Gericht

Todesangst: Mescheder nimmt Exfrau in den Schwitzkasten

Vor dem Amtsgericht Meschede musste sich jetzt ein 40-jähriger Mescheder verantworten. Er hatte seine Frau gewürgt.

Vor dem Amtsgericht Meschede musste sich jetzt ein 40-jähriger Mescheder verantworten. Er hatte seine Frau gewürgt.

Foto: Ute Tolksdorf

Meschede  Er wollte reden. Sie versuchte ihn aus der vormals gemeinsamen Wohnung zu werfen. Doch der Ehemann, der mal Kampfsport gemacht hatte, griff zu.

. Zu einer Geldstrafe von 2000 Euro Euro ist ein 40-jähriger Mescheder verurteilt worden. Er hatte seine Ehefrau im August 2018 so gewürgt, dass sie Todesangst hatte.

Vor Gericht sitzt ein langer, schlaksiger Mann, der während seine Ex-Frau spricht, meist nur auf seine gekreuzten Arme guckt. Der 40-jähriger ist Elektriker, hat drei kleine Kinder. „Er befand sich damals in einer emotional aufgewühlten Situation kurz nach Trennung“, berichtet sein Anwalt Otto Entrup. Mittlerweile sei die Situation geklärt, der Umgang mit den Kindern geregelt.

Die Sicht des Mannes

Das Ehepaar lebte in Trennung, als der Mann, der damals bereits auf einen Campingplatz gezogen war, gegen 20 Uhr wieder in der gemeinsamen Wohnung auftauchte. Er wollte reden, so Entrup. „Er hoffte, dass die Beziehung noch nicht endgültig beendet war.“ Doch seine Frau habe ihm das Gespräch verweigert und stattdessen angefangen, mit einer Freundin zu telefonieren.

Er sei ihr ins Schlafzimmer gefolgt und habe ihr dort das Handy weggenommen. Die Frau ging in die Küche. „Es kann sein“, so sagte der Angeklagte dann doch selbst aus, „dass sie sich von mir in die Ecke gedrängt gefühlt hat.“ Als sie begann, ihn zu schlagen und zu kratzen, habe er sie in den Schwitzkasten genommen. „Ich habe mal Judo gemacht, das war nur ein Blockiergriff“, sagte er. Er habe aber direkt abgelassen, als sie um Hilfe schrie und dann das Haus verlassen. Eher rhetorisch kam darauf die Frage von Richter Dr. Sebastian Siepe: „Mal zwei Schritt zurückzugehen, das wäre nicht möglich gewesen?“ Er habe sich angegriffen gefühlt erklärte der Mann und sogar überlegt, die Polizei zu rufen. Doch da sei ihm seine Frau zuvorgekommen. „Die hätten mich ja ausgelacht, dass ich als Zwei-Meter-Mann eine 1,60-Frau anzeige.“

Die Sicht der Frau

Seine Frau schilderte den Vorfall deutlich drastischer. Auch eine Freundin, die am Telefon einen Großteil des Streits mitbekommen hatte, berichtete davon, wie aufgelöst die 39-jährige Meschederin gewesen sei. Dabei war es sogar die Ehefrau, die ihrem Mann angeboten hatte zu kommen. „Es ging ihm nicht gut damals“, sagte sie. „Ich habe ihm gesagt, du kannst mit den Kindern spielen.“ Doch in der Wohnung ging es dann nicht um die Kinder, sondern nur um die Ehe. „Es war alles sehr diffus“, so die Frau. „Es gab Anschuldigungen und Beleidigungen. Er war wie im Wahn.“

Sie habe versucht, aus der Situation herauszukommen. Doch er habe nicht lockergelassen. Im Schlafzimmer habe er ihr das Handy mit solcher Gewalt aus den Händen gerissen, dass sie an den Oberarmen Blutergüsse davontrug. In der Küche habe er sie in die Ecke gedrängt. „Ich kenn’ das schon“, sagte seine Frau, „wenn er auf der Schiene ist, komm’ ich nicht mehr an ihn ran.“ Als er sie in die Ecke gedrängt hatte, versuchte sie, sich kratzend und schlagend zu befreien. „Er hielt erst meine Hände fest, stellte sich dann hinter mich und nahm mich in den Schwitzkasten.“ Die Frau bekam keine Luft, hatte Todesangst. „Ich konnte nicht mal schreien.“ Geschrien habe sie erst, als er von ihr abließ.

Das Urteil

Richter Dr. Sebastian Siepe verurteilte den Mann zu 80 Tagessätzen zu je 25 Euro. Er gilt damit offiziell als nicht vorbestraft. „Das gilt für alle Verurteilungen bis zu 90 Tagessätzen“, erläuterte Staatsanwalt Wolfgang Niekrens im Anschluss an die Verhandlung..

In seiner Begründung würdigte der Richter die persönlichen Umstände des Mannes und dass er nicht vorbestraft war. Die emotional aufgewühlte Situation habe er aber selbst verursacht, sagt er dem Angeklagten. „Ihre Reaktion – mit Kampfsport auf einen Bagatell-Angriff – war in keiner Weise gerechtfertigt.“ Der Angeklagte nahm das Urteil an. Es ist damit rechtsgültig.

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