Corona-Pandemie

12 Corona-Patienten im Kamp-Lintforter Krankenhaus

Magda Heckers-Colic, Bereichsleitung der COVID-Isolierstation am St. Bernhard-Hospital.

Magda Heckers-Colic, Bereichsleitung der COVID-Isolierstation am St. Bernhard-Hospital.

Foto: St. Bernhard Hospital

Kamp-Lintfort.  Zwei Patienten werden im Kamp-Lintforter St. Bernhard-Hospitals auf der Intensivstation behandelt. Weitere zehn sind auf der Isolierstation.

Ende Oktober warnten Intensivmediziner im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie vor Mangel an Pflegepersonal, die Gewerkschaft Verdi sieht Krankenhauspersonal an der Belastungsgrenze. Clemens Roeling, Pflegedirektor am Kamp-Lintforter St. Bernhard-Krankenhaus, über die aktuelle Situation:

Wie viele Covid-19-Patienten werden aktuell (Stand Freitag, 20.11.2020) im St. Bernhard behandelt, wie viele davon müssen intensivmedizinisch behandelt werden?

Stand Freitag, 20.11.2020 werden bei uns 12 Patienten mit Covid-19 behandelt, davon 10 auf der Isolierstation und 2 auf der Intensivstation, von diesen wird ein Patient invasiv beatmet. Auf der Covid-Verdachtsstation werden aktuell vier Patienten betreut.

Nimmt das St. Bernhard-Krankenhaus Covid-19-Patienten aus dem Ausland auf?

Wir haben zur Aufnahme ausländischer Patienten mit Covid-19 im Rahmen der intensivmedizinischen Behandlung der Uniklinik Münster, die die Anfragen zentral steuert, unsere Bereitschaft zur Behandlung mitgeteilt. Bisher gab es jedoch dazu keine Anfrage der Uniklinik. Das liegt bereits einige Wochen zurück, zum damaligen Zeitpunkt hätten wir einen Beatmungsbettplatz bereitstellen können.

Was hat sich seit März für das Pflegepersonal geändert?

Das Pflegepersonal insgesamt hat sich den vielen Herausforderungen, die sich in Verbindung mit der Corona-Pandemie ergeben, mit großer Motivation gestellt und mit besonderer Flexibilität angenommen.

Das betrifft die Pflegefachkräfte in den Covid-Bereichen natürlich besonders, durch intensive Schulungen und Begleitungen durch Bereichsleitungen, Hygieneteam und Krisenstab konnten sie besondere Sicherheit erlangen. Insgesamt ist der „Blick über den eigenen Tellerrand“, durch neue Aufgaben oder Mitarbeit in anderen Teams, für viele eine besondere, aber auch gern angenommene Herausforderung. Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Berufsgruppen hat sich weiter sehr positiv entwickelt, die Pflege und Behandlung der Covid-Patienten ist echte Teamarbeit. Inzwischen läuft der gesamte Betrieb ja neben Corona auch fast wieder im Normalzustand, dieser Spagat ist für die Pflege und für alle Berufsgruppen eine besondere Situation. Für alle Berufsgruppen gibt es regelmäßig Klinikkonferenzen in Kleingruppen und dazu den Corona-Newsletter, der allen zur Verfügung gestellt wird.

Wie groß ist die Sorge der Mitarbeiter, sich im Dienst anzustecken?

Natürlich haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Bereichen die Angst, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren und so vielleicht auch die Familie zu gefährden. Durch die vielen Schutzmaßnahmen – neben der persönlichen Schutzausrüstung sind es die Schulungen der Mitarbeiter zu diesen speziellen Hygienestandards, das Screening der Patienten und Besucher vor Betreten des Hospitals oder die PCR-Testung aller Patienten, die wir schon seit vielen Monaten konsequent durchführen – können die Ängste aber deutlich gemildert werden. Alle Mitarbeiter führen täglich ein Symptomtagebuch und haben bei Auffälligkeiten ihre Ansprechpartner und kurzfristig die Möglichkeit der Testung.

Wie groß ist die Belastung der Pflegemitarbeiter aktuell?

Es gibt nicht die eine besondere Belastungssituation, die Covid-Bereiche sind ganz klar seit Pandemiebeginn einer besonderen Belastung ausgesetzt, während auf den normalen Stationen die Belastung der jeweiligen Belegungssituation entspricht. Aber auch diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beweisen tagtäglich eine besondere Sensibilität und stellen sich bei notwendigen Personalumverteilungen immer wieder neuen Situationen.

Gibt es coronabedingt einen höheren Krankenstand als sonst?

Ja den gibt es, aber weniger durch Covid-Erkrankungen von Mitarbeitern. Eher bereitet uns die Anzahl der Pflegenden oder Ärzte, die durch Quarantäneanordnungen nicht einsatzfähig sind, Sorgen. Diese sind aber bisher gut zu kompensieren gewesen und haben die Patientenversorgung nicht gefährdet. Für kurze Phasen mussten wir in wenigen Fällen schon Stationen für die Aufnahme neuer Patienten sperren. Durch die hohe PCR-Testrate, auch bei Mitarbeitern, konnten wir diese Maßnahme aber immer nach kurzer Zeit beenden.

Gibt es für das Pflegepersonal Anweisungen, wie es sich in der Freizeit oder im Urlaub verhalten soll, um ein Ansteckungsrisiko außerhalb des Krankenhauses zu minimieren?

Nein, es gibt keine Anweisungen an die Mitarbeiter für den privaten Bereich, wir appellieren und thematisieren aber regelmäßig zur Einhaltung der RKI-Schutzmaßnahmen oder der Verordnungen auch im privaten Bereich. Das Thema Urlaub in Risikogebieten spielt bei der derzeitigen Infektionslage keine Rolle, wie z. B. in den Sommermonaten. Wir haben ausdrücklich allen die Nutzung der Corona-Warn-App empfohlen.

Im März und April haben sich die Mitarbeiter über viele Danke-Aktionen freuen können. Gibt es diese Aktionen aktuell immer noch?

Die Dankeschön-Aktionen während der ersten Welle der Pandemie waren für die Mitarbeiter sehr wichtig und motivierend. Corona ist ja inzwischen ein Teil unseres Alltags geworden, mit dem wir noch einige Zeit leben müssen. Insofern sind es nicht mehr so viele Danke-Aktionen wie anfangs – aber es gibt sie und drüber freuen wir uns sehr!

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