Kulinarisches

Bewohner des Moerser Wittfeld-Hauses haben Kochbuch verfasst

Foto: Erwin Pottgiesser

Moers.   „Wie wir uns verwöhnen“ lautet der Titel des Gemeinschaftswerks, in dem Bewohner Lieblingsrezepte vorstellen. Tipps für den Einkauf gibt es auch.

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Es duftet in der Küche des Johann-Heinrich-Wittfeld-Wohnverbundes der Grafschafter Diakonie. Die Bewohnerinnen Jasmin Zimmer, Marion Bahlo und Anja Weber stehen am Herd und schauen in die brutzelnden Töpfe. Darin köchelt gerade ein „Chilli Con Carne“. Neben ihnen liegt das Kochbuch, in dem sie nachsehen, welcher Kochschritt als nächstes folgt. „Wie wir uns verwöhnen“ ist der Titel des neuen Kochbuchs, das der Wittfeld-Wohnverbund nun herausbringt.

Kochen und gemeinsames Essen ist festes Ritual

Das Konzept des Wohnverbundes: Menschen mit psychischen Erkrankungen und körperlichen Einschränkungen leben in betreuten Wohngruppen gemeinsam zusammen. Insgesamt 24 Bewohner leben derzeit in dem Haus an der Voßrather Straße. In familienähnlichen Strukturen lernen sie, selbstständig zu leben und Aufgaben zu übernehmen. Neben der Ordnung im Haushalt kümmern sich die Bewohner auch ums Kulinarische. „Kochen und das gemeinsame Essen ist für die Bewohner ein festes Ritual“, erzählt Einrichtungsleiter Axel Loobes.

Die Zubereitung der Mahlzeiten ist dabei nicht nur ritualisiertes Handwerk, sondern hilft auch dem Gemüt: „Viele Bewohner haben beispielsweise Depressionen oder leiden unter Schizophrenie. Wenn die Bewohner in der Küche aktiv sind, vergessen sie für einen Moment ihre Erkrankungen.“

Mit großem Eifer machen alle mit, wenn Bezugsbetreuerinnen Svenja Grootz und Silke Nottebohm den Wochenplan fürs Essen erstellen: Am Morgen werfen die Bewohner einen Blick in den Kühlschrank, erstellen Einkaufszettel und gehen gemeinsam mit den Betreuern in den Supermarkt um die Ecke einkaufen. „Dabei achten wir darauf, dass das Essen abwechslungsreich und gesund ist“, sagt Grootz.

Lieblingsrezepte mit Fotos auf 48 Seiten

Nach dem Einkauf geht’s an das Kochen. Gegen 12 Uhr versammeln sich alle am Tisch und essen gemeinsam zu Mittag. Kochen ist für die Bewohner ein Tor, um ihre Sorgen zu vergessen: Die Idee, ein eigenes Kochbuch herauszubringen, lag da nicht fern. „Wir haben gesehen, mit wie viel Freude die Bewohner ihr Essen vorbereiten und dabei immer wieder neu kreativ sind“, sagt Einrichtungsleiter Loobes.

2014 begann das Vorhaben: Über viele Monate sammelten Bewohner und Mitarbeiter Rezeptvorschläge, schrieben Arbeitsanleitungen, kochten und fotografierten. Das Kochbuch ist so auch sehenswert geworden: 22 Bewohner präsentieren ihre Lieblingsrezepte mit Fotos auf 48 bunten Seiten.

„Wir freuen uns, dass wir das so gut hinbekommen haben“, sagt die 54-jährige Marion Bahlo lächelnd. Sie zeigt auf die großformatigen Seiten, auf denen eine Einkaufsliste, die Zubereitungsschritte und Fotos der Bewohner abgebildet sind.

Buch ist Gemeinschaftswerk und logistische Leistung

Wer das Buch durchblättert, findet vielfältige Ideen für den Mittagstisch: Putencurry mit Reis und Salat, Rinderleber mit Zwiebeln oder auch „Durchgedrehtes trifft junges Gemüse“ -- so heißen die Rezepte aus dem neuen Moerser Kochbuch. Auch die Männer im Haus schwingen den Kochlöffel: Die Hälfte der am Buch beteiligten Bewohner sind männlich.

Das Buch ist ein großes Gemeinschaftswerk und dazu auch eine logistische Leistung: Beschäftigte der Arbeitstherapie erstellten das Buch selbst. Sie druckten es und stellten die Seiten zu einem modernen Layout zusammen. Fortan ist das Kochbuch im Wittfeld-Lädchen an der Uerdinger Straße 105 gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro zu erwerben. Die Bewohner bieten es dort zum Verkauf an.

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