NRZ-Interview

Corona in Moers: Am besten über die Probleme sprechen

Lena Brandau leitet das Kinder- und Jugendbüro in Moers.

Lena Brandau leitet das Kinder- und Jugendbüro in Moers.

Foto: Stadt Moers

Moers.  Lena Brandau leitet bei der Stadt Moers das Kinder- und Jugendbüro. Im NRZ-Interview sagt sie: In der Corona-Krise muss man flexibel sein.

Der zweite Corona-Lockdown ist für viele eine Belastung. Auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein. Das Kinder- und Jugendbüro der Stadt Moers kennt die Ängste und Sorgen – und hat sich auf die Corona-Krise eingestellt, wie die Leiterin Lena Brandau im Interview mit Matthias Alfringhaus (NRZ) sagt.

Wie gehen Kinder und Jugendliche in Moers mit dem zweiten Lockdown um?

Lena Brandau: Da die Schulen offen sind, entsteht ein geregelter Alltag für Kinder und Jugendliche. Neben dem Lernen können sie hier ihre Freundinnen und Freunde treffen und soziale Kontakte weiterhin pflegen. Die Mitarbeitenden aus den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit berichten, dass viele Besucher weiterhin den Kontakt zu den Einrichtungen suchen und sich freuen, wenn sie in die Einrichtung kommen können. Einige Kinder sind auch teilweise verunsichert aus Sorge, dass sie sich und andere anstecken könnten. Die meisten Kinder und Jugendlichen haben die bestehenden AHA + L Regeln verinnerlicht und halten sich vorbildlich daran. Auch wenn sich die Regeln in der Schule eventuell zu denen in den Einrichtungen unterscheiden, können sich die Kinder gut daran halten.

Was raten Sie Jugendlichen, die unter dem Lockdown leiden?

Am besten darüber sprechen, mit wem auch immer. Mit den Eltern, einem Freund, einer Freundin..... Auch die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind geöffnet. Neben der Möglichkeit, eine begrenzte Besucherzahl pro Tag zu betreuen oder Beratungen anzubieten, sind die Kolleginnen und Kollegen der Einrichtung auch telefonisch oder über die Sozialen Netzwerke erreichbar. Zudem bieten die örtlichen Beratungsstellen eine Onlinesprechstunde an. Wenn man lieber anonym mit jemandem sprechen oder chatten möchte, gibt es außerdem die „Nummer gegen Kummer“ (https://www.nummergegenkummer.de/). Der Anruf und die Beratung sind kostenlos.

Welche Möglichkeiten hat das Kinder- und Jugendbüro Moers in dieser Zeit?

Das Kinder- und Jugendbüro bietet für die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aktuell insbesondere in Bezug auf die Coronaregelungen eine Fachberatung an. Durch die guten Kontakte zur Fachberatung des Landschaftsverbandes Rheinland und die verwaltungsinternen Kontakte zu anderen relevanten Behörden können wir wichtige Infos schnell weitergeben und Unklarheiten beseitigen. So kann eine einheitliche Linie für die Offene Kinder- und Jugendarbeit in Moers entstehen. Viele eigene Projekte, insbesondere größere Veranstaltungen wie das Seifenkistenrennen und die Stadtteilfeste, konnten wir in diesem Jahr nicht durchführen. Für die anderen Veranstaltungen/Projekte konnten Alternativkonzepte wie MoFA – die Moerser Ferienaktion – statt Tummelferien entwickelt werden. Auch die ausstehenden Projekte „Medientag“, „Jugendkongress“ und „Wunschbaumaktion mit Klartext“ werden alternativ organisiert.

Wie wird Corona die Arbeit des Jugendbüros verändern?

Corona wird weiter die Flexibilität unserer Arbeit herausfordern. Diese Herausforderung werden wir in dem Wissen, einen Mehrwert für Kinder und Jugendliche zu schaffen, gerne annehmen und weitere Möglichkeiten und Alternativen entwickeln, um unsere Projekte und unsere Arbeit wahrnehmen und ausüben zu können. Während wir in den vergangenen Jahren teilweise nur das Wetter als unsicheren Faktor bei unseren Projekten im Hinterkopf haben mussten, wissen wir jetzt, dass wir auch die weitere Entwicklung der Pandemie im Blick behalten und uns flexibel anpassen müssen.

Welche positiven Seiten gewinnen Sie persönlich der Corona-Krise ab?

Ob es wirklich eine positive Seite der Pandemie gibt, sehe ich nicht direkt. Indirekt haben wir aber Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt, die uns helfen können, unsere Arbeit weiterzuentwickeln. Wir als Kinder- und Jugendbüro und insbesondere die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit konnten feststellen, dass die Offene Kinder- und Jugendarbeit sich abermals als krisensicher herausgestellt hat. Nach der ersten „Schockstarre“ im Frühjahr haben alle Kolleginnen und Kollegen aus dem Arbeitsfeld sich und andere mobilisiert, den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen gehalten und alternative Lösungen für bestehende und neue Bedarfe entwickelt. Neben digitalen Angeboten und Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit „ToGo“ konnten Beratungsgespräche und Angebote auf Abstand durchgeführt werden. In Bezug auf die alternative Sommerferienmaßnahme „MoFA“ kann ich nur immer wieder betonen, dass das Netzwerk und die Unterstützung aller Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit auch trägerübergreifend fabelhaft funktioniert haben. Darauf können wir alle stolz sein und ich bin dankbar dafür, dass die Kolleginnen und Kollegen für die Sache und die Kinder/Jugendlichen so flexibel und unproblematisch unterstützend mitgemacht haben. In solchen Situationen und Zeiten lernt man, ein solches Netzwerk noch mehr zu schätzen. Die Corona-Krise hat zudem Bedarfe insbesondere in Hinblick auf Kinderarmut, Chancengleichheit bei Bildung und Digitalisierung in Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe offen gelegt. Dass dies nun deutlicher gesehen wird, löst an verschiedenen Stellen hoffentlich Zugzwang aus.

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