sein.“

Eindeutig ein Trend erkennbar

So konkret äußern sich die Schulleiter der anderen Gymnasien zwar nicht, jedoch sprechen auch sie von einem klaren Trend hin zu G9.

Hans van Stephoudt, Leiter des Moerser Gymnasiums Adolfinum, gibt zwar zu bedenken, dass die Schulkonferenz erst im nächsten Jahr entscheiden werde, sieht aber dennoch den Trend zu G9. Auch am Grafschafter Gymnasium in Moers sieht man eine Tendenz in diese Richtung, ebenso – nach Gesprächen mit Lehrern und Eltern – am Gymnasium Rheinkamp. Am Georg-Forster-Gymnasium in Kamp-Lintfort ist das nicht anders.

Lediglich am Julius-Stursberg-Gymnasium in Neukirchen-Vluyn will sich Schulleiterin Dr. Susanne Marten-Cleef nicht gar so schnell festlegen: „Wir müssen uns erst einmal zeigen lassen, was da auf uns zukommt.“

>>MEINUNG:

NRZ-Volontär Erik Acker gehörte zum ersten G8-Jahrgang. Er schildert an dieser Stelle seine Sicht der Dinge:

„Im Jahr 2005 bin ich als damals 11-Jähriger aufs Gymnasium gekommen. Ich gehöre also zum ersten Jahrgang G8. Meine Mitschüler und ich waren die Versuchskaninchen. „Ich kann da auch nichts für, aber ihr habt für den gleichen Stoff ein Jahr weniger Zeit“ – ein Satz, der meine Schulzeit geprägt hat. Ich hatte häufig das Gefühl, mit diesem Abitur nach acht Jahren tut man weder Schülern noch Lehrern einen Gefallen. Klausurtermine waren oft eng getaktet, so dass dazwischen wenig Platz für neuen Stoff blieb.

Das größte Problem ist jedoch meiner Meinung nach: In meinen acht Jahren Gymnasium habe ich ein Praktikum gemacht, zwei Wochen lang, in der achten Klasse. Dann weiter Schule. Es fiel mir deshalb schwer, mich nach dem Abi für eine Studienrichtung oder eine Ausbildung zu entscheiden. Und da ging es nicht nur mir so. Das Sammeln der ersten eigenen Berufserfahrung fehlte in meiner Schulzeit. Ich habe dann erstmal ein freiwilliges soziales Jahr gemacht, zur Orientierung. Aber das Abitur als Reifeprüfung sollte auch auf die Berufswahl vorbereiten.“

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