Anklage

Sexueller Missbrauch in Eslohe sogar mit dem Handy gefilmt

Auf unserem Symbolbild versucht ein Kind, sich gegen einen Täter zu wehren. Bei Eslohe ist ein kleiner Junge mehrfach Opfer von sexuellem Missbrauch geworden.

Auf unserem Symbolbild versucht ein Kind, sich gegen einen Täter zu wehren. Bei Eslohe ist ein kleiner Junge mehrfach Opfer von sexuellem Missbrauch geworden.

Foto: imago stock&people

Eslohe.  Mehrfacher sexueller Missbrauch seines Enkels, darunter eine Vergewaltigung, wird einem 75-Jährigen aus Eslohe vorgeworfen. Er gesteht die Fälle.

Im September wird vor dem Landgericht Arnsberg der Prozess gegen einen 75 Jahre alten Mann aus einem Esloher Ortsteil stattfinden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, so Oberstaatsanwalt Thomas Poggel, einen Jungen mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Angeklagt sind sechs Fälle. Darunter ist ein schwerer sexueller Missbrauch, also eine Vergewaltigung. Das Strafrecht sieht eine Mindeststrafe von zwei Jahren Gefängnis vor, die Höchststrafe liegt bei 15 Jahren.

Keine anderen Kinder belästigt

Nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um den Großvater, der sich an seinem sieben Jahre alten Enkel vergangen haben soll. Offen ist, ob das Kind vor Gericht aussagen muss. Ersparen könnte ihm das der Angeklagte. Sein Mandant sei geständig, erklärt auf Nachfrage Oliver Brock aus Brilon, der Anwalt des 75-Jährigen. Bestritten habe sein Mandant allerdings, dass er in der Vergangenheit bereits über Jahre hinweg Kinder belästigt oder missbraucht haben soll. Dies habe sich auch in den Ermittlungen nicht bestätigt. Der Mann ist nicht vorbestraft.

Eindeutige Beweise

Es gibt offenbar eindeutige Beweise gegen den alten Mann: Von einer Tat liegt eine Videoaufnahme vor, die mit dem Handy gemacht wurde. Der Mann war an Weiberfastnacht von der Polizei festgenommen worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Nach unseren Informationen soll der Mann einen Selbstmordversuch in der Haft unternommen haben.

Familie wendet sich ab

Eigentlich dürfen zwischen Beginn der Untersuchungshaft und dem Beginn eines Prozesses nur sechs Monate liegen: Im Fall des 75-Jährigen wird diese Zeitspanne leicht überschritten. Das Oberlandesgericht Hamm hat eine Ausnahmegenehmigung dafür erteilt, dass er länger in U-Haft bleiben kann. Denn der Mann hat kein Zuhause mehr, weil sich seine Familie nach Bekanntwerden der Vorwürfe von ihm abgewendet hat. „Er könnte nirgendwo unterkommen“, sagt sein Anwalt Oliver Brock. Sein Mandant würde sonst aus der Untersuchungshaft in die Obdachlosigkeit entlassen.

Der Mann war wegen der zu erwartenden hohen Strafe und einer deshalb denkbaren Fluchtgefahr in Untersuchungshaft gekommen, die seit seiner Festnahme bis heute andauert. Außerdem bestand diese Fluchtgefahr, weil er offenbar ein begeisterter Camper mit Kontakten ins Ausland ist.

Für das Verfahren im September in Arnsberg wird noch ein Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten erstellt werden. Darin wird unter anderem geprüft, ob bei dem 75-Jährigen eine Altersdemenz vorliegt.

>>>HINTERGRUND<<<

Eine Haftstrafe nicht unter zwei Jahren Gefängnis sieht das Strafgesetzbuch im Paragrafen 176a für schweren sexuellen Missbrauch vor - dann, wenn ein Täter über 18 Jahren mit einem Kind „den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an ihm vornimmt oder an sich von ihm vornehmen lässt, die mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind“.

Das Landgericht Arnsberg fällt – wenn sich die Anklagen letztlich bestätigen lassen – in seinem Urteil dann eine Gesamtfreiheitsstrafe, die sich aus dem einen Fall des schweren sexuellen Missbrauchs und den fünf vorgeworfenen Fällen des sexuellen Missbrauchs zusammensetzt. Strafverschärfend wirkt es sich aus, wenn ein Opfer eines Missbrauchs vor Gericht noch aussagen muss.

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