Berufswahl

Auch in Kamp-Lintfort sucht das Handwerk Nachwuchs

In kleiner Runde konnten sich die Schüler über verschiedene Handwerksberufe informieren.

In kleiner Runde konnten sich die Schüler über verschiedene Handwerksberufe informieren.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Der Handwerkertag an der Unesco-Schule hat Tradition. Aber: immer weniger Schüler entscheiden sich nach der 10. Klasse für einen Handwerksberuf.

Ruben könnte sich vorstellen, Tischler zu lernen. „Weil man da am Ende des Tages sehen kann, was man gemacht hat.“ Mit seiner Neigung zum Handwerk ist der 15-jährige Unesco-Schüler allerdings eher die Ausnahme: Von den aktuell 170 Zehntklässlern an der Unesco-Schule würden vielleicht sieben im nächsten Jahr eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf anstreben, schätzt Lehrerin Katharina Strüve, die an der Unesco-Schule die Berufswahlorientierung koordiniert. Am Mittwoch waren Betriebe aus Kamp-Lintfort und Umgebung zum Handwerkertag an die Gesamtschule eingeladen. Auch, um Werbung in eigener Sache zu machen.

Der Handwerkertag an der Unesco-Schule hat Tradition, auch wenn die Rahmenbedingungen heute anders als beim Start vor 14 Jahren sind. Damals wurden die Innung in der Schule aktiv, weil so viele Jugendliche keine Ausbildungsplätze fanden, erzählt Bäckermeister Johannes Gerhards. „Das hat sich heute gedreht.“ „Wir merken, dass es schwieriger wird, die Bewerberflut ist so nicht mehr da, die Unentschlossenheit ist groß“, sagt Thomas Schulmeyer, der in Kamp-Lintfort einen Glaser- und Malerbetrieb führt. Bei ihm habe es mit dem Azubi in diesem Jahr „erst kurz vor Toreschluss geklappt“.

Isabelle Pfau hat eine steile Karriere hingelegt

Malermeister Dirk Beier sieht das ähnlich: „Viele Eltern sagen ihren Kindern: ,Mach erst mal was Gescheites’ und meinen ein Studium damit. Die wenigsten Jugendlichen haben eine Ahnung, was Handwerk überhaupt ist.“ Wie schnell man im Handwerk etwas erreichen kann, zeigt das Beispiel seiner ehemaligen Auszubildenden Isabelle Pfau. Die 24-Jährige Rheinbergerin ist nach drei Jahren Lehrzeit und einem halben Jahr als Gesellin jetzt Meisterin. „Im Rennen um die Karriere zählt für viele nur das Abitur – und dann heißt es ,erst mal gucken“, hat Tischlermeister Pierre Brensing für sich beobachtet.

„Beim Handwerker-Tag geht es auch darum, mit Vorurteilen aufzuräumen und den Schülern zu erklären, dass ein Handwerksmeister mit eigenem Betrieb oft besser verdient, als ein Akademiker“, sagt Katharina Strüve. Viele Schüler wollten nach der zehnten Klasse an der Schule bleiben „weil sie es einfach so kennen“, so die Lehrerin. Viele wählten dann das Berufskolleg. „Da wird die Berufswahl oft nur aufgeschoben.“

In der Unesco-Schule startet die Berufsvorbereitung schon in der 6. Klasse – mit einem Tag, an dem die Kinder ihre Eltern an den Arbeitsplatz begleiten können. In den Klassen 8, 9 und 10 folgen Praktika. Neben dem Handwerkertag informiert auch der Chemieaktionstag über Berufsangebote, ebenso die Messe Connect me, an der Unesco-Schüler teilnehmen.

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