Tiere

Tierheim-Leiter: Meschede braucht eine Kastrationspflicht

Nico Mairing mit seinem Hund Panda, den er aus dem Tierheim Meschede adoptiert hat.   

Nico Mairing mit seinem Hund Panda, den er aus dem Tierheim Meschede adoptiert hat.   

Foto: Privat

Meschede.  Nico Mairing ist neuer Leiter des Mescheder Tierheims. Warum ihm vier Yorkis Sorgen machen und er für eine Kastrationspflicht für Katzen ist.

Tierliebe - die lebt Nico Mairing, nicht nur zu Hause mit seinen fünf Hunden und im eigenen Tierschutzverein, sondern auch als Leiter der Tierheims Meschede am Enster Weg. Für ihn kein Beruf, sondern eine Berufung. Sorgen machen ihm gerade vier kleine Yorkshire Terrier.

Vier kleine Yorkis machen ihnen gerade besondere Sorgen, warum?

Nico Mairing: Die vier stammen alle aus einer Sicherstellung. Sie hatten wahrscheinlich eine gute Zeit, bis die Frau, der sie gehörten, sich nicht mehr um sich und die Tiere kümmern konnte. Sie gehen gern noch ein Stündchen am Tag spazieren, sind alle sehr verschmust und brauchen Zuwendung, auch Medikamente. In der Unruhe eines Tierheims gehen sie unter. Wir haben sie deshalb in Pflegestellen untergebracht. Dazu kommt, dass Daisy, die Älteste, bereits operiert werden musste, sie hatte einen Bauchdeckendurchbruch und eine Gebärmutterentzündung. Um sie kümmert sich zurzeit meine Kollegin Ramona Albrecht. Alle könnten eine neue, liebevolle Familie wirklich gut gebrauchen.

Und was bereitet Ihnen sonst Kopfschmerzen?

Die Katzenschwemme. Meschede braucht endlich - wie es in anderen Kommunen schon lange üblich ist - eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen. Zu viele Menschen lassen einfach zu, dass sich die Tiere vermehren. Stellt sich ungewollter Nachwuchs ein, werden die Kätzchen ausgesetzt und verwildern. Mit einer Kastrationspflicht, davon bin ich überzeugt, könnten wir dieses Katzenelend stoppen.

Die Sache mit den ausgesetzten Hausschweinen hat Sie und uns zuletzt beschäftigt. Ist das ein neuer Trend?

Als Trend würde ich das nicht bezeichnen. Hoffentlich! Das Problem ist, dass die Tiere als Minischweine verkauft werden. Das klingt erstmal süß. Tatsächlich werden sie dann aber doch relativ groß, und die Besitzer sind überfordert. Schweine brauchen einen Stall, müssen sich suhlen. Das sind keine Wohnungstiere. Wenn die Besitzer das merken, fliegen sie raus.

Sie werden auch als Gag verschenkt?

Davon habe ich noch nichts gehört. Das finde ich aber immer bedenklich. Tiere sollte man generell nicht verschenken. Bei uns gibt es deshalb im Dezember auch immer einen Vermittlungsstopp, damit Kaninchen, Katzen oder Hunde eben nicht unter dem Weihnachtsbaum landen und um für das Thema zu sensibilisieren.

Und wenn die Tiere dann nach ein paar Monaten stören oder der Besitzer überfordert ist, werden sie auch aus Scham einfach am Tierheim angebunden, statt sie ordnungsgemäß zu übergeben?

Es gibt Menschen, die das tun. Aber das ist der schlechteste Weg. So erfahre ich nichts über das Tier, weiß nicht, wie es bisher gelebt hat, ob es Kinder mag, ob es krank oder wie alt es ist. Hier wird niemand der Kopf abgerissen, weil er ein Tier abgibt, mit dem er nicht mehr klarkommt.

Sie wollen den Tieren eine Stimme geben. Was muss ein Tierheimleiter noch mitbringen?

Man darf den Blick fürs große Ganze nicht verlieren und muss mit Herz und Verstand bei der Sache sein. Man muss teamfähig sein und die Finanzen immer im Blick haben - auch bei kleinen Dingen. Denn wir leben schließlich hauptsächlich von Spenden. Die Liebe zum Tier ist natürlich eine Grundvoraussetzung.

Wie ist Ihre Erfahrung? Wie sehen die Bürger und die Politik das Tierheim?

Wir sind ja ein recht kleines Tierheim und nur zuständig für Bestwig, Eslohe, Schmallenberg und Meschede. Von den Kommunen erhalten wir einen kleinen Obolus, weil wir uns um die Fundtiere kümmern. Ansonsten kann ich mich nicht beklagen. Wenn wir einen Aufruf zur Futterspende starten, gibt es immer viel Resonanz, auch wenn es allgemein nie zu viel Geld im Tierschutz gibt. Es fehlt immer an allen Ecken und Kanten.

>>> Zur Person

Nico Mairing ist 33 Jahre alt - ab dem 29. Januar 2020 verheiratet und er ist gelernter Tierpfleger.

Seine Ausbildung absolvierte er im Tierheim in Lippstadt, danach arbeitete er dann in verschiedenen Tierheimen zwischen Kassel und Remscheid, bevor er im Jahr 2017 in Meschede angestellt wurde.

Seit September 2019 leitet Mairing jetzt die Mescheder Einrichtung. Er lebt mit seiner Frau Lena und fünf Hunden in Ense-Lüttringsen Von dort betreut das Paar auch den gemeinsamen Tierschutzverein Lippstädter Pfotenhilfe.

Im Tierheim, das zuständig ist für Meschede, Eslohe, Schmallenberg und Bestwig, sind neben Mairing noch die Tierpflegerinnen Cinja Wolcz und Ramona Albrecht angestellt, alle mit jeweils 30 Stunden. Dazu kommen Aushilfen auf und ehrenamtliche Helfer.

Sie kümmern sich momentan um 10 Hunde, 3 Schweine, 5 Kaninchen, 1 Papagei und 25 bis 30 Katzen.

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